Zeitung Heute : Ohne Panne ins Grüne

Tipps vom ADFC für die Fahrrad-Wartung und für den Kauf eines neuen Drahtesels

Marion Hartig

Er braucht nur vor die Tür zu treten und den vorbeikommenden Fahrrädern seine Ohren entgegenzuhalten – und Benno Koch weiß, wie es um die Räder bestellt ist. Der Mann vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Berlin, ADFC, hört, wenn eine Kette nach Öl verlangt, wenn ein Lager ausgeschlagen oder ein Dynamo falsch eingestellt oder verschlissen ist. Koch arbeitet seit zwölf Jahren für den Club, etliche Räder hat er in der Werkstatt in der Brunnenstraße repariert. Er kennt sich aus.

Wer sein Fahrrad im Frühling aus dem Keller holt, findet es oft nicht im besten Zustand vor. „Um es für den Sommer fit zu machen, sollte man besonders die leicht abnutzenden Fahrradteile unter die Lupe nehmen, Kette, Reifen, Bremse und Licht“, empfiehlt der ADFC-Mann. Das Rad auf Hochglanz zu polieren, ist zur Wartung nicht nötig – es kann allerdings helfen, Mängel zu entdecken und sein Fahrrad besser kennen zu lernen.

Die Kette ist nach rund 2000 Kilometern oder gut einem Jahr Gebrauch abgeschmirgelt. Ob eine neue nötig ist, zeigt die „Kettenprobe“: Wenn ein normal dicker Bleistift zwischen Zahnkranz und Kette passt, sollte sie ausgetauscht werden. Zur Pflege rät der Fahrradexperte, die Kette zuerst mit Fett zu schmieren, dann mit einem Lappen nachzuwischen und schließlich fein mit Silikonöl einzusprayen, das Öl weist Schmutz ab und vermeidet das Verharzen.

Das Aufpumpen der Reifen gehört zum Standardprogramm und doch machen gerade dabei viele Radfahrer einen entscheidenden Fehler: Sie pumpen den Reifen nicht fest genug auf, weiß Koch. Je nach Typ verträgt er bis zu sechs bar Druck, der Richtwert ist in die Reifen geprägt. Da man den richtigen Druck nicht wirklich fühlen kann, lässt man ihn am besten im Fahrradladen mit einem Luftdruckmesser überprüfen.

Für die Sicherheit stehen Bremsen und Licht auf der Checkliste. Die Bremsen müssen gut greifen. Wenn das Fahrrad steht, sollten die Hebel nicht ganz durchgezogen sein und den Lenker nicht berühren. Bremsbeläge muss man auswechseln, wenn sie bis zur Verschleißanzeige abgefahren sind und nicht mehr mittig greifen. Beim Bremskabel sollte man auf angerissene Drähte achten. Für das Licht hat Koch einen Tipp, der Radler bei Regen nicht mehr im Dunkeln stehen lässt: Der Experte hat an seinem Fahrrad einen Nabendynamo angebracht. Die Lichtmaschine ist nicht wetterabhängig, bremst nicht an den Reifen und kostet kaum mehr als ein gewöhnlicher Dynamo. Setzt man noch eine Glühbirne mit Standlichtautomatik in die Lampen ein, ist das Rad auch beim Halten an der Ampel beleuchtet.

Wenn alles Reparieren nicht hilft, und man sich für ein neues Rad entscheidet, rät der ADFC-Mann, sich in einem Fachgeschäft beraten zu lassen. Ab 500 Euro aufwärts spricht er von einem „richtigen“ Fahrrad. „Ein günstigeres Rad aus dem Discounter kann durchaus gut sein, nur lässt es sich oft nicht auf die individuellen Bedürfnisse abstimmen.“

Ein Fachhändler hingegen gibt Tipps zur richtigen Rahmenhöhe. Er erklärt, dass die Beinlänge und nicht die Körpergröße für die Rahmenhöhe ausschlaggebend ist, dass man gewöhnlich am besten auf einem eher harten Sattel fährt und weiche, gefederte Sitzflächen Energieverlust bedeuten, dass Lenker ungefähr schulterbreit sein und, gerade für Langstreckenfahrer entscheidend, mehrere Griffpositionen bieten sollten.

Auch über die Vor- und Nachteile der Ketten- oder Nabenschaltung sollte man sich informieren. Gut beraten ist, wer beim Kauf gleich an stabile Vorrichtungen für das Gepäck denkt. Bequem und sicher fährt man mit Taschen auf dem Hinterrad-Gepäckträger, am Lenker und am so genannten „Lowrider“, der an der Gabel des Vorderrades angebracht ist.

Für Pannen reicht eine leichte Multifunktionstasche mit Minireparaturset, sagt Koch. Dass auf der Strecke ganz plötzlich die Bremsen versagen oder der Rahmen bricht, passiert nach seinen Erfahrungen sehr selten. „Um solche Vorfälle zu vermeiden, braucht man seinem Rad nur genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Dann lernt man, normale Fahrgeräusche von sich einschleichenden Defekten zu unterscheiden."

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