Zeitung Heute : Nintendo im "Zelda"-Fieber

KURT SAGATZ

Die Senkung des Preises für die N-64-Spielekonsolen von Nintendo auf 250 DM war nach Ansicht des Unternehmens nur einer der Gründe für den Erfolg im Weihnachtsgeschäft.Wichtiger sei die neue Software gewesen, die in den Monaten und Wochen vor dem Fest auf den Markt kam.Vor allem ein Titel liege klar vorn: "The Legend of Zelda - Ocarina of Time".Beim der jüngsten Fortsetzung der Zelda-Reihe handelt es sich zwar um den fünften Teil des Epos, allerdings dem ersten für die aktuelle N-64-Konsole.Bereits die erste Lieferung für den deutschen Handel war Anfang Dezember binnen kürzester Zeit vergriffen.Weltweit rechnet Nintendo mit fünf Millionen verkauften Exemplaren im Zeitraum vom Ende November bis heute.Schon jetzt sicher ist, daß "Zelda" spürbar den Verkauf der Konsole befördert hat, denn nach Berichten des Handels wurde mit dem neuen Spiel auch häufig gleich das ganze Gerät mitverkauft.

Die Geschichte des Spiels handelt natürlich auch in der fünften Folge vor allem von der Prinzessin Zelda und von Link, der in seinem grünen Wams ein wenig an Robin Hood erinnert.In "Ocarina of Time" soll Link auf Wunsch der Prinzession das friedliche Land Hyrule vor der Herrschaft des Schurken Ganon bewahren.Leider ist Link zu Beginn des Spiels noch ein kleiner Junge, der noch nicht über die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt.Erst langsam muß Link diese zusammen mit dem Spieler entdecken und ausbauen.

Wie die meisten Videospieler wissen, ist die Spielidee nur die eine Seite der Medaille.Am Ende wichtiger ist jedoch, ob sich diese Idee auch umsetzen läßt.Bei Zelda ist dies auf der neuen Plattform gelungen.Aus der fantasievollen Idee wurde ein fantastisches Spiel, dessen Schwierigkeitsgrad mit dem Spieler mitwächst und das durch die verschiedenen Level auch nach Tagen und Wochen seinen Reiz nicht verliert.Selbst die eher an den Spieler-Cracks ausgerichteten Fachzeitschriften loben die Spieldauer: "Wollt Ihr absolut alle Geheimnisse erkunden, benötigt Ihr sogar 100 Stunden", schreibt die Zeitschrift "Maniac".

Ein wichtiges Element in "Zelda" ist der Faktor Zeit.Durch einen speziellen Zauber kann Link in der Zeit sieben Jahre vor und zurück reisen.Auf diese Weise kann er zu einem auch schwierigere Passagen erfolgreich bestehen und zum anderen versperren ihm auch kleine Schlupflöcher, durch die nur ein Kind hindurchkommt, nicht den Weg.Doch nicht nur die Zeit im großen, sondern auch im kleinen spielt eine Rolle.Einige Gegner sind nur des nachts unterwegs, andere nur tagsüber.Mit seiner Okarina kann Link überdies den Verlauf der Zeit beeinflußen und durch sein Spiel den Tag verkürzen.

Zu den Besonderheiten der N-64-Konsole gehört seit der letzten Version von "Super Mario" die Aufhebung der Zweidimensionalität.Auch in Zelda kann der Spieler frei durch das Gelände laufen, auf Berge klettern, über Hängebrücken gehen oder im Wasser schwimmen und tauchen.Für Umsteiger von früheren Spielekonsolen ist dies zwar am Anfang eine gehörige Umstellung, denn die zusätzlichen Freiheitsgrade müssen erst einmal mit dem Handsteuergerät nachvollzogen werden.Dies wird jedoch dadurch erleichtert, daß der Spieler die verschiedenen Fähigkeiten Stück für Stück im Spiel trainieren kann.Ist die Umgewöhnung dann geschafft, befindet sich der Spieler in einem Umfeld, daß insgesamt eher der Erfahrungswelt nicht nur der Kinder entspricht.Für zusätzlichen Realismus sorgt überdies der "Rumble Pack", der zum Beispiel beim Schwertkampf die Schläge auf die Hand überträgt.Alles in allem ist "Zelda" ein Spiel, das auch auf der N-64-Konsole Kultcharakter bekommen dürfte.

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