Zeitung Heute : Obst und Bewegung

Mit einfachen Mitteln kann man das Infarktrisiko mindern

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Zeige mir, womit dein Teller gefüllt ist, und ich sage dein Risiko für einen Herzinfarkt voraus? Ganz so einfach ist es zwar nicht – schon weil die Gene und das Alter über das Risiko mitbestimmen. Doch dass man durch die Auswahl von Nahrungsmitteln das Infarktrisiko entscheidend beeinflussen kann, haben in den letzten Jahren mehrere wissenschaftliche Studien ergeben. Das Zauberwort heißt meist „Mittelmeerkost“. In der „Lyon Diet Heart Study“ zeigte sich, dass eine obst und gemüsereiche Kost mit ungesättigten Fettsäuren aus Olivenöl statt gesättigten aus Butter die Gefahr, nach einem Herzinfarkt einen zweiten zu erleiden, um 60 Prozent senkte. In einer griechischen Studie war die Schutzwirkung einer solchen Ernährung für das Herz noch größer als ihr vorbeugender Effekt gegenüber Krebs.

Griechische Mediziner waren es jedoch auch, die darauf hinwiesen, dass der Begriff „Mittelmeerkost“ heute reichlich schwammig ist. Denn was die Ärzte empfehlen, kommt auch in südlichen Ländern heute seltener auf den Tisch. Auch dort ist das Fast Food auf dem Vormarsch. Andererseits kann auch die traditionelle asiatische Küche mit Wok-Gemüse und Fisch als „herz- und gefäßfreundlich“ gelten.

Treppe statt Aufzug

Zu den „traditionellen“ Lebensgewohnheiten gehörte früher für die Mehrheit der Bevölkerung ein gehöriges Maß an körperlicher Anstrengung bei der täglichen Arbeit. Heute stimmt das nur für wenige Berufe. Weil nicht jeder Briefträger, Kellnerin im Gartenrestaurant oder Pflegekraft in einem großen Klinikum ist, sollte man versuchen, in den Alltag regelmäßige Bewegung einzubauen: Treppensteigen statt Rolltreppe oder Fahrstuhl, Fahrrad statt Auto. Ausdauersport kann das ergänzen. Studien zeigen, dass schon dreißig Minuten zügiges Gehen am Tag für die Fitness viel bringen. Immer mehr wissenschaftliche Studien untermauern die Erkenntnis, dass auch Patienten mit einer leichteren chronischen Herzschwäche, denen früher Schonung angeraten wurde, von leichtem Ausdauertraining profitieren.

Bewegungsmangel und Übergewicht führen oft mit den Jahren zu Bluthochdruck. Hohen Blutdruck spürt man nicht, doch es wird für das Herz zur Belastung, wenn es über lange Zeit gegen einen erhöhten Druck in den Gefäßen anpumpen muss. Hoher Blutdruck ist deshalb ein wichtiger Risikofaktor für Herzerkrankungen, er steigert aber auch das Risiko für einen Schlaganfall. Oft steigt der Blutdruck allein durch die Aussicht auf die Untersuchung, doch ihn regelmäßig zu kontrollieren ist trotzdem eine sinnvolle Vorbeuge-Maßnahme. Mehrfache Messungen verhindern falschen Alarm durch die Aufregungs-Situation beim Arzt, den so genannten „Weißkittel-Hochdruck“. Der Druck, mit dem das Herz bei jedem Schlag Blut in den Kreislauf pumpt, wird meist mit einer Manschette am Oberarm gemessen. Der obere (systolische) Wert entsteht beim Zusammenziehen des Herzmuskels, der niedrige (diastolische) wird gemessen, wenn der Druck abfällt.

Gegen den zu hohen Blutdruck – meist wird heute 140 zu 90 mmHg als kritische Größe betrachtet – hilft in vielen Fällen eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, vor allem das Abspecken. Insbesondere bei erblicher Belastung mit hohem Blutdruck ist salzarme Kost zu empfehlen. Alkohol ist – nicht nur des Blutdrucks wegen – nur in Maßen anzuraten. Kaffee hat dagegen zu Unrecht einen schlechten Ruf. Da der Blutdruck bei vielen Menschen bei Stress in die Höhe schnellt, kann es sinnvoll sein, ein Entspannungsverfahren zu erlernen. Es gibt zudem auch eine Reihe wirksamer Medikamente. Wenn der Blutdruck anders nicht zu senken ist, sollte man sie regelmäßig einnehmen – zur Vorbeugung, obwohl die erhöhten Werte keine Beschwerden verursachen.

Weitere Werte müssen im Labor bestimmt werden. Dazu gehört der Cholesterinspiegel, der bei Gesunden 240 mg/dl nicht überschreiten sollte. Wichtig ist auch die Messung des Blutzuckers, nüchtern sowie zwei Stunden nach einer Mahlzeit. Zu hohe Blutfettwerte, vor allem des schädlichen LDL-Cholesterins, Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht sind die wichtigsten Risikofaktoren für den Herzinfarkt. Dass sie in den letzten Jahren in ganz Europa zugenommen haben, zeigt die Studie „Euroaspire“.

Das Elektrokardiogramm (EKG) – in Ruhe und bei Belastung gemessen – gibt Auskunft über Störungen der Durchblutung und des Rhythmus’ des Herzens, aber auch darüber, ob es schon einen „stummen“ Herzinfarkt in der Vorgeschichte gab, der narbiges Gewebe hinterließ. Wer schon einen Infarkt durchgemacht hat, für den ist Vorbeugung noch wichtiger. aml

Risikotest der Deutschen Herzstiftung: www.herzstiftung.de/Risikotest.htm

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