Zeitung Heute : Ohne Kreide

Die Schultafel der Zukunft heißt Whiteboard. Sie ist das fehlende Bindeglied zwischen Laptop und Beamer. In Berlin laufen erste Tests

Kurt Sagatz

Auf den in der Ablage liegenden Schwamm könnte man eigentlich verzichten. Um die elektronischen Schultafeln der Zukunft, die derzeit an zwölf Berliner Schulen getestet werden, zu säubern, reicht ein kurzer Fingertipp aus, schon erscheint die Tafel wieder in reinstem Weiß. Denn nicht mit Kreide wird hier geschrieben und gezeichnet, sondern mit Bits and Bytes. Die Tafel selbst ist nicht grün, sondern eben weiß und heißt darum auch neudeutsch Whiteboard und nicht mehr Tafel.

Ob solche Neuerungen in absehbarer Zeit an Berlins Schulen flächendeckend eingeführt werden, muss derzeit bezweifelt werden. Kostspielige Projekte kann sich die gemeinnützige CidS GmbH, die Berlins Schülern den Weg in die Informationsgesellschaft bereiten soll, nicht mehr leisten. Zwar erhält CidS – was für „Computer in die Schulen“ steht, weiterhin einen jährlichem Scheck über 5,1 Millionen Euro von der Lottogesellschaft, doch bei den Landeszuwendungen hat der Rotstift nicht halt gemacht. Diese Mittel wurden auf 1,8 Millionen Euro halbiert, sagt Geschäftsführer Markus Kuschela, der angesichts der Berliner Finanzkrise dennoch nicht unzufrieden sein will.

Die jetzt im Test befindlichen neuen Schultafeln gehören somit auch nicht zum Rahmenkonzept. Dabei leuchtet der Sinn und Zweck dieser Whiteboards durchaus ein. Die Tafeln funktionieren im Zusammenspiel mit einem Computer und einem Beamer. Der Lehrer steht an der elektronischen Tafel und bedient den Computer über das an das Whiteboard projizierte Bild. Ohne Maus oder andere Zusatzgeräte können sämtliche Anwendungen direkt an der Tafel ausgeführt werden, da der Lehrer nicht mehr an den Platz hinter dem Laptop gebunden wäre. Die so entstehenden Notizen und Arbeitsunterlagen stehen sofort in elektronischer Form zur Weiterbearbeitung und Weitergabe an die Schüler bereit.

Am Anfang bietet sich der Einsatz vor allem in Fächern wie ITG (Informationstechnischer Grundunterricht) oder Informatik an. Die meisten der vorhandenen Beamer, mit denen die Computerbilder an die Wand geworfen werden, sind in diesen Unterrichtsräumen fest installiert. Um den Schülern auf den computergenerierten Bildern jedoch etwas demonstrieren zu können, muss der Lehrer die Schritte am Schreibtisch sitzend auf seinem Desktop-Computer oder Laptop ausführen. Eine normale Unterrichtssituation kommt so nur schwer zu Stande. Ganz zu schweigen von einem interaktiven Unterricht, bei dem die Vorteile des Computers ausgespielt werden könnten. Denn mit Laptop, Beamer und Whiteboard lässt sich der Unterricht auf fast revolutionäre Art verändern, wenn der Lehrer zum Beispiel an der Tafel direkt auf Internet-Seiten zurückgreifen kann. Oder wenn er beispielsweise eine Wettersimulation am Whiteboard nicht nur ablaufen lassen, sondern dazu auch gleich noch Kommentare und Illustrationen hinzufügen kann.

Im Markt sind derzeit zwei verschiedene Lösungen. Die eine stammt von Hitachi. Bei ihr wird die Kreide durch spezielle Stifte ersetzt, mit denen an der Tafel gearbeitet werden kann. Bei der anderen Lösung handelt es sich um die „Smart Boards“ der kanadischen Firma Smart Technologies. Allein dieses Unternehmen hat weltweit bereits 100 000 Whiteboards verkauft. Nicht nur in den USA haben bereits an vielen Schulen die Whiteboards die alten Tafeln ersetzt, in den europäischen Ländern sind die neuen Tafeln vor allem in Großbritannien sehr beliebt. Rund 20 000 Whiteboards wurden dort bereits an Schulen verkauft.

Insgesamt hat sich die Situation an den rund 1000 Berliner Schulen in den letzten sechs Jahren deutlich verbessert. 1997 kam auf 80 Berliner Schüler ein Computer. Damit gehörte die Hauptstadt im nationalen Vergleich zu den Schlusslichtern. Bis zum Jahr 2000 verbesserte sich die Situation merklich: Auf 30 Schüler kam nun ein PC, wodurch Berlin in das vordere Mittelfeld rückte. Zwar hat die Computerdichte seither nochmals zugenommen – 20 Schüler je Computer – dennoch liegt Berlin wieder im hinteren Mittelfeld. Aus dieser Position wird die Stadt nicht so schnell herauskommen. Die verfügbaren Mittel reichen nur dafür aus, jede Schule alle fünf Jahre auf den aktuellen Stand zu bringen. 1500 Euro für eine interaktive Tafel sind somit viel Geld.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben