Zeitung Heute : Obst zum Trinken

Drei Freunde, eine Idee: Der Siegeszug der „Smoothies“ begann in einer kleinen Küche in Kreuzberg

Katrin Zeug

Die Geschichte von Proviant Smoothies ist fast zu schön: Tom, Jan und Paul, drei beste Freunde aus einem kleinen fränkischen Dorf, haben sich mit Ende 20 in Berlin wiedergetroffen und wollten „irgendwas zusammen machen“. Ein Café? Ein Catering-Unternehmen? Essensstände auf Straßenfesten? Sie mieteten eine kleine Küche in Kreuzberg und begannen zu experimentieren. Irgendwas mit Essen, was Gesundes. Paul hatte eine Ausbildung zum Fitnesskaufmann gemacht, Tom Sozialpädagogik studiert und ein bisschen mit Kindern in Neukölln gearbeitet und Jan war nach der Schule nach Australien gegangen, surfen und kochen in Restaurants und Bars. Von dort brachte er das Rezept für Smoothies mit, eine Art dickflüssigen Saft. Die drei probierten das Rezept in ihrer Küche in Kreuzberg aus – um es vielleicht irgendwann mal in ihrem Café anzubieten, oder mit ihrem Catering-Unternehmen. Die ersten Smoothies verkauften sie auf Straßenfesten. An einem Stand auf dem Karneval der Kulturen, der Fête de la Musique, aus Bio-Obst in schlichten Fläschchen. Die Leute mochten die Drinks.

Das ist etwa ein gutes Jahr her. Mittlerweile haben sie über 60 Direktkunden und drei Großhändler. Insgesamt gibt es mehr als 100 Verkaufsstellen in und um Berlin. Szenekneipen in Prenzlauer Berg und Mitte verkaufen das „Obst zum Trinken“, und Feinkostläden, Bio-Restaurants und Bio-Supermarktketten haben die Fläschchen in ihrem Sortiment. Nach wenigen Monaten hatten sie die Produktion in eine größere Küche verlegen und studentische Hilfskräfte einstellen müssen. 6000 Fläschchen verkaufen sie zurzeit im Monat. „Wir können selbst kaum glauben, wie schnell das geht“, sagt Paul, der sich um Kundenakquirierung und Öffentlichkeit kümmert. „Die Leute suchen nach neuen Produkten, nach was Besonderem, was sonst keiner hat.“ Fünf verschiedene Sorten mixen sie mittlerweile aus Himbeeren, Karotten, Orangen, Bananen und auch mal Ingwer oder der Macapflanze aus Peru und füllen sie in Fläschchen mit Etiketten im Retrolook.

Sie sagen, sie seien da so reingerutscht, aber aus Versehen ist der Erfolg nicht passiert. Paul hat nach seiner Ausbildung BWL studiert und als Unternehmensberater in Berlin und Zürich gearbeitet. Er weiß, dass man sich neben dem Obstmixen auch um Lebensmittelkennzeichenverordnungen, Bio-Zertifizierungen und Barcodes kümmern muss – und er hatte Geld. Die 50 000 Euro Startguthaben konnten die Jungs investieren, ohne Schulden aufzunehmen. Küche, Geräte und Vorräte, die sie kauften, sind auf Größeres ausgerichtet, und im Raum neben der sterilen Großküche steht ein Flipchart mit den Namen sämtlicher Städte in Deutschland. Die sollen erobert werden.

Die Geschichte der drei Jungs gehört zum Markenimage: jung, spontan, stylisch. Der Begriff, der das alles verkörpern soll, steht auf dem Etikett größer als das Bio-Abzeichen: Berlin. Eine Geschichte, zu der auch gehört, dass bisher ein jedes Fläschchen durch die Hände von Paul, Tom oder Jan gegangen ist – wenn der Erfolg so weitergeht, ist das bald eine Anekdote aus der Anfangszeit.

www.proviant-smoothies.de

Es macht die Luzia aus, dass wir keine

Gastronomen sind. Die Bar ist für uns eher

eine Art Projektraum und Kontaktnetzwerk.“

Kaan Müjdeci, Geschäftsführer Luzia

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben