Zeitung Heute : "Nichts ist so teuer wie billiges Werkzeug"

KLAUS ANGERMANN

Der Internetboom sorgt für immer mehr Online-Zugänge in privaten Haushalten.Wer eine eigene E-Mail-Adresse besitzt, verfügt häufig auch über eine private Homepage, die mit mehr oder weniger Aufwand am Computer in der Freizeit in Eigenregie entstanden ist.Will sich dagegen ein Unternehmen im Internet darstellen, muß seine Präsenz vorab genau überlegt sein.Was möchte man an Service bieten, welchen genauen Zweck (Business-to-Business) verfolgen? Besonders wichtig ist dabei die Frage der Datenintegration, da sie über den zu betreibenden Aufwand entscheidet.

Je nach Branche sind interne Firmendaten in elektronischer Form oft bereits vorhanden.Dazu zählen Daten aus Textverarbeitungssoftware oder aus Präsentationsprogrammen.Diese Dateien können ohne große Schwierigkeiten in eine Homepage eingebunden werden.Bei derartigem Datenmaterial würde sich die Verwendung einer unkomplizierten Datenbank (Access, Oracle oder ähnliches) als einfache Lösung anbieten.Wesentlich schwieriger hingegen gestaltet sich die Datenbankeinbindung von strukturierten firmeninternen Massendaten wie Preislisten oder Lagerbeständen.

Datenbanken im Internet werden immer dann eingesetzt, wenn die Verwaltung einfacher HTML-Dateien zu großen Aufwand erfordert.So zum Beispiel, wenn diese Dateien zuviel Platz auf dem Server einnehmen oder ihre Aktualisierung von Hand zu zeitintensiv wird.Je nachdem, wie aktuell die Daten verwaltet werden sollen, steht ein multiuserfähiger Onlinerechner in der Firma (100 Prozent Aktualität) oder beim Provider.Für einen einfachen Shopbetrieb kann ab und zu problemlos ferngewartet werden.

Wie einfach oder kompliziert die Integration vorhandener Daten ist, kommt in hohem Maße auf ihren Einsatz an: Was soll genau dargestellt werden, wie groß muß die Datenbank sein, wie aktuell sollen Abfragen eingebunden werden? Die Erzeugung dynamischer Seiten kann beispielsweise für Abfragen bei Onlinebuchdiensten (Shopsysteme) wie www.welz.de gefordert sein.Dazu startet der surfende Kunde über ein HTML-Formular der Webseiten eine Datenbankanfrage, die über vorhandenen Bestand informieren (Suchfunktion) oder direkt online eine Bestellung vornehmen kann.Solch eine Datenbankeinbindung kann auch für Firmen sinnvoll sein, die jederzeit den jeweils aktuellen Lagerbestand im Internet präsentieren wollen.

Schwieriger als die Entscheidung, was man präsentieren will, ist die Umsetzung der Überlegungen in eine Homepage.Günstiger wird es aus Aufwands- und Kostengründen, wenn eine Datenbank schon vorhanden ist.Eine Erfassung der Daten für eine professionelle Datenbank stellt in der Regel den kostenintensivsten Teil einer Web-Präsenz dar.Die weitere Umsetzung einer Datenbank sollte dann der Provider oder eine Agentur übernehmen, die auf solche Arbeiten spezialisiert ist.Schließlich ist die Verwaltung dynamischer Daten ein sehr komplexer Vorgang, der umfangreiches Fachwissen erfordert.Eine Datenbank ist das Rohmaterial, das in einer Individuallösung angepaßt werden muß.Zwar kann eine kleine Firma sich durchaus eine einfache Homepage selbst erstellen.Für unkompliziert zu erstellende Webseiten gibt es ja genügend Editoren, die immer leichter zu bedienen sind (HotMetall, FrontPage und andere).Doch sollte man nur selbst Hand an die notwendigen Webwerkzeuge legen, wenn sich der Zeitaufwand ungefähr abschätzen läßt.Schnell kann sonst der firmeninterne Kostenaufwand das Preisangebot des Providers übersteigen, von der Qualität des Ergebnisses oft ganz zu schweigen."Nichts ist so teuer wie billiges Werkzeug", so Hartmut Semken von Berlins größtem Internet-Provider Interactive Networx (SNAFU).Seiner Meinung nach sollten sich mittelständische Firmen nur dann selbst an die Datenbankintegration wagen, wenn sie über eigene EDV-Abteilungen mit dem nötigem Know-how verfügen.

Dabei müssen es nicht immer aufwendige Datenbankprogrammierungen sein.Auch mit "statischen" HTML-Seiten kann man genügend Information bieten.Ein Beispiel dafür ist das Angebot von AMS Umweltschutz GmbH ( www.ams-berlin.de ), das auf einfache Weise ohne beträchtliche Datenbanken ein Angebot (ohne Bestellmöglichkeiten) darbietet.Wem dieser Webauftritt nicht ausreicht, kann durch verschiedene Internet-Dienste (Beispiele findet man unter www.citro.net/webservice.shtml ) die Firmenwebseite auf recht schnellem Wege aufpeppen.Die Internetpräsenz sollte aber optisch dem Unternehmen angemessen sein!

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