Zeitung Heute : Online made in USA

HANS-PETER STRICKER

CompuServe tut sich schwer auf dem deutschen MarktVON HANS-PETER STRICKER

Sie sind fast gleich alt, haben ein ähnliches Angebot, kosten etwa gleich viel - und sind doch grundverschieden: T-Online und CompuServe, die beiden größten Online-Dienste in Deutschland.Der wohl gravierendste Unterschied ist, daß CompuServe ein amerikanischer Online-Dienst ist.Daher sind für den deutschen Benutzer Angaben wie "vier Millionen Mitglieder", "tausende von Gesprächsforen", "Zugang zu 3500 Datenbanken" mit Vorsicht zu genießen: die allermeisten sind englischsprachig.So müssen sich beispielsweise die knapp 300.000 deutschen CompuServe-Mitglieder mit gerade einmal 70 deutschen Diskussionsgruppen begnügen.Und außer einigen Zeitungsarchiven gibt es genaugenommen gar keine deutschen Datenbanken.Doch für wen Englisch keine unüberwindliche Hürde darstellt, lohnt sich ein Blick auf das CompuServe-Angebot allemal. Als Zugangssoftware und Benutzeroberfläche dient der CompuServe Informationsmanager (CIM), obgleich CompuServe auch Alternativen anbietet.Etwa den CompuServe Navigator, der für Benutzer gedacht ist, die vor allem von Gesprächsforen und der elektrischen Post Gebrauch machen.Wie bei T-Online kann man sich einem bestimmten Angebot, etwa einer Datenbank oder einem Forum, durch gegliederte Themenseiten annähern, Mausklick für Mausklick.Und hier wie dort gibt es natürlich den direkten Sprung, das CompuServe-typische Go.Mit GO STARDIVISION zum Beispiel gelangt man auf die Seite der Hamburger Software-Schmiede Stardivision. Neben einem einzigartig reichen Angebot an Software kann sich CompuServe einer hohen Kultur des Nachrichten- und Informationsdienstes rühmen.Beispiel: der Executive News Service (GO ENS).Dieser professionell nutzbare Nachrichtendienst sammelt Ausschnitte aus verschiedensten Nachrichtenquellen.Mehr noch: ENS kann mit selbständiger Suche beauftragt werden und legt rund um die Uhr gefundene Meldungen in einem persönlichen Ordner ab. Das deutschsprachige Informationssangebot kann mit dem von T-Online nicht mithalten: die Genios-Datenbanken etwa, mittlerweile sogar über das World Wide Web erreichbar, sucht man bei CompuServe vergebens.Dafür steht mit Bertelsmanns "Discovery" (GO BEPLEXIKON) ein ausgewachsenes Lexikon zur Verfügung - umsonst.Und immerhin: der Spiegel, die Süddeutsche und die Neue Zürcher Zeitung sind über CompuServe erreichbar. Wenn noch etwas, so wahren die hochprofessionellen amerikanischen Informationsdienste einen Schein von Exklusivität, etwa die riesigen Volltext-Datenbanken des Knowledge Index (GO KI) oder von Iquest (GO IQUEST).Allerdings werden diese Dienste wegen der hohen Gebühren eher selten genutzt. Wie bei T-Online sind die meisten der sogenannten Mitglieder- und Basisdienste bei CompuServe allerdings kostenfrei - von Verbindungs- und Telefongebühren abgesehen.Auf eventuell anfallende Zusatzgebühren wird man hingewiesen.Am Ende rechnet CompuServe immer noch in amerikanischer Währung ab (zum Tageskurs): monatlich eine Grundgebühr von zehn US-Dollar (etwa 15 DM) inklusive fünf Freistunden, jede weitere CompuServe-Stunde für drei Dollar (knapp 5 DM).Der erste Monat ist kostenfrei - zehn Freistunden eingeschlossen.Besondere Gebühren für den Internet-Zugang - den CompuServe ebenso wie T-Online bereitstellt, werden nicht erhoben.
29.01.97

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar