Öko-Bestattungen : Bestattung, aber bitte grün

Urnen aus Pappe, Kühlung statt Einbalsamierung – der Tod soll für die Umwelt keine Last sein.

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Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub – aber bitte ökologisch korrekt. Immer mehr Bestattungsfirmen bieten umweltschonende Alternativen zu traditionellen Erd- und Feuerbestattungen an.
Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub – aber bitte ökologisch korrekt. Immer mehr Bestattungsfirmen bieten umweltschonende...Foto: imago

Das Leben ökologisch verträglich zu gestalten, ist heute für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit. Sie tragen ihr Altglas zum Container, fahren mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln statt dem eigenen Auto zur Arbeit oder kaufen Bio-Produkte. Da ist es vielleicht etwas skurril, aber dennoch nicht ganz abwegig, darüber nachzudenken, auch den unvermeidlichen Tod umweltverträglich zu organisieren. Rolf Lichtner, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Bestatter, bestätigt, dass dieser Gedanke viele Menschen beschäftigt: „Bei Bestattungen wird vermehrt auf ökologisch unbedenkliche Produkte geachtet.“

Jedes Jahr stirbt in Deutschland etwa ein Prozent der Bevölkerung. Das sind mehr als 800000Menschen. Für ihre Bestattung gibt es vor allem zwei klassische Möglichkeiten: die Erd- und die Feuerbestattung. Beide Varianten bergen Umwelt-Risiken. Bei der einen besteht die Möglichkeit, dass Rückstände von Medikamenten oder Schwermetalle wie das Quecksilber in Amalgam- Zahnfüllungen ins Grundwasser gelangen. Die Verbrennung hingegen produziert Kohlendioxid.

Schockgefroren und zerbröselt

Diese Umweltrisiken führen zu interessanten Ideen für andere Arten der Bestattung. Eine schwedische Biologin etwa hat die sogenannte Promession entwickelt. In diesem Verfahren werden die sterblichen Überreste nicht wie üblich einbalsamiert und verbrannt, sondern bei fast Minus 200 Grad Celsius schockgefroren und dann durch Schallwellen zerbröselt. Das so entstandene Granulat wird in einen kompostierbaren Sarg gefüllt – beides soll binnen eines Jahres in Humus umgewandelt werden.

Über die Testphase hinaus ist ein Verfahren aus den USA. Bei der „Resomation“ wird der Leichnam durch eine heiße Lauge unter hohen Druck in seine Bestandteile zersetzt. Zurück bleiben nur poröse Knochen, die zu Bioasche zermahlen werden und eine organische Lösung, die angeblich bedenkenlos ins Abwasser geschüttet oder zur Düngung verwendet werden kann. Beide Verfahren sind in Deutschland nicht zugelassen. Für Toni Hanrieder, den Vizepräsidenten des Bundesverbands Deutscher Bestatter, ist das neue Verfahren Ausdruck einer „Entsorgungsmentalität“. Er fragt: „Wo bleibt da die Menschlichkeit?“

Bloß keine Kunststoffe

Es gibt aber auch andere, neue Öko-Methoden. Bestatter wollen in Zukunft Krematorien mit Ökostrom betreiben und bieten diverse biologisch abbaubare Särge und Urnen an. Zum Sortiment gehören heute Totenschreine aus nachhaltiger Forstwirtschaft: Vollholz-, Rattan- oder Pappsärge, die alternativ mit umweltfreundlichen Lacken verziert oder mit Leder- oder Holz- statt Metallgriffen ausgestattet sind. Urnen gibt es aus Pappe, Holz oder Kartoffelstärke.

Blumengebinde kommen aus fairem Handel. Groß geschrieben wird der Verzicht auf Chemiefasern oder Kunststoffe. Ein weiterer Trend ist die Individualisierung. An den Uhrmacher erinnern kleine Zahnrädchen und ein Ziffernblatt am Sarg. Der emsige Leser wird gemeinsam mit seinem Lieblingsbuch beerdigt. Und in Pirna bietet die Friedhofsgärtnerin Irena Hradsky Angehörigen die Möglichkeit, Urnen und Särge im Detail selbst zu gestalten. Als Ritual des Abschiednehmens möglicherweise eine gute Idee.

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