Zeitung Heute : Nützlich, witzig und schön anzusehen

Alexandra Balzer

Sie sind nützlich, witzig oder einfach nur schön anzusehen: Bildschirmschoner. Wenn der Computer eine Zeit lang nicht benutzt wird, flimmern sie über den Monitor und sorgen dafür, dass sich das Bild nicht in die Mattscheibe einbrennt. Zumindest war das früher einmal so. Bei den heutigen Monitoren stellt sich das Problem zwar nicht mehr, doch sorgen die kleinen Programme immer noch auf vielen Rechnern für ein ansprechendes Ambiente und ein wenig Ablenkung zwischendurch. Die Programme lassen sich meist kostenlos aus dem Internet laden.

Das Angebot ist groß: Die kleinen Programme gibt es zu fast jedem Anlass, und sie passen sich bei Bedarf auch den persönlichen Ansprüchen an. So können Computerbesitzer beispielsweise ihre eigenen Bilder und Texte über den Bildschirm laufen lassen. Doch nicht nur das: Richtige Spiele verlangen in der Pause das gekonnte Eingreifen, wenn etwa ein Osterhase mit bunten Eiern auf vom Himmel fallende Geschenke zielt oder sich Schnecken ein Rennen liefern. Einer der beliebtesten Anbieter mit monatlich mehr als 1,5 Millionen Besuchern ist www.bildschirmschoner.de der Anders und Seim Neue Medien AG im hessischen Langen. Durchschnittlich rund 700 000 Schoner laden sich die Nutzer von der Homepage herunter.

"Wir sammeln unsere Schoner im Internet, prüfen sie sorgfältig und bewerten sie abschließend", sagt Firmensprecherin Monika Fingerhut. In Kategorien von Comic über Auto bis Weltraum werden viele kleine, zum Teil aufwändig gestaltete Programme angeboten. Die Auswahl an Free- und Shareware wird durch zahlreiche Schoner-Spiele ergänzt. Für neueste Informationen gibt es einen wöchentlich erscheinenden kostenlosen Newsletter. Ebenfalls etwa 20 Kategorien teilen das Angebot auf der Internetseite www.schoner.de auf. Die d & p media gmbh in Zweibrücken bietet etwa 1000 Schoner auf ihrer Seite an. Kinder, Kunst und Klamauk stehen ebenso auf der Liste wie Werbeschoner und Schoner zu bekannten Sehenswürdigkeiten. Zu besonderen Anlässen oder Festen werden in der eigens eingerichteten "Specials"-Kategorie besondere "Schmankerl" angeboten.

Bereits mehr als 50 000 Mal wurde der 3D-Schoner "BridgeBuilder" von der Seite www.giggle.de heruntergeladen. Bei diesem Spiel muss der Pausierende eine Brücke bauen, die nicht einstürzen darf, wenn anschließend ein Zug darüberfährt. Auch die Macher von Giggle.de in Dresden "saugen" ihre Schoner aus dem Netz und testen sie. "Die uns am besten gefallen, kommen auf unsere Homepage", sagt Sven Wernicke, einer der Betreiber. "Am beliebtesten sind 3D-Schoner. Aber auch Scherzprogramme stehen in der Gunst der Nutzer ganz oben." Doch viele Bildschirmarbeiter mögen zwischendurch offenbar ebenso gerne Ablenkung der etwas anderen Art: "Schoner mit leicht bekleideten Frauen sind auch sehr beliebt", weiß Wernicke. "Unser Laetitia- Casta-Schoner wurde bereits 11 000 Mal herunter geladen. Für die Heidi-Klum-Slideshow haben sich bisher etwa 9000 User interessiert." Auch für Frauen gibt es auf der Giggle-Seite etwas zum Angucken für die Arbeitspause: Bereits 1542 Mal wurden die muskulösen Models des "Cosmopolitan"-Schoners heruntergeladen. Bildschirmschoner sind heute aber nicht nur etwas fürs Auge. Vielmehr unterhalten sie multimedial und liefern neben einer schönen Aufmachung auch einen guten Sound: etwa das blubbernde Aquarium oder das leise knisternde Kaminfeuer zur Einstimmung auf den Feierabend.

Wer hingegen beim erholsamen Blick ins rege Treiben lieber selbst aktiv werden möchte, kann sich unter dem Motto "PC-Pause akut" mit "Armtrainer", "Augenpflege" und "Haltungsschule" wieder fit machen. Ganz anders allerdings wird dem "Zuschauer", wenn beispielsweise der Desktop langsam vor sich hin kokelt oder Würmer jedes helle Fleckchen auf der Mattscheibe zu verspeisen beginnen. Da hilft dann nur noch der Graffiti-Schoner, der mittels Spraydose wieder Farbe ins Spiel bringt. Doch spätestens, wenn aus den Lautsprechern zum schwarzen Bild die Titelmusik der Fernseh-Kultserie "Lindenstraße" ertönt, kann er nicht mehr weit sein - der Putzteufel Else Kling, der von der anderen Seite der Glasscheibe sogleich mit einem Tuch quietschend für den klaren Blick in die Kulisse sorgt.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben