Zeitung Heute : Ohne Furcht, mit Schrecken

Die paramilitärischen Fedajin bekämpfen Rebellen im Irak

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Sie gelten als besonders grausam und sind Saddam Hussein bedingungslos treu ergeben. Jetzt stehen die paramilitärischen Fedajin Saddam mit rund tausend Mann in der heftig umkämpften südirakischen Stadt Basra, sagen britische Militärkommandos. Wörtlich übersetzt bedeutet Fedajin „Die, die sich opfern“. Die Fedajin Saddam sind bereit, für Saddam Hussein zu sterben.

Westliche Militärexperten schätzen ihre Zahl auf 18000 bis 40000. Ihre Aufgabe ist es, Aufstände aus der eigenen Bevölkerung gegen den irakischen Machthaber Saddam Hussein möglichst schon im Keim zu ersticken. Ihr Kommandeur ist dessen Sohn Udai, der sie 1994 auch gegründet hat. Rekrutiert werden die jungen Männer in den Hochburgen der Getreuen von Saddam Hussein. Ihre Ausbildung umfasst neben dem Waffentraining Sport und Staatsbürgerkunde.

Sie sind immer wieder gegen Feinde Saddams, Aufrührer und Abweichler eingesetzt worden. Vor einigen Jahren schockten Berichte über Grausamkeiten der Truppe die Welt: Laut Amnesty International haben FedajinKommandos im Oktober 2000 in Bagdad und anderen Städten „zahlreiche“ Frauen öffentlich enthauptet, angeblich um mit der Prostitution aufzuräumen. Unter den Opfern sollen auch verschleierte Frauen gewesen sein, denen regimefeindliche Äußerungen vorgeworfen wurden.

An anderer Stelle ist davon die Rede, dass einem Mann wegen Verleumdung des Präsidenten die Zunge herausgeschnitten wurde.

Jetzt im Krieg, ist es Fedajin-Milizionären gelungen, mit Verkleidungen, vorgetäuschten Kapitulationsangeboten und anderen Kriegslisten auch den Marsch der alliierten Truppen auf Bagdad empfindlich zu stören.

Bei Militärparaden hatten einige ihrer Kämpfer in den vergangenen Wochen immer wieder Sprengstoffgürtel zur Schau getragen, um so ihre Bereitschaft zum Märtyrertod zu demonstrieren. Nach dem Beginn des Krieges vor einer Woche schwor Udai Saddam Hussein seine Männer im Fernsehen darauf ein, die „ersten Märtyrer im Kampf für unser großes Irak“ zu werden. Saddam Hussein ließ im Fernsehen einen Aufruf verlesen, wonach die Kämpfer „die Feinde verfolgen und überall treffen“ sollen.

Üblicherweise in der Hauptstadt stationiert, sollen Fedajin-Kämpfer mittlerweile in allen größeren Orten sein, um die Bevölkerung in Schach zu halten. Wenn es zum Kampf um Bagdad kommt, rechnen Sicherheitsexperten mit dem selbstmörderischen Einsatz der „Opferbereiten“ im Häuserkampf.dpa/Tsp

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