Online-Überwachung : Innenministerium dementiert Hackerangriff auf Bundestrojaner

10.10.2011 00:06 UhrVon Anna Sauerbrey, Robert Birnbaum
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Der Staat surft mit: Online-Durchsuchungen. - Foto: dpa

Der Chaos Computer Club beschuldigt Behörden, illegal Spionagesoftware einzusetzen und die Verfassung zu brechen. Innenpolitiker sprechen von einem gravierenden Vorgang.

Dem Chaos Computer Club (CCC) ist es nach eigenen Angaben gelungen, eine staatliche Software zur Online-Durchsuchung zu entschlüsseln. Das Bundesverfassungsgericht hatte dem Einsatz der Technik 2008 enge Grenzen gesetzt. Nach Ansicht der Hackerorganisation verstoßen die Programme, die ihr auf mehreren Festplatten zugespielt worden seien, gegen die Vorgaben des Gerichts.

„Die Ermittlungsbehörden sind offenbar nicht in der Lage, sicherzustellen, dass die Grenzen des Erlaubten eingehalten werden“, sagte Frank Rieger, einer der Sprecher des Clubs, dem Tagesspiegel.

„Das stellt grundsätzlich in Frage, wie vertrauenswürdig der Umgang der Ermittler mit dieser Technik ist.“ Das Bundesinnenministerium dementierte am Sonntag, dass es sich bei der Software um den sogenannten Bundestrojaner handelt, also die vom Bundeskriminalamt (BKA) eingesetzte Version des Instruments. Neben dem BKA setzen sowohl der Zoll als auch mehrere Länder Spionagesoftware ein.

Der CCC kritisiert vor allem, dass die Software verschiedene Anschlussstellen enthält, die eine Rundum-Überwachung des Computers und der Wohnräume zulassen würden. Daran angedockte Erweiterungen könnten unter anderem die Mikrofone und die Kamera des Computers ansteuern und das Gerät so in eine Wanze verwandeln, schreibt der CCC in seiner am Sonntag veröffentlichten Analyse. Auch sei die Software in der Lage, regelmäßig Abbilder des Bildschirms zu produzieren, sogenannte Screenshots, und so ein detailliertes Bild aller Aktivitäten des Nutzers an einem Rechner zu zeichnen.

Die Software ermögliche es außerdem, Dateien auf den Rechner der Betroffenen einzuschleusen. Dafür, dass diese Möglichkeiten tatsächlich genutzt wurden, habe man zwar Hinweise, aber keine handfesten Belege, sagte Frank Rieger. Der Club kritisierte weiter, dass die Software schlecht gesichert sei. Einmal aufgespielt, biete sie auch anderen Hackern ein Einfallstor für Manipulationen.

Lesen Sie auf Seite 2, wie Innen- und Rechtspolitiker auf die Vorwürfe reagieren.

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