Zeitung Heute : Noch immer kein Investor für die ehemalige Sportarena in Sicht

Harald Olkus

Der Bezirk Mitte will die sportliche Nutzung erhalten - städtebaulicher Vertrag im GesprächHarald Olkus

"Still ruht der See", antwortet Kristina Laduch, Leiterin des Stadtplanungsamtes beim Bezirk Mitte, auf die Frage, wie der Stand der Dinge beim Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend sei. Der städtebauliche Entwurf des Architekten Max Dudler ist zwar immer noch gültig und bildet auch weiterhin die Grundlage für die Entwicklung des 13 Hektar großen Geländes an der Chausseestraße. Doch nach wie vor fehlt ein Investor, der dort bauen will.

Architekt Dudler war 1996 als Sieger aus einem vom Senat ausgelobten Wettbewerb hervor gegangen. Vor der Gründung der DDR war auf dem Gelände das Polizeistadion an der Chausseestraße. Zum ersten Deutschlandtreffen der Jugend und Studenten im Sommer 1950 wurde in nur vier Monaten ein Sportstadion aufgebaut, das man 1973 anlässlich der 10. Weltfestspiele renovierte und ausbaute. Bei dieser Gelegenheit wurde der Name "Walter-Ulbricht-Stadion" in "Stadion der Weltjugend" umgewandelt.

Dudlers Plan sieht vor, dort 800 Wohnungen in sechsgeschossigen Hofhäusern mit Geschäften und Cafés im Erdgeschoss, ein Hotel sowie Sport- und Kinderspielplätze und eine Kita zu errichten. Außerdem soll die Panke, die das Gelände bisher unterirdisch passiert, zurück an die Oberfläche geholt werden. Das Land Berlin hatte den Wettbewerb ausgeschrieben, nachdem die ursprünglichen Pläne gescheitert waren, für die das Stadion der Weltjugend 1992 abgerissen wurde. Zu Zeiten der Bewerbung Berlins um die Olympischen Spiele wurde dort eine Show- und Sportarena mit einem Dienstleistungskomplex geplant.

Nach zweijähriger erfolgloser Investorensuche gab die Senatsbauverwaltung die Planungshoheit für das innerstädtische Quartier nahe dem Regierungsviertel und dem Lehrter Bahnhof wieder zurück an den Bezirk Mitte. "Seither stehen wir hier Gewehr bei Fuß", sagt Kristina Laduch. Interessenten für das Areal seien vorhanden, doch Eigentümer und zuständig für die Bauinteressenten ist bis Anfang kommenden Jahres immer noch das Land Berlin. Dort verläuft das Interesse der Investoren jedoch bislang im Sand. "Manchmal frage ich mich: kann oder will das Land nicht verkaufen?"

Während Kristina Laduch überzeugt ist, dass beim Senat niemals richtige Aktivitäten entwickelt wurden, um geeignete Investoren zu finden, sieht Bezirksbürgermeister Joachim Zeller den Grund in den Preisvorstellungen für das Areal. Vor 50 Mark pro Quadratmeter ist die Rede. Da der Bezirk aber darauf besteht, dass ein großer Teil der Fläche weiterhin sportlich genutzt werden soll, sind die Preisvorstellungen der Senatsfinanzverwaltung nicht zu verwirklichen. Laut Bürgermeister Zeller gibt es mittlerweile allerdings Signale, dass der Senat einem vom Bezirk vorgeschlagenen städtebaulichen Vertrag zustimmen würde. Demnach würde der Investor das Gelände zu einem günstigen Preis erhalten, müsste sich aber verpflichten, die öffentlichen Einrichtungen wie Kindertagesstätte, Sportanlagen und Spielplätze zu errichten, um sie danach dem Land zu übergeben. Bürgermeister Zeller ist sich sicher, dass sich Investoren finden lassen, die mit diesem Vorgehen einverstanden wären. "Immerhin handelt es sich um eine innerstädtische Top-Lage."

Seit Anfang dieses Jahres hat der Bezirk auch die Verwaltung des Geländes übernommen. "Außerdem haben wir die Übertragung der Fläche in das Fachvermögen des Bezirkssportamtes beantragt", sagt Zeller. Ab 1. Januar 2001 will Mitte somit auch Eigentümer sein. Spätestens dann hofft der Bürgermeister, das Areal verkaufen zu können. Denn durch die Übertragung kommen mittlerweile auch immense Kosten auf den Bezirk zu. Die Unterhaltskosten, für die bisher die Senatssportverwaltung aufkam, belaufen sich auf eine sechsstellige Summe.

Doch es gibt auch Menschen in Mitte, die ganz froh sind, wenn sich die Bebauung noch eine Weile hinzieht. Die gemeinnützig organisierte "Sportarbeitsgemeinschaft Berlin-Mitte" versucht, dort mit wenig Mitteln Sport- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu schaffen, um sie runter von der Straße und rein in die Vereine zu holen. Die Sportarbeitsgemeinschaft teilt sich das Gelände mit einem Beach-VolleyballClub, dessen Sandflächen derzeit natürlich verwaist sind. Weniger vom winterlichen Wetter abschrecken lassen sich die Golfer, deren Grün etwa ein Drittel der Gesamtfläche einnimmt: an einem milden Januarnachmittag stehen immerhin drei unter dem kleinen Flachdach und schlagen ihre Bälle über die feuchte Wiese. Vor vier Jahren hatte der anarchische "Volx Golf Club Berlin Mitte e.V." einen Teil des Geländes annektiert und dort Golf für jedermann angeboten. Die professionelle Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten: der Betreiber des "Golfparks Schloss Wilkendorf" bietet dort jetzt ganzjährig Übungsmöglichkeiten auf der angelegten Driving Range. Wenn auch aus anderen Beweggründen, hat sich der Anspruch erhalten, Golf für alle zu bieten: der Leihschläger kostet nur eine Mark, pro Ball werden zwei Mark verlangt.

Trotz der ungewissen Zukunft hat auch die Sportarbeitsgemeinschaft noch einiges auf dem ehemaligen Stadiongelände vor: Derzeit arbeitet sie an einer MountainbikeStrecke, auf der Kinder und Jugendliche Wettkämpfe und Geschicklichkeitsfahrten über Hügel und Sprungrampen austragen können. Außerdem hat der Verein Baumstämme organisiert, um eine Ruhezone mit Kinderspielplatz und Buddelkasten anlegen zu können. Pläne für eine kleine Eislaufbahn für Kinder konnten sich aufgrund des milden Winters zwar nicht verwirklichen lassen, aber ein Bolzplatz und eine Baseball-Anlage sind bereits hergerichtet worden.

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