Zeitung Heute : Noch am Werk

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Opel will möglicherweise die Automontage in Bochum einstellen. Was bedeutet das für das Ruhrgebiet?

Für Bochum wäre es ein Katastrophe, für das gesamte Revier ein schwerer Schock. Würde der amerikanische Autokonzern General Motors tatsächlich sein Werk in Bochum schließen, hätten die Arbeitsämter im so genannten mittleren Ruhrgebiet ein großes Problem. Denn Opel ist der größte industrielle Arbeitgeber in der Region. Einschließlich der Zulieferer bietet die Produktion von Zafira und Astra rund 11 500 Menschen Arbeit. Bei insgesamt 50 000 Industriearbeitsplätzen in und um Bochum eine stattliche Zahl. Zumal sich die Arbeitslosenquote rund um Bochum mit 13 Prozent im Vergleich der Revierstädte sehen lassen kann – noch.

Dass Opel in Bochum komplett geschlossen wird, zählt aber wohl nur zu den schlimmsten Gerüchten, die derzeit die Runde machen. Eher zeichnet sich ab, dass GM nur einen Teil der Fertigung im Herzen des Ruhrgebiets stoppen will. Weil auch andere der elf Autowerke die Sanierung mittragen sollen. Aber auch das wäre schmerzlich genug. Denn Bochum und das Stammwerk Rüsselsheim könnten die Hauptlast aufgebürdert bekommen. Die Rede ist von rund 7000 Stellen, die in Deutschland gestrichen werden sollen.

Opels Rückzug würde den Arbeitsmarkt schwer belasten, aber auch dem Selbstbewusstsein der Region schweren Schaden zufügen. Denn Opel zählt neben der Ruhr-Universität zu den Leuchttürmen des Strukturwandels – weg von Kohle und Stahl. Als der Rüsselsheimer Autohersteller Anfang der 60er Jahre beschloss, sein neues Werk in Bochum zu bauen und die Landesregierung kurz darauf den Grundstein für die erste Universität des Reviers legte, da glaubten viele, dass der Weg in eine neue Zukunft nicht mehr aufzuhalten sei. Dass die Wunden, die der Zusammenbruch der traditionellen Montanindustrie riss, durch neue Industrien und Zulieferer rund um Opel und Uni schnell verheilen würden.

Schon seit vielen Jahren wird keine einzige Tonne Kohle mehr in Bochum gefördert, kein Barren Rohstahl mehr gegossen. Mit Opel wuchs die mittelständische Zulieferindustrie. Und als der finnische Mobilfunkkonzern Nokia seine Deutschland-Zentrale in der Revierstadt ansiedelte, schien der Wandel endgültig geschafft. Nokia beschäftigt inzwischen 2300 Mitarbeiter, gleich in der Nachbarschaft baut der gerade fusionierte Mineralölkonzern BP-Aral sein Hauptquartier auf 1500 Mitarbeiter aus. Noch lässt der Autokonzern offen, was er in Bochum vorhat. Erst am Donnerstag will GM Details des Sanierungsplanes in Europa nennen. Bis dahin muss Herbert Grönemeyers „Perle im Revier“ bangen. fo

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