Zeitung Heute : Ohne Pose

MARKO MARTIN

Tränen, Lachsalven: die Hommage an Jurek Becker in der AdK Was kann man sich mehr wünschen: eine Gedenkveranstaltung, die den, dessen sie gedenkt, nicht unter offiziösen Reden begräbt.Das Kunstück gelang, Jurek Becker wurde wiedererkennbar in der Hommage, die die Akademie der Künste ihrem verstorbenen Mitglied erwies."Er glänzte vor allem durch kommunikative Abwesenheit", hieß es in der Begrüßung; natürlich hatte Becker zeitlebens Besseres zu tun, als in Gremien zu hocken.Frank Beyer zeigte Auschnitte aus seinen Becker-Adaptionen "Wenn alle Deutschen schlafen" und "Jakob, der Lügner".Irene Dische, Christa Wolf, Günter Grass und Lena Stolze lasen Auszüge aus dem Werk.Sie trafen das Wesentliche, jene Mischung aus Entsetzen und lebensweisem Humor, die "Bronsteins Kinder" oder "Amanda Herzlos" auszeichnet.Zu Lachsalven brachte Manfred Krug das Publikum, als er einige Postkarten vorlas, die ihm sein Freund geschrieben hatte.Von einem Aufenthalt in Santa Barbara: "Wir wohnen hier in einem schönen Hotel.Hätte Brecht in dem gleichen Haus logiert, wäre es ihm gut gegangen.Aber er war sich ja zu schade zum Serien-Schreiben." Ein paar Minuten später läßt Krug seinen Tränen freien Lauf, liest heulend die letzte Karte von 1997.Betroffenheit, der sich keiner entziehen kann.Keine gestelzte Pose weit und breit. MARKO MARTIN

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