Zeitung Heute : Online-Medien: Entwöhnung für den User

18.07.2001 00:00 UhrVon Sophia-Caroline Kosel

Die neuesten Nachrichten gibt es fast zum Nulltarif: Die meisten deutschen Zeitungen und Nachrichtenmagazine sind im Internet vertreten. Der surfende Leser zahlt nichts außer den Gebühren für die Internet-Verbindung. Um ihren Webauftritt zu finanzieren, müssen die Verlage andere Einnahmequellen anzapfen. Doch damit haben sie wenig Erfolg: Ein halbes Jahrzehnt nach dem Start der meisten Online-Auftritte schreibt nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) kaum jemand schwarze Zahlen. Viele Verlage überlegen nun, womit sie die Zahlungsbereitschaft der Internet-Surfer wecken können.

"Intellektuelle Leistungen dürfen generell nicht verschenkt werden", glaubt der Aufsichtsratsvorsitzende der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), Hans-Wolfgang Pfeifer.

Seiner Ansicht nach sollten Internet-Angebote der Tageszeitungen nicht länger kostenlos angeboten werden; vor allem aus ökonomischen Gründen: "Die Anlaufinvestitionen sind zu hoch gewesen, und die Erlöse sind dramatisch zu niedrig." Doch auch der Online-Auftritt der FAZ, die im Januar ins Netz ging, bleibt in absehbarer Zukunft frei zugänglich. Dies bekräftigte jüngst faz.net-Redaktionsleiter Frank Gaube.

Eine neue Finanzierungsform des Online-Angebotes hat die Koblenzer "Rhein-Zeitung" gefunden. Seit Mai stellt sie ihre ganze Ausgabe als "e-paper" ins Netz. Noch können nur die Abonnenten der Zeitung kostenlos darin surfen. Doch sobald die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) festlegt, dass ein Abonnement der elektronischen Zeitung der gedruckten Auflage zugerechnet werden kann, wird es möglich sein, das "e-paper" zu abonnieren.

Viele Verlage hätten Interesse an diesem Konzept, berichtet IVW-Geschäftsführer Michael Schallmeyer. Unter anderem denken "Welt" und "Focus" über ein kostenpflichtiges "e-paper" nach. Nach Angaben des BDZV ist das Online-Angebot der "Rhein- Zeitung" bislang weltweit einzigartig. Nur die "New York Times" habe ein ähnliches Projekt angekündigt, heißt es. Und fast 1:1 finden die Abonnenten der "Financial Times Deutschland" ihre Zeitung im Netz. Nur die Fotos fehlen.

Bereits seit sechs Jahren hat der Internet-Auftritt des "Handelsblatt" einen Bereich, in dem der Surfer zahlen muss. Pro Monat kostet ihn der Zugang zu "Handelsblatt.topix" 26 Mark - es sei denn, er hat die gedruckte Ausgabe der Wirtschaftszeitung abonniert. "Wir denken darüber nach, wie man noch mehr kostenpflichtige Angebote kreieren kann", sagt Stephan Lutz, Sprecher der Economy.One AG, die für die elektronische Version des "Handelsblatts" zuständig ist. Gesucht seien Angebote, die es in ihrer Form bisher noch nicht gebe und die einen zusätzlichen Nutzen bieten; also über den Inhalt der Papier-Zeitung hinausgehen. Noch versuchen die Verlage, ihre Online-Ausgaben mit Werbung, Sponsoring, Contentbrokerage - dem Verkauf von Inhalten - und E- Commerce zu finanzieren. Beim "Handelsblatt" etwa kommen 70 Prozent der Einnahmen von der Werbung und 30 Prozent vom Inhalte-Verkauf. "Werbung ist bei uns der ganz große Brocken und das wird langfristig auch so bleiben - trotz der derzeitigen großen Flaute im Werbemarkt", sagt die Sprecherin der Spiegel.net AG Anja zum Hingst. Allerdings überlegt auch der "Spiegel", welche weiteren Erlös-Quellen es im Internet geben könnte.

"Es gibt ungezählte geldwerte Lösungen, die geradezu darauf warten, für das Internet erschlossen zu werden", sagt die Spiegel.net-Sprecherin. Allerdings verhindert eine große Barriere deren Umsetzung: "Viele User sind an kostenlose Inhalte gewöhnt - langfristig wird sich das wohl ändern", meint der Chefredakteur der "Welt", Wolfram Weimer.

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