Zeitung Heute : Oben ohne vor der Botschaft

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Sie kommen aus der ganzen Welt, halten ihre Fähnchen in den Wind und klopfen sich stolz aufs Landeswappen. Hier stellen wir Fußballpilger vor, die loszogen, um nah dran zu sein.

Alf rüttelt wie ein Wilder von innen an der Tür der Bank. Sein Kumpel Björn kann ihm nicht helfen. Alf sitzt in der Falle, und das auch noch mit freiem Oberkörper. In ihrer Not versuchen sie es zu zweit. Björn rüttelt, Alf drückt, doch die gläserne Barriere neben der Britischen Botschaft will einfach nicht nachgeben. Es bietet sich ein lustiges Bild, denn auch Björn hat oben herum nichts mehr an. Erst als ein schusssicher eingepackter Berliner Polizist von der Botschaft herantrabt, kann der Norweger befreit werden. „Ju häff tu press ser!“, sagt der Schutzmann und deutet dezent auf den Türsummer am Rahmen. Vorsprung durch Technik. Die Rettungsaktion war bislang der Höhepunkt der Deutschlandreise, auf der es die vier Norweger eher gemächlich angehen lassen. Letzte Woche sind sie in Leipzig gelandet, haben sich dort einen Wohnwagen gemietet und sind in die Hauptstadt gefahren. Alf, den seine Kollegen grinsend als „Alf Capone“ vorstellen, versichert: „Wir haben bislang nur Wasser getrunken“, und grinst dabei, wie Skandinavier es immer in Ländern tun, in denen man einen halben Liter Bier schon für unter 50 Cent bekommen kann.

Sie haben jeweils vier Karten für die Spiele Schweden gegen Paraguay in Berlin und Spanien gegen die Ukraine in Leipzig. Aber ihre Daumen drücken sie allen Teams ein bisschen. Auch wenn für das Quartett klar ist, dass die Brasilianer ihren Titel ganz locker verteidigen werden. Den Deutschen trauen sie gar nichts zu. Spätestens gegen Schweden oder England sei für den Gastgeber Ende. Das hat auch der Polizist gehört. Er zeigt mit seinem Walkie-Talkie auf die Bank und droht mit vorübergehender Festsetzung: „You wonnt wohl to go in ser ägänn, wa?!“

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