Zeitung Heute : „Nie wieder Frühstücksbuffets“

United-Internet-Chef über alte Dotcom-Mythen und neue Kunden

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Ralph Dommermuth

ist Gründer und Chef des Internetdienstleisters United Internet, zu dem auch 1&1 und GMX gehören.

Foto: Promo

Herr Dommermuth, mit welchen Internetdiensten können Sie die Besucher der Cebit begeistern?

Ein Renner sind schnelle Internetzugänge per DSL. Da haben wir inzwischen einen Marktanteil von rund zehn Prozent in Deutschland. Ein anderer Wachstumsmarkt ist das Webhosting, also die Speicherung von Webseiten. Erst ein Drittel der deutschen Firmen haben eine eigene Webpräsenz. Dieser Markt hat noch ein riesiges Potenzial. Ein Erfolg ist auch unsere EMail-Plattform GMX.

Wo es kostenlose E-Mail-Adressen gibt, mit denen sich nichts verdienen lässt.

Die Freemail-Accounts wird es auch weiter geben. Parallel dazu bieten wir aber vermehrt kostenpflichtige Zusatzdienste an mit SMS und MMS, speziellem Virenschutz oder Speicherplatz für Bilder oder andere Daten. Dieses Geschäft läuft jetzt an. Unter 14 Millionen Accounts haben wir 140 000 zahlende Kunden. Das sind nur ein Prozent. Jeden Monat gewinnen wir etwa 20 000 zahlende Kunden dazu. Ich denke, mittelfristig sind zehn Prozent zu erreichen.

Im Internet bekommt man fast alles umsonst. Wann sind die Menschen bereit, für etwas zu bezahlen?

Wenn es einen Mehrwert gibt. Kaufen sie bei uns zum Beispiel ein höherwertiges E-Mail- Paket, haben sie keine Werbeeinblendungen oder sie können eine neue Technik wie den Versand der Multimedianachrichten MMS nutzen. Für viele Nutzer ist ein qualitativ hochwertiger E-Mail-Zugang so wichtig, dass sie bereit sind, für diese zusätzlichen Dienste zu zahlen.

Was bringen die schnellen Internetzugänge? An Inhalten mangelt es.

Viele Menschen sind schnelles Surfen vom Arbeitsplatz gewöhnt. Das wollen sie auch zu Hause nicht missen. Mit der weiteren Verbreitung schneller Internetzugänge wachsen aber auch die Anwendungsmöglichkeiten. Internetshops, Nachrichtendienste oder Portale können ihre Seiten viel aufwendiger und multimedialer gestalten. Große Datenvolumen, Filme oder Animationen sind kein Problem mehr.

Noch im Jahr 2001 hat United Internet hohe Verluste gemacht. Seit dem vergangenen Jahr stehen wieder Gewinne in der Bilanz. Wie haben Sie die Trendwende geschafft?

Wir haben im Januar 2000 entschieden, dass wir das Unternehmen zu einer Beteiligungsgesellschaft umbauen wollen. Ziel war es, sich an jungen Technologiefirmen zu beteiligen und sie später zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. Im Herbst 2000 hat die Musik aber aufgehört zu spielen. Die Börsenkurse sanken und sanken. Anfang des Jahres 2001 war endgültig klar, der Karren steckt im Dreck. Da haben wir den Strategiewechsel beschlossen, uns von defizitären Gesellschaften zu trennen und alleine das Geschäft mit Internetmehrwertdiensten zu unserem Kerngeschäft zu machen. Das hat funktioniert.

Wie entwickelt sich aktuell das Geschäft?

Wir werden bei Umsatz und Gewinn zulegen. Wenn das Kundenwachstum stabil bleibt steigern wir den Umsatz um 30 Prozent auf 350 Millionen Euro.

Spüren Sie nicht die Flaute der IT-Industrie?

Zurzeit nicht. Da wir immer mehr Kunden hinzugewinnen, vergrößern sich stetig unsere Umsätze und damit auch die Erträge. Solange dieses Wachstum anhält, ist United Internet quasi konjunkturresistent.

Was ist eigentlich vom Mythos der New Economy geblieben?

Nichts. Der ganze Rummel um lockere Kleidung, kostenlose Frühstücksbuffets und einen kooperativen Führungsstil war bei vielen Firmen doch nur Fassade. Als sich dann herausstellte, dass viele der Internetunternehmen nicht überleben würden, war es damit vorbei.

Das Gespräch führte Maurice Shahd.

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