Zeitung Heute : Oben wird die Luft dünn
15.11.2006 00:00 UhrMorgen beginnt die entscheidende Phase der Weltklimakonferenz in Nairobi. Wie soll es nach dem Kyoto-Protokoll mit dem Klimaschutz weitergehen?
Am Mittwoch reisen mehr als 150 Umweltminister zum UN-Klimagipfel nach Nairobi. Dann sollen bis zum Freitag Beschlüsse fallen. Vor allem über drei Themen wird gestritten werden: die Kosten für die Anpassung an den Klimawandel, die Verbesserung der Kyoto-Mechanismen, mit denen Industriestaaten auch anderswo das Klima schützen können, und ein Kyoto-Folgeabkommen.
Kyoto-Folgeabkommen: Im Jahr 2012 läuft das Klimaschutzabkommen aus, mit dem sich rund 160 Staaten verpflichtet haben, 5,2 Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes im Vergleich zu 1990 zu vermindern.
In Nairobi dürfte wohl noch kein „Verhandlungsmandat“ erteilt werden, mit dem konkret über weitere Reduktionsverpflichtungen gefeilscht werden könnte. Tatsächlich haben die Fachleute in der ersten Woche des Klimagipfels sogar darüber diskutiert, ob ein solches Verhandlungsmandat tatsächlich schon im kommenden Jahr erteilt werden sollte, wie es sich die deutsche Delegation wünscht. „Wir müssen in Nairobi die Weichen dafür stellen, dass auch nach 2012 ein weltweites Klimaabkommen gilt“, sagte Umweltminister Sigmar Gabriel am Montag vor seinem Abflug nach Nairobi. Die europäische Verhandlungsdelegation hofft, dass ein Folgeabkommen bis 2009 steht. Es blieben drei Jahre zur Ratifizierung. Dann könnte das Folgeabkommen nahtlos an das Kyoto-Protokoll anschließen. Obwohl eine Vielzahl neuer, alarmierender Studien über das sich verschärfende Tempo des Klimawandels veröffentlicht worden ist, gibt es bei einigen Ländern starke Bedenken gegen ein „schnelles“ Verhandlungsmandat. Vor allem Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien oder Südafrika fürchten, dass sie für ihre wirtschaftliche Entwicklung zu früh zu Emissionsreduktionen verpflichtet werden könnten. Andererseits steigt gerade in diesen Ländern der Kohlendioxid-Ausstoß besonders schnell. Doch solange die USA sich nicht auf Klimaziele verpflichten wollen, wollen auch sie keine Zusagen machen.
Anpassung: Die Auswirkungen der globalen Erwärmung sind vor allem in Entwicklungsländern bereits deutlich spürbar. Vor allem Afrika leidet stark unter dem Klimawandel. Nicht nur, dass bis in zehn Jahren sämtliche Gletscher in Afrika, auch auf dem Kilimandscharo, geschmolzen sein werden – mit allen Auswirkungen auf die regionale Wasserversorgung. Schon heute sind Regenzeiten nicht mehr kalkulierbar – vor allem in Ostafrika und im Süden des Kontinents. Seit Jahren herrscht dort Dürre und in der Folge Hunger. Die Mittel, die nun langsam in den Anpassungsfonds fließen, werden nicht ausreichen, um die schon nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Der Saubere-Entwicklungs-Mechanismus (CDM) ermöglicht es Industriestaaten oder auch Firmen, in einem Entwicklungsland beispielsweise ein Solarprojekt zu finanzieren und dafür Emissionsgutschriften zu bekommen. Bisher fließt aus jedem CDM-Projekt eine Art Steuer in den Fonds. Die Entwicklungsländer wünschen sich nun, dass eine ähnliche Steuer auch auf jedes Geschäft im Emissionshandel erhoben wird. Beim Emissionshandel kaufen Firmen, die ihre Reduktionsverpflichtungen nicht erfüllen können, bei anderen Firmen Emissionszertifikate zu. Jennifer Morgan von der britischen Non-Profit-Organisation E3G sagt: „Wir erwarten, dass die Industriestaaten Afrika bei der Anpassung unterstützen.“ Gabriela von Görne von Greenpeace ergänzt: „Die Erwartungen an die Industriestaaten sind sehr hoch.“ Schließlich seien sie für den Klimawandel auch verantwortlich.
Verbesserung des Kyoto-Protokolls: Diesen Punkt haben die Industriestaaten auf die Tagesordnung gesetzt. Es wird vor allem darüber gestritten, ob künftig auch Projekte zur Lagerung von Kohlendioxid (CO2) in Entwicklungsländern unter dem CDM finanziert werden dürfen. Gedacht wird dabei daran, die Emissionen eines Kohlekraftwerks in China aufzufangen und unter die Erde zu pumpen. Die Technologie ist allerdings weit von der Serienreife entfernt. Zudem gibt es Bedenken gegen ihre Sicherheit. Denn wenn das CO2 nicht dort bleibt, sondern entweicht, kann sich der Treibhauseffekt weiter verstärken. Gordon Shepard vom WWF sagt: „Das wäre sehr zerstörerisch.“ Gabriela von Görne befürchtet, dass dann womöglich gar keine kleinen Projekte in Afrika mehr finanziert würden.








