Zeitung Heute : Opec bleibt stur – und das Öl teuer

Gipfel in Saudi-Arabien kann sich nicht auf eine Erhöhung der Fördermenge einigen

Dschidda - Der Krisengipfel der großen Akteure auf dem Ölmarkt in Saudi-Arabien ist weitgehend gescheitert. Die Förderländer verweigerten zusätzliche Produktionsmengen über das bereits Bekannte hinaus und machten Spekulanten und Marktversagen für den hohen Ölpreis verantwortlich.

König Abdullah von Saudi-Arabien wiederholte in Dschidda schon häufiger gemachte Ankündigungen, im Juli die Ölproduktion um 200 000 auf 9,7 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag zu erhöhen. Zu mehr sei Riad bereit, wenn steigende Nachfrage dies erfordere, sagte der Monarch vor Vertretern von 36 Staaten in der Hafenstadt Dschidda. Auch Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate zeigten nur grundsätzliche Bereichschaft.

Der Ölpreis war Mitte Juni auf fast 140 Dollar hochgeschossen und hält sich seither über 130 Dollar je Barrel. Noch vor zehn Jahren lag er unter zehn Dollar pro Barrel und hatte zu Jahresbeginn erstmals die Marke von 100 Dollar durchbrochen. In der Folge war der Spritpreis an den deutschen Tankstellen auf weit über 1,50 Euro pro Liter gestiegen. Inzwischen haben erste Airlines Teile ihrer Flotte stillgelegt.

Saudi-Arabien, das Land mit den größten Reserven und der stärksten Produktion, hatte zu dem Krisengipfel eingeladen und damit Erwartungen an höhere Liefermengen geweckt. Doch wurden zuletzt Zweifel laut, dass Saudi-Arabien überhaupt über Kapazitäten verfügt, den Markt kurzfristig zu bewegen. Zuverlässige Daten über Saudi-Arabiens Reserven und Kapazitäten gibt es nicht.

Anderen Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) wie Algerien und Venezuela gehen die saudischen Angebote bereits zu weit. „Wir glauben, dass der Markt im Gleichgewicht ist. Es ist kein Problem des Angebots“ von Öl, sagte Opec-Chef Tschakib Chelil. Ein Sondertreffen der Opec vor dem nächsten regulären Treffen am 9. September lehnte der Algerier ab.

Angesichts der anhaltend hohen Öl- und Energiepreise will die SPD „Normalverdienern“ helfen, ihre Energierechnungen bezahlen zu können. Das Parteipräsidium werde an diesem Montag dazu eine „Arbeitsgruppe Energiemärkte“ einsetzen. Den Vorsitz wird der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck übernehmen, das hatte er schon vor einer Woche angekündigt. Struck sagte der „Bild am Sonntag“, die Arbeitsgruppe solle prüfen, „ob niedrigere Grundtarife für den Basisenergiebedarf von Normalhaushalten möglich sind“. Tsp/HB

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