Zeitung Heute : Ohne Panik ins Jahr 2000

Nur zweistellige Datenerfasser werden Probleme habenDie bevorstehende Jahrtausendwende wird einigen Wirbel in die weltweiten Computersysteme bringen.Bei vielen deutschen Unternehmen bestehe mit Blick auf die Millenium-Umstellung noch Nachholbedarf, sagte der zuständige Experte des Software-Anbieters SAP, Michael Klemen, am Freitag gegenüber der Wirtschaftsnachrichtenagentur ADX.In der Vergangenheit seien die meisten Rechner aus Platzgründen nur mit zweistelligen Jahreszahlen ausgerüstet worden.Wenn dann der Sprung von "99 auf 00" komme, könne es Problemen geben. Umfragen zufolge haben 19 Prozent der deutschen Unternehmen derzeit noch "keine Planung", was die elektronische Umstellung auf das neue Jahrtausend angeht.Immerhin ist bei 56 Prozent der Befragten die Planung "im Gang", und 23 Prozent haben bereits umgerüstet.SAP-Nutzer können dagegen beruhigt sein, da das Softwareunternehmen seine Produkte bereits seit Beginn der Entwicklung mit vierstelliger Jahreszahl-Funktion ausgerüstet hat. "Datumslogische Probleme" nennen Fachleute die Komplikationen, die durch die Jahrtausendwende auf Computernutzer zukommen.Rechner mit zweistelliger Datumserfassung erkennen dabei das Jahr "00" nicht an oder liefern falsche Berechnungen.Betroffen sind davon alle unternehmerischen Bereiche, wie Klemen sagt.So etwa Betriebe mit langfristigen Abschreibungen oder komplexen Produktentwicklungen wie etwa in der Luft- und Raumfahrt.Aufpassen müßten auch Arznei-Hersteller, die auf die Verfallsdaten ihrer Medikamente zu achten hätten oder etwa Versicherungen beim Verfassen ihrer Policen. Zu großen Problemen werde es zudem im "public sector", also in Behörden und Ämtern kommen, da diese zum überwiegenden Teil noch nicht umgerüstet hätten.Klemen merkte auch an, daß die Einführung des Euro den Fokus auf das Millenium deutlich verdrängt habe.Die Währungsunion sei flexibel, das neue Jahrtausend komme dagegen genau am 1.Januar 2000". Erhebungen zufolge müssen die Unternehmen weltweit insgesamt zwischen 300 Milliarden und 600 Milliarden US-Dollar ausgeben, um ihre Software für das neue Jahrtausend fit zu machen.US-Juristen rechnen nach SAP-Angaben im Zusammenhang mit Schadenersatzklagen rund um das Jahr-2000-Problem mit Prozeßkosten in Höhe von rund einer Billion US-Dollar. Für die Nutzer des SAP-Systems R/3 gelte dagegen "Business as usual", unterstrich Klemen.Mehr als 13 000 dieser Anwendungen seien weltweit bereits installiert.Dennoch sei es auch für SAP-Kunden notwendig, selbst die kleinsten eingesetzten Software-Programme anderer Anbieter und auch Eigenentwicklungen der Kunden "genau unter die Lupe zu nehmen", warnte Klemen.Man könne nie wissen, an welchem Punkt die Umstellung auf das neue Jahrtausend Probleme aufwerfen werde.Schließlich stecke "der Teufel im Detail".

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