Zeitung Heute : Noch funkelt der Stern nicht ...

KLAUS ROCCA

NIZZA .Selbst Bill Clinton meldete sich zu Wort, mit Pathos in der Stimme.Die ganze Nation, so Mister President, sei "stolz auf diese Mannschaft".Da schwang natürlich auch eine gehörige Portion Trost mit.Wenngleich es dieses Trostes nicht unbedingt bedurfte.Als Fußball-Entwicklungsland gegen den späteren Weltmeister mit dem knappsten aller Resultate zu verlieren - das war im Juli 1994 aller Ehren wert.Die Vereinigten Staaten von Amerika durften in der Tat stolz sein, vor vier Jahren beim WM-Achtelfinale im eigenen Land.

Einer war besonders stolz: Alexi Lalas.Der Mann mit dem zotteligen Bart und dem noch zotteligeren roten Haupthaar, der so ganz nebenbei auch noch an der Gitarre zupfte, avancierte zum "Soccer Rocker", zum Shooting-Star.Mit ungelenken Bewegungen und bescheidenem technischen Rüstzeug, aber wirkungsvoll wie kein anderer.So wirkungsvoll, daß er nach der Weltmeisterschaft sogar ein Weilchen in Italien seine Lire verdienen durfte.Längst ist sein Ruhm verblaßt.Mühsam ergatterte Lalas noch ein Ticket für den Flug nach Frankreich.Hier, und wohl auch heute abend beim amerikanischen WM-Auftakt gegen Europameister Deutschland im Pariser Prinzenpark, wird Alexi Lalas meistens die Bank drücken.Andere haben dem "Soccer Rocker" schon seit geraumer Zeit den Rang abgelaufen.

Damals, vor vier Jahren gegen die Brasilianer, durfte Lalas lange Zeit den Traum vom Gold träumen.Besonders, als Leonardo in der 44.Minute zur Empörung von 84 000 Zuschauern im Stanford Stadion von Palo Alto mit einem Ellbogencheck dem armen Tab Ramos den Knochen oberhalb des linken Ohres zertrümmerte und der Unglücksrabe gar ins Krankenhaus mußte.Doch die numerische Überlegenheit brachte den US-Amerikanern keine Vorteile.Die schwachen Brasilianer waren noch stark genug, um den Ansturm des Newcomers abzuwehren.Und als Bebeto dann in der 73.Minute ins Tor traf, flossen in Nordamerika auch bei jenen Tränen, die noch nicht lange zuvor geglaubt hatten, Baseball sei alles und Soccer gar nichts.

Vielleicht wäre man wieder im Dornröschenschlaf versunken, hätten die Dooleys, Wynaldas und Reynas nicht aus Europa ein wenig Glanz über den Großen Teich getragen.Noch funkelt der Stern nicht.Aber man ist kräftig dabei, ihn zu putzen.Auch heute abend in Paris?

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