Zeitung Heute : Nichts da von Militär

ECKART SCHWINGER

Die Prager Kammerphilharmonie im SchauspielhausECKART SCHWINGERObwohl die Prager Kammerphilharmonie ein Kammerensemble des Künstlerstudios des Verteidigungsministeriums Prag ist, wirkt ihre Musizierhaltung nicht im mindesten militärisch.Es war sicherlich kein Zufall, daß sich das famose Ensemble im zweiten Teil des nachmittäglichen Schauspielhaus-Konzertes für einen instrumentalen Spitzentanz der ironisch-heiteren Art entschieden hatte, nämlich für die launig daherwirbelnde Orchestersuite aus der Musik zu Molières Komödie "Der Bürger als Edelmann" von Richard Strauss.Gewiß musizieren die Prager mit viel musikantischer Energie und schöner, moderner Umrißschärfe, aber Aggressivität ist bei ihnen ebensowenig zu bemerken wie bei ihrem Chefdirigenten Ji«ri B«elohlávek. B«elohlávek legt Wert auf einen so reich strömenden wie differenzierten, aber nie überzeichneten Musizierstil.Dennoch fiel auf, daß zu Beginn bei Ludwig van Beethovens Achter viel Pfeffer im Spiel war, daß B«elohlávek, der bisweilen eine gewisse Anlaufzeit benötigt, hier sogleich beim ersten Satz voll einstieg und auf ein prasselndes Tempo, dramatische Spannung und trotzige Akzente setzte.Wie humorig kamen dabei allein die beiden Schlußtakte im straff durchgezogenen Tempo heraus! Auch das Menuett wie das Finale wirkten bei aller kammermusikalischen Auflichtung durch jäh herausgeschleuderte Umschwünge, einige pikante Zuspitzungen außerordentlich kurzweilig.Dabei war diese Interpretation keinesfalls nur von der rhythmischen, sondern auch von der kantablen Seite betont delikat. Das gilt auch für das pianistisch bestechend schöne und pointenreiche Beethovenspiel des französischen Klaviervirtuosen François-René Duchable.Etwas geistvoll verspielt, kapriziös, aber spannungsvoll bis in die kleinste Nuance hinein bot der leicht introvertiert wirkende Künstler das vernachlässigte B-Dur-Konzert von Beethoven.In meditativer Stille und lyrisch-mystischer Klangschönheit lotete er das Andante aus, während er beim Finale mit virtuoser Angriffsfreudigkeit loslegte, wobei die linke Hand bisweilen brillanter aufblitzte als die rechte bei manch anderem Pianisten.Nur bei der Kadenz des ersten Satzes vergaloppierte er sich ein bißchen zuviel Pedal erzeugte eine unangenehme Farbverschleierung. Aber ansonsten beeindruckten gerade die ganz gewaltlose, glitzernde Klarheit, die nachtwandlerische Sicherheit, die zauberhafte Anschlagskunst von François-René Duchable.Er hatte sich im Nu die Sympathien des Publikums im Schauspielhaus erspielt.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar