• No weltschmerz today! Deutsch zum updaten Let’s have some knackwurst. Look at that kitsch, Gerd! Lustiges Date. Perfekt getimed. Hab ich Lust drauf. Selbst geshoppt.

Zeitung Heute : No weltschmerz today! Deutsch zum updaten Let’s have some knackwurst. Look at that kitsch, Gerd! Lustiges Date. Perfekt getimed. Hab ich Lust drauf. Selbst geshoppt.

Am Donnerstag beginnt die zweite Amtszeit von George W. Bush. Stärkt das den Antiamerikanismus hier zu Lande? Schön wär’s – zumindest, wenn es um die deutsche Sprache geht.

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Nun tritt er wahrhaftig seine zweite Amtszeit an, jener Präsident, dem die Welt zwei Kriege und Dutzende so genannte „Bushisms“ zu verdanken hat – köstlich verdrehte Redewendungen und erfrischend sinnfreie Sätze, wie nur er, George W. Bush, sie vorzutragen versteht, wie beispielsweise „They misunderestimated me“, was wörtlich übersetzt „Sie haben mich missunterschätzt“ heißt.

Seine in Buchform gesammelten Aussprüche sind zu Kassenschlagern geworden, auch hier zu Lande, was nicht überraschend ist, denn der Einfluss der amerikanischen Kultur auf die unsere ist größer denn je. Politisch ist es um das deutschamerikanische Verhältnis derweil nicht zum Besten bestellt. Bundeskanzler Schröder herzt Putin, doch mit Bush will er einfach nicht warm werden, und viele Deutsche sind der Ansicht, dass ein gewisses Maß an Antiamerikanismus heute berechtigt sei. Vor allem Menschen mit einem ausgeprägten Sprachgefühl.

Denn inzwischen gibt es kaum noch einen Bereich des öffentlichen Lebens, der nicht von englischen Begriffen durchsetzt wäre. Die Bahn hat ihre Schalter abgeschafft und bedient ihre Kunden jetzt „am Counter nebenan“, große und mittelständische Unternehmen versuchen, sich durch die Einführung so illustrer Berufsbezeichnungen wie CEO, Senior Consultant und Key Account Manager einen internationalen Anstrich zu verleihen, und das Fernsehen sendet Kiddie Contests, History Specials und Nightscreens. Von den undurchsichtigen Tarifpaketen der Mobilfunkanbieter wie After Work Pack und Active Data ganz zu schweigen.

Natürlich, Englisch klingt dynamischer, auch wenn keiner weiß, was eigentlich gemeint ist. Und Deutsch, das weiß jedes Kid, ist irgendwie total uncool. Wer seine Sprache mit Englisch garniert, gibt sich weltgewandt und modern. Und kann sich abgrenzen gegen all jene, die ihn nicht verstehen sollen, weil er in Wahrheit gar nichts mitzuteilen hat. Freilich muss es nicht jeder gleich so auf die Spitze treiben Jil Sander, die in einem bereits legendär gewordenen Interview erklärte, man müsse „contemporary sein, das Future-Denken haben“, um ein Gespür zu bekommen „für das effortless, das magic meines Stils“. Immer wieder versucht die Werbung, den deutschen Konsumenten mit englischen Begriffen zu ködern. Dass die Werbebotschaft oftmals gar nicht verstanden wird, beweist der Douglas-Spruch „Come in and find out“, der von zahlreichen Kunden mit „Komm rein und find wieder raus“ übersetzt wurde. Wie viele Deutsche wissen wohl, was „fragrance“ bedeutet? Es ist Englisch und steht für Duft. Aber ob das all den deutschen Ehemännern klar war, die kurz vor Weihnachten aufs Penetranteste aufgefordert wurden, „the new fragrance by Calvin Klein“ oder sonst eines Parfümherstellers zu kaufen?

Rudi Carrell hat seine Verwunderung über die immer englischer klingende deutsche Sprache einmal folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch – aber weil die deutsche Sprache inzwischen so viele englische Wörter hat, spreche ich jetzt fließend Deutsch!“

Der ehrenwerte Verein deutscher Sprache hat eine Liste mit mehr als 5000 englischen Begriffen zusammengetragen, die hier zu Lande Verwendung finden. Eine beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, dass unser Wortschatz insgesamt aus 125000 Wörtern besteht – so viele jedenfalls verzeichnet der aktuelle Rechtschreibduden. Wer nun aber englische Begriffe generell verteufelt, macht es sich zu einfach. Viele von ihnen sind durchaus nützlich und sogar notwendig – weil es entweder keine deutsche Entsprechung gibt oder weil die deutsche Übersetzung zu lang und umständlich wäre. Wenn man aber auf viele englische Begriffe nicht verzichten kann, dann will man sie bitteschön auch korrekt verwenden.

Eine Frage, die sich im Umgang mit ihnen immer wieder stellt, lautet daher: Wie werden englische Verben im Deutschen gebeugt? Gibt es dafür feste Regeln? Die Antwort lautet schlicht: Nein, die gibt es nicht. Irgendjemand traut sich irgendwann das erste Mal, „geshoppt“ oder „gemailt“ zu schreiben, ein anderer macht es nach, und langsam verbreitet sich der deutsche „Look“. Nach einer Weile hat man sich dran gewöhnt. So werden Möbel heute ganz deutsch designt, Altglas wird recycelt, Boxkämpfe werden promotet, Flüge gecancelt und Mitarbeiter gebrieft.

Natürlich gibt es Ausnahmen: ein frisierter Motor ist „getuned“ und nicht „getunt“, und perfektes Timing wird im Perfekt zu „getimed“, nicht „getimt“.

So sieht es jedenfalls der Duden vor. Doch nicht jedes englische Verb, das sich in unseren Sprachraum verirrt hat, braucht ein deutsches Perfektpartizip: Die Antwort auf die Frage, ob es „downgeloadet“ oder „gedownloadet“ heißen muss, lautet: Weder noch, es heißt „heruntergeladen“. Es ist auch nicht nötig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob es „forgewardet“ oder „geforwardet“ heißt, wenn man stattdessen einfach „weitergeleitet“ schreibt.

Fremdwörter sind willkommen, wenn sie unsere Sprache bereichern, aber unnötig, wenn sie gleichwertige deutsche Wörter ersetzen oder verdrängen. Statt „gevotet“ kann man ebenso gut abgestimmt schreiben, statt „upgedated“ aktualisiert, und wer seine Dateien „gebackupt“ hat, der hat sie auf gut Deutsch gesichert.

Übrigens hat es Fremdwörter in unserer Sprache schon immer geben. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die meisten lateinischen oder französischen Ursprungs, Englisch spielte nur eine untergeordnete Rolle. In der Seefahrt gab es viele englische Begriffe, was logisch war, zumal die Briten über viele Jahrhunderte die führende Seefahrernation waren. Was aber den Verkehr auf dem Landweg betraf, das Postwesen, das Militär, die Verwaltung, die Diplomatie und nicht zuletzt die Gastronomie und die Mode, das war vom Französischen geprägt.

Inzwischen aber hat die englische Sprache der französischen den Rang abgelaufen. Das Mannequin ist kein Mannequin mehr, sondern ein Model, Verliebte haben kein Rendezvous mehr, sondern ein Date, und der Grand Prix Eurovision de la Chanson nennt sich neuerdings Eurovision Song Contest. Gelegentlich erschaffen wir Fremdwörter, die gar keine sind, so wie Showmaster, Handy und Twen. Oder erfinden kuriose deutsch-englische Zusammensetzungen wie Herrenslip und Back Shop. Oder dichten englischen Begriffen neue Bedeutungen an, so wie dem berühmten Body Bag, der in deutschen Geschäften gern anstelle von Rucksack oder Umhängetasche angepriesen wird, im Englischen allerdings „Leichensack“ bedeutet.

Gegen allzu viele und unnötige englische Fremdwörter kann man sich wehren, man kann auf ihre Verwendung verzichten und sich stattdessen deutscher Wörter besinnen. Schwieriger ist es da mit den Anglizismen. Ein Anglizismus ist laut Lexikon die „Übertragung einer für das (britische) Englisch charakteristischen Erscheinung auf eine nicht englische Sprache“. Da heute fast alle Anglizismen, die in unsere Sprachkultur gelangen, aus dem amerikanischen Englisch stammen, bezeichnet man sie auch als Amerikanismen. Nicht zu verwechseln mit Amerikanistik, der Wissenschaft, die sich mit Geschichte, Sprache und Kultur der Vereinigten Staaten befasst.

Amerikanismen sind tückisch, denn man erkennt sie meistens nicht auf den ersten Blick. Heimlich unterwandern sie unsere Sprache und verändern unsere Syntax, ohne dass wir es merken, machen aus „sich an etwas erinnern“ kurzerhand „etwas erinnern“, lassen Dinge „in 2005“ passieren (statt 2005 oder „im Jahre 2005“) und verwässern unsere Sprache mit fragwürdigen Phrasen wie „das macht Sinn“ (statt „das ist sinnvoll“), „nicht wirklich“ (statt „eigentlich nicht“) und „einmal mehr“ (statt „wieder einmal“).

Einer der erfolgreichsten Amerikanismen der letzten Jahre ist geradezu gespenstisch: Mit viel Werbung und Rückendeckung aus Hollywood ist es dem deutschen Einzelhandel gelungen, das amerikanische Kinderschreckfest Halloween auch bei uns in Deutschland einzuführen. Seitdem werden immer mehr Kohl- und Rübenacker zu Kürbisfeldern umgewidmet. Das ist schön für die Landwirtschaft, die jeden Profit brauchen kann. Ob die deutsche Kultur Halloween braucht, konnte noch nicht überzeugend beantwortet werden. Eines steht fest: Unsere kulturellen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zeichnen sich nicht allein durch Importe aus. Gelegentlich gab es auch Exporte. Die berühmtesten „Germish“-Vokabeln (siehe Kasten rechts) betreffen deutsche und österreichische Spezialitäten; die schaurigsten stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Wichtige Impulse stammten aus den Bereichen Hundezüchtung, Philosophie und Waffentechnik.

Unser Autor Bastian Sik, 39, schrieb das Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ (KiWi), das 500000 Mal verkauft wurde.

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