Zeitung Heute : Noch einmal schaut die Welt nach Bonn

JÖRG BLANK,OLAF ZAPKE

BONN .Die Welt schaute nach Bonn - zur letzten Bundestagswahl vor dem Umzug nach Berlin.Ein Heer von Reportern, TV- Teams und Polit-Beobachtern aus aller Welt belagerte seit Tagen die Stadt am Rhein.Viele hatten voller Spannung auf den Sonntag abend gewartet.

Einen solchen Medienansturm hatte Bonn noch nie erlebt.Die Hotels waren in der ganzen Region ausgebucht.Mehr als 4000 Mitarbeiter von Presse, Funk und Fernsehen waren angereist, aus Europa, Nord- und Südamerika, Rußland, Japan, dem Nahen Osten.Hunderte Techniker von Hörfunk und Fernsehen verwandelten das Regierungsviertel um Bundestag, Parteizentralen und Kanzleramt in einen Medienpark.

Die Telekom hatte sich für den Wahlabend auf über 60 Fernseh- und rund 250 Rundfunkübertragungen - gleichzeitig - eingestellt.Dafür stellte sie 300 Leitungen für Ton- und Bildübertragungen sowie rund 100 Kommunikationsleitungen zusätzlich bereit.Alle großen Sender, darunter neben den deutschen Anstalten die britische BBC, die italienische RAI und der spanische Sender TVE, hatten Leitungen bestellt.Allein für die TV-Übertragungen waren 27 Übertragungswagen und 70 Richtfunkanlagen im Einsatz.

Die ausländischen Fernsehsender drängelten sich zum Großteil in Containern in einem Hinterhof.Eine Bonner Produktionsfirma stellte für fast alle öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten Europas in 24 Containern Monitore, Schnittplätze und Mischpulte auf.Auf dem Gebäudedach konnten die Korrespondenten in mehrere Kameras ihre Kommentare sprechen - im Hintergrund: das Regierungsviertel.Dagegen hatte der amerikanische Nachrichtenkanal CNN, sich dem Bonner Trubel entziehend, sein Basislager in Düsseldorf aufgeschlagen.

Im Brennpunkt des Interesses standen die Zentralen von SPD und CDU.Auf 5000 Gäste hatte sich die SPD eingestellt.Weil der Platz in der SPD-"Baracke" nicht reicht, sollte ein Zelt für 3000 Menschen Abhilfe schaffen - ein ganzer Straßenzug wurde gesperrt.Vor vier Jahren waren gut 800 Medien-Vertreter bei den Sozialdemokraten, jetzt waren es fast doppelt so viele.Die CDU rechnete mit 3000 Besuchern in den Sälen und Foyers des Adenauer-Hauses, darunter 2000 Vertreter der Medien."Das ist ein Viertel mehr als vor vier Jahren", so ein Sprecher.

Bescheidener ging es bei FDP und Grünen zu.Gut 1000 Journalisten hatte sich bei den Freien Demokraten angesagt.Etwas Abseits vom Regierungsviertel, auf der rechten Rheinseite, erlebten Bündnis 90/Die Grünen mit bis zu 2000 Gästen den Wahlabend.

Neben den Reportern hatten sich ausländische Wahlbeobachter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft angesagt.Aus Mexiko reisten drei Senatoren an."Sie wollen sich über alle Dinge des Wahlablaufs und der Organisation informieren", erklärte Luis Barrero-Stahl von der mexikanischen Botschaft.Auch aus Israel, Sambia, Simbabwe, Malawi und Tansania waren parlamentarische Delegationen angemeldet.

Mit Vertretern der Friedrich-Naumann-Stiftung kamen bereits zu Wochenbeginn amerikanische Wissenschaftler und Ökonomen.Und selbst aus Vietnam tourten - auf Einladung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung - Vertreter der kommunistischen Partei durchs Land.

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