Zeitung Heute : Nur ein Angebot zur Unterhaltung Marcel Reif sieht in den USA und Asien künstlichen Fußball

-

Heute spielt Japan, spielen die USA möglicherweise das letzte Mal bei dieser WM. In Japan und in Südkorea fand die WM 2002 statt, die Amerikaner haben auch schon ihre Erfahrungen gemacht, 1994. Das waren beides grundsätzlich andere Weltmeisterschaften als die, die wir jetzt feiern, das waren Entwicklungs-WMs, die einen Markt sichten und erobern sollten. Und das hat nicht geklappt.

Der Fußball, so wie wir ihn in Europa kennen und die Südamerikaner, hat sich nicht durchgesetzt in den Staaten. Er ist der beliebteste Sport der Kinder, aber wenn er zum ernsthaften, erwachsenen Sport wird, bleiben nur noch die Frauen, die Männer kommen nicht an gegen Baseball, Basketball, Eishockey, Football. Das hat die Zirkusliga mit Beckenbauer und Pelé damals nicht zu ändern vermocht, das hat die WM im eigenen Land nicht aufbrechen können, das würde das derzeitige Team nicht einmal dann schaffen, wenn es Weltmeister würde. Wird es aber nicht. Dazu ist es zu hausbacken, wie auch anders unter diesen Umständen?

Kaum anders verhält es sich in Asien. Die Hysterie während der WM vor vier Jahren in beiden Ländern war eben nur genau das: hysterisch. Das hatte keine Grundlage im Sport, allenfalls in der Popkultur. Fußball in Japan ist weiterhin auch nur eins von vielen säglichen und unsäglichen Unterhaltungsangeboten. Fußball in Südkorea ist Marketingmaßnahme von Konzernen. So wird es immer weitergehen: Sie werden ab und an mal einen Spieler finden, der sich in Europas Ligen durchsetzt, sie werden technisch gut ausgebildet sein, eifrig bemüht bleiben, aber ansonsten im eigenen Saft schmoren. Vielleicht ist es ja so, dass sich der Fußball aller Künstlichkeit widersetzt. Weltmeisterschaften als Marktstrategie zur Entwicklungshilfe taugen eben nicht. Fraglich, ob der Fußball 2010 heimkommt, wenn Afrika ins Geschäft drängt.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben