Zeitung Heute : Noch keine Entscheidung über die Postbank Deutsche Bank berät Strategie/Unmut der Großbanken wächst

-

Frankfurt (Main)/Berlin (ro/mot). Die Deutsche Bank hält sich in Sachen Postbank weiter bedeckt. Auch eine mehrstündige Vorstandssitzung am Dienstag brachte kein Ergebnis. Mit einer Stellungnahme zum Thema Postbank sei auch am Mittwoch nicht zu rechnen, hieß es aus der Bank. Ob damit eine mögliche Übernahme der Postbank vom Tisch ist, bleibt allerdings offen. „Kein Kommentar“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Dienstagabend. Klar war, dass das Thema auf der turnusmäßigen Vorstandssitzung in den Frankfurter Glastürmen unter Leitung von Vorstandssprecher Josef Ackermann ganz oben auf der Tagesordnung stand. Inwieweit es dort zu Differenzen kam oder ob die Bundesregierung und die Post klar gemacht haben, dass die Mehrheit an der Postbank für die Deutsche Bank nicht zu haben ist, blieb offen. Nur wenn sie das alleinige Sagen hätte, würde das größte deutsche Geldhaus bei der Postbank einsteigen.

In der Vorstandssitzung wurden offenbar mehrere Varianten diskutiert. Unter anderem die Möglichkeit, dass die Deutsche Bank direkt 51 Prozent der Postbank übernimmt und die restlichen 49 Prozent wie geplant an die Börse bringt. Deutlich wurde am Dienstag auch, dass eine vollständiger oder auch ein Teilverkauf der Postbank an die Deutsche Bank zu erheblichem Unmut bei den anderen Großbanken führen würde. Commerzbank Chef Klaus-Peter Müller soll schon vor Tagen beim Bundeskanzler schriftlich Einspruch erhoben haben. Die Commerzbank fordert eine öffentliche Ausschreibung für die Postbank, sagte ein Sprecher. Schließlich hätten auch die anderen Großbanken – Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und auch die Allianz – schon länger Interesse an der Postbank signalisiert. Auch sie Banken wären 11,5 Millionen Privatkunden ein ertragreicher Zuwachs.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi protestierte entschieden gegen einen Verkauf der Postbank. Dadurch würden Tausende von Arbeitsplätzen bei Deutscher Bank, Postbank und bei der Post gefährdet, sagte Vorstandsmitglied Hinrich Feddersen.

Unterdessen wächst auch im Kreis der 19 Emissionsbanken des Postbank-Börsengangs der Unmut über die Deutsche Bank. Vor allem bei Morgan Stanley, die neben der Deutschen Bank das Konsortium anführt, wächst dem Vernehmen nach die Kritik am Marktführer. Die Doppelrolle der Deutschen Bank als Konsortialführer und möglicher Käufer der Postbank sei höchst problematisch, heißt es in Finanzkreisen. „Man setzt sich sehr kritisch mit der Deutschen Bank auseinander und fragt sich, warum das Kaufinteresse erst so kurz vor dem Börsengang geäußert wurde“, sagte ein Insider.

Die Deutsche Bank zögere, ein Angebot für die Postbank vorzulegen, berichtet „Die Welt“. Man wolle stattdessen am Mandat für den Börsengang festhalten, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar