Zeitung Heute : Oder: Wie kündige ich meinen Chefredakteur?

Ulla Sand

Ob Michael Maier oder Michael Hopp - nach der Entlassung kommt die zermürbende TrennungUlla Sand

Immer wieder werden in den oberen Etagen der Verlage Diskussionen geführt, wie man sich eines Chefredakteurs entledigt, ohne größere Komplikationen gewärtigen zu müssen. Detaillierte Kündigungsgründe zu finden, vor allem nachweisen zu können, erweist sich meist als zu problematisch. Und hohe Abfindungssummen sind schlicht zu teuer. Hinzu kommt, dass Chefredakteure sich durchaus bewusst sind, "schwer vermittelbar" zu sein, wie erst am Donnerstag wieder das Hamburger Landesarbeitsgericht feststellte.

Wird ein Chefredakteur gekündigt, folgt daher häufig der Gang zum Arbeitsgericht, wo er langwierige, zum Teil durch mehrere Instanzen gehende Verfahren auf sich nimmt. Ohne wirkliche Aussicht klagt der Entlassene auf Wiedereinstellung, hofft auf eine hohe Abfindung, den sogenannten "Goldenen Handschlag" und muss über Monate die zermürbende Zeit des Nichtstuns ertragen. Eine andere, bezahlte Tätigkeit, darf der seiner Ansicht nach "grundlos Gekündigte" schließlich nicht eingehen.

So wie Michael Maier, der im Sommer letzten Jahres nach nur wenigen Monaten von seinem Chefredakteursstuhl beim "Stern", der im Gruner + Jahr-Verlag erscheint, gekippt wurde. Wie zu hören ist, hat Michael Maier daher in Israel einen Lehrauftrag an der Universität angenommen und engagiert sich ehrenamtlich für die Hinterbliebenen des Holocaust. In der Zwischenzeit scheint Gruner + Jahr nach einer ersten Trotzphase und der verlorenen ersten Instanz wieder intensiver eine Verhandlungsbasis mit Maier-Anwalt Michael Nesselhauf zu suchen.

In einem weiteren Verfahren, das Nesselhauf derzeit führt, handelt es sich aber um keine millionenschwere Abfindungssumme wie bei Maier. Mittlerweile dauert der Rechtsstreit zwischen Michael Hopp, ehemaliger Chefredakteur von "TV Movie" und dem Heinrich Bauer Verlag schon neun Monate. Hopp streitet sich mit dem Hamburger Verlag um die Wirksamkeit der Kündigung, klagt auf Wiedereinstellung, beziehungsweise hofft er auf eine Abfindung. Bereits in erster Instanz bekam er vom Gericht Recht. Doch Bauer gibt sich knauserig. Gestern fand eine weitere Verhandlung statt. Es geht um 200 000 Mark, fällig am 1. März 2000. Ob der Verleger Heinz Bauer bereit ist dem Gericht zu folgen, steht noch unter Vorbehalt. In der Zwischenzeit hat sich Hopp mit dem Internet beschäftigt, entsprechende Konzepte für eine Programm- und Medienzeitschrift entwickelt. Ansonsten galt es für ihn wie für Maier, die immer schwieriger werdenden Kontakte in die Branche zu pflegen, um sich für die "Zeit danach" zu rüsten. Seit kurzem ist Hopp zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, arbeitet mit seinem früheren Weggefährten Jo Breier beim Hamburger Büro X.

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