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Arbeiten, wenn andere Urlaub machen: Die Internationale Tourismusbörse (ITB) als Jobbörse für Quereinsteiger

Regina-C. Henkel

Yvonne Friargiu hat Erziehungswissenschaften, Psychologie, Italienisch und Spanisch studiert und zehn Jahre Erfahrung in interkultureller Familienberatung. Doch die Halbitalienerin aus Kreuzberg wollte mehr – und gründete vor einem halben Jahr das Imago Institut für Transkulturelle Beratung. Jetzt verbindet sie ihr Know-how als Organisationsberaterin mit Tourismus. Sie organisiert und betreut Selbstmanagement-Workshops auf Bali. Ihre Kunden sind Leute, die sich beruflich neu orientieren wollen und sich für die Arbeit am Ego die Umgebung von Sonne, Strand und Meer leisten wollen.

Die 40-Jährige Jungunternehmerin gehört zu einer immer größeren Zahl von Menschen, die ihr Einkommen mit einem Job rund um Freizeit- und Tourismus sichern. Kein Wunder. 30 Tage Jahresurlaub, 15 gesetzliche Feiertage und auch jede andere frei verfügbare Minute bedeuten für die Touristikbranche ein sicheres Geschäft mit großer Zukunft. Auf der Internationalen Tourismusbörse vom 7. bis 11. März geben sich die Macher der Branche ein Stelldichein und veranstalten eine wichtige Stellenbörse.

Der Bundesverband der deutschen Tourismuswirtschaft (WTTC) spricht von 2,5 Millionen Arbeitsplätzen in Deutschland – Tendenz steigend. Und die World Tourism Organization schätzt, dass im Jahr 2010 über eine Billion Dollar im globalen Tourismus erwirtschaftet werden – etwa drei Mal soviel wie heute. Gute Nachrichten für alle, die eine solide Ausbildung oder gar ein Studium im Bereich Freizeit und Tourismus absolviert haben? In Berlin und Brandenburg waren im Januar immerhin 1537 Fremdenverkehrsfachleute arbeitslos gemeldet. Hinzu kamen 3177 Gastwirte, Hoteliers und Gaststättenkaufleute auf Jobsuche und sogar 7052 Kellner und Stewards. Die Zahl der offenen Stellen dagegen war bescheiden: 83 für Fremdenverkehrsfachleute, 80 für Gastwirte, Hoteliers und Gaststättenkaufleute und 266 für Kellner. Gleichwohl behauptet die Berliner Buchautorin Uta Glaubitz: „Kaum eine Branche bietet einen so leichten Zugang für Quereinsteiger.“ Jobs sieht sie bei großen Konzernen wie TUI, bei kleinen spezialisierten Reiseveranstaltern, an Flughäfen, bei Fluggesellschaften, in Fremdenverkehrsbüros, Kurverwaltungen und Incentiveagenturen, aber auch bei Autovermietungen sowie bei Sport- und Freizeitparks. In ihrem Buch „Jobs für Weltenbummler und Globetrotter“ (Campus, Frankfurt a.M. 2002, 15 Euro 90) beschreibt Glaubitz ganz abenteuerliche Möglichkeiten, im Tourismus seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ganz ohne Know-how geht freilich auch für Quereinsteiger nicht. Wissen über Land, Leute und Kultur hält auch Yvonne Friargiu für unverzichtbar. Deshalb hat sie sich für ihr Projekt „Selbstmanagement-Workshop auf Bali“ mit einer Freundin aus Frankfurt a.M. zusammengetan. Als gebürtige Indonesierin und gelernte Reisekauffrau kennt sich diese mit den Bedingungen für einen erholsamen Aufenthalt auf Bali bestens aus.

Bleiben die immer wieder zitierten Soft Skills, die im Arbeitsleben oft entscheidend für Erfolg oder Misserfolg sind. Uta Glaubitz sagt: „Ohne Kommunikationstalent geht in der Tourismusbranche gar nichts, denn ob Front-Desk-Manager im Hotel, Abenteuerreiseleiter, Animateur im Ferienclub oder Fahrradguide – sie alle treffen ständig neue Menschen, müssen sich in fremden Kulturen zurecht finden.“ Als gemeinsamen Nenner dieser Jobs bezeichnet Glaubitz „Lust auf Menschen, Lust auf Trubel, Lust auf Herausforderungen“ – auf der einen Seite. Ebenso wichtig sei aber auch eine ausgeprägte Service-Mentalität: „Man muss freundlich sein, auch wenn man mal schlechte Laune hat, man muss immer höflich auf Reklamationen und Beschwerden reagieren und stets das Unmögliche möglich machen.“

Yvonne Friargiu, www.imago-berlin.de/baliseminar , 694 84 17.

Job- und Ausbildungsinfos: www.ssi-berlin.de , www.travelkarriere.de , www.bulletin.de , www.fvw.de , www.dsf-berlin.de , www.schule-fuer-touristik.de .

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