Zeitung Heute : Noch muss neben der elektronischen Übermittlung zusätzlich ein Papierausdruck verschickt werden

Klaus Angermann

Einmal jährlich quälen sich Millionen Bundesbürger mit ihrer Steuererklärung herum. Das ungeliebte Prozedur wollen seit einiger Zeit diverse Steuererklärungsprogramme am PC erleichtern. Aber auch bei dieser Variante müssen abschließend noch umständlich diverse Doppelseiten ausgedruckt und mit Unterschrift versehen per Post an das Finanzamt geschickt werden. Um diesen Papierberg abzubauen, arbeiten die Finanzbehörden unter Federführung der Oberfinanzdirektion München an der papierlosen Übertragung der Daten via Internet mit Hilfe von Elster, der "Elektronischen Steuererklärung".

Elster wurde mit dem Ziel entwickelt, eine sichere elektronische Datenübermittlung zu ermöglichen. Seit 1999 angeboten, nahmen im letzten Jahr rund 27 000 Steuerpflichtige an diesem Verfahren teil. Wer über einen ISDN- oder Internet-Anschluss verfügt, benötigt lediglich die entsprechende Steuer-Software, in die das Elster-Modul eingebunden ist. Nach Angaben marktführender Software-Hersteller wie beispielsweise Data Becker oder Buhl Data haben mittlerweile die meisten Steuerprogramme Elster implementiert.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Zwar ist aufgrund der rechtsverbindlichen Unterschrift neben der elektronischen Ausarbeitung immer noch der persönlich unterschriebene Ausdruck einer so genannten komprimierten Steuererklärung erforderlich. Genauso wenig kann man auf die Einsendung von Lohnsteuerkarte und Belegen verzichten. Doch reduziert sich der Papierberg dadurch dennoch um ein Vielfaches auf sechs einseitig bedruckte Seiten.

Diese Form der Online-Übertragung nahm als Pilotprojekt im letzten Jahr seinen ersten Anlauf und ist seit Anfang des Jahres fast bundesweit möglich, wie die OFD München bestätigt; lediglich in Niedersachsen sei das Finanzamt Hildesheim als letzter Nachzügler noch nicht fertig vorbereitet, hieß es. Nun kann es also losgehen. Je mehr Daten elektronisch vorliegen, desto schneller erfolt die Bearbeitung, wenn nicht mehr alles abgetippt werden muss.

Damit sich der Aufwand noch weiter reduziert, soll irgendwann die Steuererklärung komplett papierlos übermittelt werden. Dafür muss allerdings noch das Problem mit der Unterschrift auf Steuererklärung, den Belegen sowie der Lohnsteuerkarte gelöst werden. Eine Möglichkeit wäre die digitale Signatur, die sich allerdings beim Homebanking oder im lukrativen E-Business jedoch bislang noch nicht durchgesetzt hat. Als Alternative wäre auch ein anderes sicheres Übertragungsverfahren wie etwa der von Banken verwendete HBCI-Standard denkbar. Problematischer wird die Umsetzung einer elektronischen Lohnsteuerkarte, weil dabei mehrere Parteien an einem Strang ziehen müssten: Gemeinden, Arbeitgeber und selbstverständlich auch die Datenschützer müssten dafür eingebunden werden. Gleichwohl wird in München bereits kräftig entwickelt.

Einfacher dürfte sich hingegen die Frage nach den Belegen lösen. So wäre es vorstellbar, dass das Finanzamt beispielsweise nur noch bei einer Überprüfung die Belege anfordert. Neu in diesem Jahr ist zudem, auch Anmeldesteuern mit Elster zu versenden - zum Beispiel Lohnsteuer- und Umsatzsteuervoranmeldungen. Dazu muss wegen der gesetzlichen Lage lediglich ein Antrag auf Zulassung sowie eine Erklärung, dass man an dem Elster-Verfahren teilnimmt, ausgefüllt werden. Nutzen hat diese Version ebenfalls für beide Seiten. Insbesondere Unternehmen, die monatlich ihre Daten an das Finanzamt liefern, profitieren von dieser zeit- und papiersparenden Vereinfachung immens.

Die guten Vorsätze für die Zukunft von Elster sind klar: Weg vom Papier, indem Elster auf alle Daten ausgeweitet wird. Bis dahin gibt es allerdings noch einige Arbeit zu erledigen, aber die Projektbücher sind mit Ideen angefüllt. Als nächster Schritt ist vorgesehen, auch die Steuerbescheide elektronisch zu übermitteln. Anfangs wird zwar auch dabei noch eine Version auf Papier verschickt, doch langfristig könnte der komplette Austausch zwischen Steuerzahler und Amt via Telefonleitung stattfinden. Wer weiß, vielleicht wird dann das Ausfüllen der Steuererklärung auch irgendwann einmal Spaß machen?

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