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Berlin und Brandenburg schreiben heute ihre gemeinsame Innovationspolitik für die Hauptstadtregion fort

Heute kommt es in Berlin zu einem Gipfeltreffen der besonderen Art: Die Länder Berlin und Brandenburg wollen ihre gemeinsame Innovationsstrategie fortschreiben – und damit einen zentralen Bestandteil ihrer Politik für die Region erneuern.

Zwei Überzeugungen prägen die Strategie: Wissenschaft und Wirtschaft machen nicht an Landesgrenzen Halt. Für Berlin und Brandenburg ist es sinnvoll, sich eng abzustimmen. Überdies haben beide Länder erkannt, dass Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit beschleunigt werden können, wenn die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Akteure Hand in Hand arbeiten.

Mit sieben Universitäten, 21 Hoch- und Fachschulen und mehr als 250 universitären und außeruniversitären Einrichtungen kann die Region Berlin-Brandenburg im bundesdeutschen Vergleich mit der höchsten Dichte an wissenschaftlichen Institutionen punkten. Gleichzeitig ist die Wirtschaftsstruktur zwar geprägt von kleinen und mittleren Unternehmen. Doch viele dieser Unternehmen können keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen unterhalten. Deshalb liegt es nahe, Wissenschaft und Wirtschaft näher aneinander heranzuführen, Verbünde zu initiieren und Kooperationsstrukturen zu schaffen, die einen schnellen Transfer von Forschungsergebnissen in Innovationen fördern.

Seit einigen Jahren verfolgen beide Länder Innovationsstrategien, die diesen Transfer unterstützen. Dabei geht es jeweils darum, vorhandene Stärken auszubauen und bestehende Vernetzungen zu intensivieren. Dafür hat beispielsweise Berlin seine Förderaktivitäten stark fokussiert.

Ein Blick in die Statistik belegt, dass dieses Vorgehen sinnvoll ist: Während die Zahl der Beschäftigten in der Berliner Wirtschaft im Zeitraum von 2003 bis 2007 insgesamt lediglich um vier Prozent gestiegen ist, im verarbeitenden Gewerbe sogar um zwei Prozent abnahm, stiegen die Beschäftigtenzahlen in den sogenannten Kompetenzfeldern Biotechnologie, Medizintechnik, Optik, Informations- und Kommunikationstechnologie und Verkehrssystemtechnik im gleichen Zeitraum um gute 15 Prozent. Entstanden sind hochqualifizierte Arbeitsplätze, die auch in der Krise besonders stabil sind.

Die Brandenburger Kompetenzfelder, die sich ebenfalls erfolgreich entwickeln, korrespondieren mit jenen in Berlin. Inzwischen ist die Region zu einer Einheit zusammengewachsen. Dies zeigt sich auch daran, dass viele der Verbundprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und die innovativen Netzwerke längst länderübergreifend arbeiten.

Im November 2008 wurde die gemeinsame Innovationsstrategie erstmals öffentlich vorgestellt. Als gemeinsame Zukunftsfelder wurden die Bereiche Biotechnologie/Medizintechnik/Pharma, Informations- und Kommunikationstechnnologien/Medien, Optik, Verkehrssystemtechnik und Energietechnik definiert. Man verständigte sich darauf, für diese Bereiche Strategien zu erarbeiten, die besonders wichtige Projekte identifizieren und deren Realisierung vorbereiten. Außerdem wurden neun Leitprojekte benannt, die zeigen, worum es vor allem geht.

Neben strukturbildenden Maßnahmen steht auch das Thema Technologietransfer auf der Tagesordnung des heutigen Innovationsgipfels. Noch immer bleiben Forschungsergebnisse auf halber Strecke stecken, obwohl es für das Produkt, das man aus den neuen Erkenntnissen entwickeln könnte, einen Markt gäbe.

Hier wollen die Länder zukünftig noch mehr tun, um kleinen und mittleren Unternehmen den Einstieg zu erleichtern, mit wissenschaftlichen Einrichtungen zusammenzuarbeiten.

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