Zeitung Heute : Obama vor neuem Sieg über Clinton

Umfragen in New Hampshire sehen den Senator klar vorn / Spekulationen um Bloombergs Kandidatur

Christoph von Marschall[Concord (New Hampshire)]

Bei der US-Präsidentschaftswahl 2008 zeichnet sich eine Sensation ab: die schleichende Niederlage von Hillary Clinton, die noch vor kurzem als Favoritin galt. Barack Obama, der 46-jährige schwarze Senator von Illinois, hatte sie bei der Vorwahl in Iowa am Donnerstag deutlich geschlagen. Nun führt er auch in den Umfragen in New Hampshire mit bis zu 13 Prozentpunkten Vorsprung. Dort steht heute am späten Abend die zweite Vorwahl an. In diesen Vorwahlen entscheiden die Demokraten und die Republikaner Bundesstaat für Bundesstaat in getrennten Abstimmungen, wer für ihre Partei in der Hauptwahl Anfang November antritt.

Wegen der wachsenden Ablehnung des republikanischen Amtsinhabers George W. Bush wird erwartet, dass der Sieger des demokratischen Wettstreits um die Nominierung auch die Hauptwahl gewinnt und nächster Präsident wird. Von den Zahlen her kann Hillary Clinton Obama in den folgenden Vorwahlen in 48 Staaten noch schlagen. Doch ein Sieg in New Hampshire würde ihn endgültig zum neuen Favoriten machen und Clinton zur strauchelnden Herausforderin degradieren.

Obama scheint es offenbar zu gelingen, die Menschen mit seinem jungenhaften Auftreten für sich einzunehmen. Wie ein Prediger verspricht er, Amerika in eine neue Ära zu führen und die Nation zu einen. Viele nennen ihn einen „schwarzen Kennedy“, in Erinnerung an den 1963 ermordeten John F. Kennedy, der ähnliche Hoffnungen geweckt hatte. Die 60-jährige Clinton wirbt dagegen mit ihrer größeren Erfahrung und Kompetenz. Sie war acht Jahre First Lady im Weißen Haus an Bill Clintons Seite und vertritt seit acht Jahren New York im US-Senat.

Bei den Republikanern bleibt das Rennen offen. Mike Huckabee, ein Vertreter der religiösen Rechten, hatte Iowa gewonnen. In New Hampshire ist John McCain, der moderate Senator von Arizona, Favorit. Mindestens vier Bewerber haben Aussichten auf die Nominierung im rechten Lager. Die Entscheidung fällt am 5. Februar. An diesem „Super Tuesday“ stimmen 22 Staaten ab.

Parallel wachsen die Spekulationen, ob ein dritter, parteiunabhängiger Kandidat in das Präsidentschaftsrennen eingreift. Ehemalige Spitzenpolitiker der Demokraten und der Republikaner trafen sich am Montagabend in Norman, Oklahoma, um den Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, zur Kandidatur zu bewegen. Bloomberg ist Milliardär und könnte den Wahlkampf selbst finanzieren. Er war erst Mitglied der Demokraten, dann der Republikaner, seit Juni 2007 ist er parteilos.

Bisher waren dritte Kandidaten stets erfolglos. Sie beeinflussten allerdings den Ausgang. Ross Perots Bewerbung 1992 kostete George Bush senior den Sieg, Bill Clinton gewann. 2000 nahm der grüne Verbraucheranwalt Ralph Nader dem Demokraten Al Gore Stimmen weg, Bush junior siegte. In den USA wird eine Bloomberg-Kandidatur skeptisch betrachtet. Er habe nur eine Chance, wenn die Demokraten einen Linken und die Republikaner einen Rechten nominierten und für ihn Platz in der Mitte bleibe.

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