Zeitung Heute : Offensive Billiganbieter

MAURICE SHAHD

Die Preise für die Nutzung des Internets sinken weiter.Neben Primus Online Berlin-Brandenburg mit seinem städtischen Online-Dienst Berlin.de hat auch der Billiganbieter Netdiscount einen Pauschaltarif im Angebot, der mit 19,95 Mark 95 magische Zwanzig-Mark-Marke unterschreitet."Obwohl wir mit den Internet-Zugängen nur wenig Geld verdienen, wollen wir volle Funktionalität bieten", erklärt Ralf Halbauer, Inhaber von Netdiscount.Im Preis enthalten ist eine E-Mail-Adresse und ein Megabyte Speicherplatz für die eigene Homepage.Netdiscount vertreibt Zugänge des Telekommunikations-Unternehmens Viag Interkom und besitzt somit Einwahlknoten in neun weiteren deutschen Städten, über die Netdiscount-Kunden zum Ortstarif ins Internet gelangen können.Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich über eine bundesweit gültige 01805-Nummer ins Internet einzuwählen.Die Telfonkosten liegen allerdings rund um die Uhr bei 12 Pfennig pro Einheit.



Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens ist der Verkauf von Webspace, also von Speicherplatz für Webseiten."Netdiscount bietet nicht nur Pauschalangebote, sondern wir gehen auf jeden Kundenwunsch ein und ermöglichen individuelle Konfigurationen ohne Aufpreis", erläutert Halbauer.Auch kleine und mittelständische Unternehmen umwirbt Netdiscount mit günstigen Zugängen zum Netz.Halbauers Motto: "Die Kunden gewinnen, denen das Internet bisher zu teuer war." Mit preiswerten Test-Angeboten können "die Firmen probieren, wie das Internet funktioniert und was es dem Unternehmen bringt."

Der gebürtige Thüringer Halbauer, der an der Humboldt Universität studierte, setzt dabei verstärkt auf die Neuen Bundesländer.Seine bisherigen Erfahrungen waren allerdings eher ernüchternd: "Wir stoßen in den östlichen Ländern häufig auf großes Desinteresse, was sehr frustrierend sein kann." Gründe für das mangelnde Interesse seien vor allem Unkenntnis über die Möglichkeiten des Internets, aber auch die schlechte wirtschaftliche Situation vieler ostdeutscher Betriebe.Hinzu komme, daß viele regionale Provider in den Neuen Ländern mit sehr hohen Preisen agieren, so die Analyse des Netdiscount-Chefs.



Bei der Einrichtung des Zugangs von Netdiescount zeigen sich Mängel im Service.Neukunden erhalten weder eine CD-ROM mit Internet-Software noch Hinweise für die Konfiguration des Anschlusses.Der Service-Bereich auf der Homepage des Providers beschränkt sich auf die Angabe von E-Mail-Adressen und die Telefonnummer der Hotline.Die Hotline ist - sehr kundenfreundlich - täglich von 9 Uhr bis 23 Uhr zu erreichen.Leider war bei einem Einwahlversuch kurzzeitig "besetzt".

Im Geschwindigkeitstest zeigt sich der Provider zwiespältig.Beim Download der Testdatei wurde analog - also bei Nutzung einer herkömmlichen Telefonleitung - mit einer durchschnittlichen maximalen Übertragungsrate von 4,2 Kilobyte pro Sekunde ein sehr guter Wert erreicht.Per ISDN lag der Durchschnitt dagegen nur bei mäßigen 5,3 Kilobyte.Die Möglichkeiten des digitalen Netzzuganges werden bei weitem verfehlt.



Fazit: Netdiscount bietet einen sehr preisgünstigen Pauschaltarif, der vor allem Vielsurfer mit schmalem Geldbeutel erfreuen dürfte.Einschränkungen sind beim Service und bei der Geschwindigkeit per ISDN zu machen.Zudem verfügt Netdiscount über keinen eigenen Newsserver.Die Nutzung öffentlicher Newsgroups ist aber möglich.Der Provider erhält die Bewertung "befriedigend".

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