Zeitung Heute : Ohne kommerzielle Hintergedanken

MAURICE SHAHD

"Das Ziel unseres Vereins ist es, die Nutzung des Internet zu fördern, ohne damit ein Geschäft zu machen", erklärt Arne Ludorff, Vorstandmitglied des Individual Network Berlin e.V.- kurz IN-Berlin.Seit fünf Jahren existiert der Verein in seiner jetzigen Form.Bereits 1989 hatte sich eine Gruppe Netz-Interessierter zusammengefunden, aus der sich der Verein entwickelte."In unserem Verein werden alle Arbeiten ehrenamtlich, aber gleichwohl technisch kompetent und manchmal wegen der Vereinsstruktur vielleicht etwas chaotisch erledigt." Auch die Hotline wird von den Vereinsmitgliedern auf freiwilliger Basis betrieben.



Der Internet-Zugang kostet bei IN-Berlin pauschal 29 Mark pro Monat.Im Preis enthalten sind üppige 5 Megabyte Speicherplatz für die private Homepage, der bei Bedarf sogar noch erweitert werden kann.Ein interessantes Angebot ist die theoretisch unbegrenzte Anzahl persönlich verfügbarer E-Mail-Adressen.Bei den von IN-Berlin vergebenen E-Mail-Adressen ist der Teil vor dem @-Zeichen frei wählbar.Erst dahinter erfolgt die Adressierung mit dem eigenen und dem Provider-Namen.Ebenfalls im Angebot von IN-Berlin ist eine analoge Standleitung für nur 80 Mark im Monat.Dieses Angebot richtet sich vor allem an andere Vereine oder private Initiativen.Für kommerzielle Zwecke darf keine der Leistungen von IN-Berlin genutzt werden.



Unterschieden wird bei IN-Berlin zwischen Mitgliedern und Teilnehmern."Die Teilnehmer nutzen ausschließlich den Zugang zum Internet, können aber alle Leistungen des Vereins in Anspruch nehmen.Die Vereinsmitglieder sind in der Regel aktiver und unterstützen den Verein vor allem durch ihre Mitarbeit", erläutert Ludorff.Zusätzliche Kosten in Form von Mitgliedsbeiträgen entstehen den Vereinsmitgliedern nicht.Dafür können sie an den Entscheidungen des Vereins mitwirken.Einmal im Jahr findet eine Mitglieder-Versammlung statt, auf der grundlegende Fragen geklärt werden."Kurzfristige Entscheidungen wie die Anschaffung neuer Geräte werden vom Vorstand in Absprache mit den aktiven Mitgliedern getroffen", so Ludorff."Allerdings dauert die Entscheidungsfindung in einem Verein manchmal etwas länger als bei einem Unternehmen." Aufgrund der steigenden Teilnehmerzahlen war noch bis vor kurzem die Einwahl in der günstigen Zeit zwischen 21 und 22 Uhr reine Glückssache, was auch noch in der Testphase zu spüren war.Durch die Anschaffung eines zusätzlichen Einwahl-Routers konnte das Problem behoben werden.



IN-Berlin hat zur Zeit knapp 100 Mitglieder und etwa 1000 Teilnehmer.Im Juni konnten neue Räume bezogen werden, in denen auch die monatlich stattfindenden Teilnehmertreffen durchgeführt werden."Geöffnet sind die Räume immer Dienstags und Mittwochs zwischen 15 und 20 Uhr.In dieser Zeit kann jeder vorbeikommen, der sich über IN-Berlin informieren will", sagt Ludorff.Der Verein will aber auch anderen Computer-Gruppen ein Forum bieten.In den Vereinsräumen von IN-Berlin trifft sich immer mittwochs die Linux User Group.Regelmäßig finden Internet-Schulungen für Lehrer statt, auch Nicht-Mitglieder sind hier willkommen.



Die Installation des Zugangs verlief mit telefonischer Unterstützung problemlos.Wer Schwierigkeiten bei der Einrichtung des Zugangs hat, kann nach Absprache seinen Rechner in die Vereinsräume bringen, wo das Problem behoben wird.Ist das nicht möglich, werden in Ausnahmefällen von den Mitarbeitern der Hotline auch Hausbesuche durchgeführt.Die Homepage von IN-Berlin ist etwas unübersichtlich gestaltet, doch finden sich nach einiger Suche Konfigurationshinweise und weitere Tips für den Einstieg ins Internet oder die Einrichtung einer eigenen Homepage.Bei der Geschwindigkeit erreicht IN-Berlin durchwachsene Werte.Zwar wurde beim Download der Testdatei analog eine maximale Übertragungsrate in Höhe von 4,4 Kilobyte pro Sekunde erreicht, doch lag sie im Durchschnitt bei nur 3,3 Kilobyte.Enttäuschend war das Ergebnis bei der Übertragung per ISDN.Die durchschnittliche maximale Übertragungsrate lag hier bei nur 3,1 Kilobyte.



IN-Berlin bietet ein komplettes Angebot zu einem günstigen Preis.Wer Interesse an einem Internet-Zugang bei IN-Berlin hat, sollte sich aber im Klaren darüber sein, daß es sich nicht um einen kommerziellen Anbieter handelt.Einbußen sind leider bei der Geschwindigkeit zu machen.Der Provider wird von uns aber noch mit "knapp gut" bewertet.

Die bisher erschienen Beiträge des Providertests sind im Internet unter www.tagesspiegel.de/interaktiv nachzulesen.Anfragen und Anregungen zum Test können weiterhin an die Redaktion (interaktiv@tagesspiegel.de ) gerichtet werden.Eine E-Mail unter dem Stichwort "Provider-Test" in der Betreffzeile reicht aus.

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