Zeitung Heute : Nur Mittelmaß

Einen blauen Brief haben sich die deutschen Schulen für ihren Unterricht in Mathematik und Naturwissenschaften eingehandelt.Der Wissensstand von Gymnasiasten und Berufsschülern in diesen Fächern ist am Ende der Schullaufbahn schlechter als in den meisten vergleichbaren Industrieländern.Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Untersuchung, die das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung am Dienstag in Berlin vorstellte.Bereits im vergangenen Jahr hatte das Institut eine Studie zu den Fähigkeiten von Achtkläßlern mit ähnlich schlechten Ergebnissen vorgelegt.

An der sogenannten Timms-Studie hatten sich 18 europäische sowie sechs Industriestaaten anderer Kontinente beteiligt, darunter Kanada, die USA und Australien."Die deutschen Schüler fallen im Verlauf ihrer Schulzeit international immer weiter zurück", sagte der Projektleiter für den deutschen Teil der Studie, Jürgen Baumert.Im Vergleich mit den europäischen Nachbarländern rangiere Deutschland im "unteren Bereich".Gegenüber Spitzenländern wie Schweden betrage das Wissensdefizit am Ende der Schulzeit bereits mehr als ein Schuljahr.

Verhältnismäßig groß sei der Rückstand im Fach Mathematik.In der gymnasialen Oberstufe hätten fast 30 Prozent der Schüler Schwierigkeiten mit einfachen Dreisatz-Aufgaben.Mehr als 80 Prozent seien zu selbständigen Problemlösungen nicht fähig."Die Stärke deutscher Schüler liegt eher in der Lösung von Routineaufgaben", sagte Baumert.Der Deutsche Philologenverband forderte als erste Reaktion auf die Studie eine Reform der gymnasialen Oberstufe zugunsten der Mathematik und der naturwissenschaftlichen Fächer.

Im innerdeutschen Vergleich liegen Baumert zufolge die Länder Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig Holstein und das Saarland an der Spitze.Zwischen Ländern mit zentral und dezentral organisierten Abiturprüfungen seien keine erheblichen Unterschiede bei den Leistungen der Schüler festgestellt worden.Lediglich in den Mathematik-Grundkursen habe sich das zentrale Prüfverfahren positiv ausgewirkt.

Auch das 13.Schuljahr in den alten Bundesländern wirke sich nur bedingt positiv aus.In Mathematik seien die Schüler in den Bundesländern mit zwölfjähriger Ausbildung genauso weit.Im Fach Physik steigere sich das Fachwissen dagegen im 13.Schuljahr noch einmal deutlich.Erhebliche Leistungsunterschiede stellten die Wissenschaftler bei einem Geschlechtervergleich fest.Sowohl in Mathematik, als auch in Physik hätten die Schülerinnen einen erheblichen Wissensrückstand.Auf die Notengebung wirke sich das allerdings nur bedingt aus."Lehrer geben Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern etwas bessere Zensuren, als sie verdienen", sagte Baumert.Ihre männlichen Mitschüler hätten im Gegenzug einen Bonus bei den Fremdsprachen.

Für die jetzt veröffentlichte Untersuchung waren allein in Deutschland mehr als 5300 Gymnasiasten und Berufsschüler geprüft worden.Zudem wurden Lehrpläne und Schulbücher ausgewertet sowie Lehrer befragt. AP

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