Zeitung Heute : Opel Open 2001: Speedster und Astra Cabrio

Ingo von Dahlern

Agila, Corsa und Coupé Turbo hießen die wichtigsten Opel-Neuheiten im soeben abgelaufenen Jahr. Dahinter stecken der erste Microvan eines europäischen Herstellers, die nunmehr dritte Generation des kompakten Bestsellers, der in erster und zweiter Generation rund 9,4 Millionen Mal vom Band gerollt ist und die Top-Version des Coupés, die mit 140 kW (190 PS) aus 2,0 Liter Hubraum mit bis zu 245 km/h Fahrleistungen eines flotten Sportlers bietet. So, wie das letzte Jahr aufgehört hat, fängt bei Opel das neue an - mit einer Fortsetzung der im vergangenen Jahr begonnenen Produkt-Offensive, die uns noch im Frühjahr zwei neue Open-Air-Modelle beschert: das neue Astra Cabrio und den schon länger angekündigten und nun endlich zu den Händlern kommenden rassigen Sportler Opel Speedster, die dort beide am 8. März eintreffen werden - letzterer allerdings nicht bei allen, sondern nur einer begrenzten Auswahl.

Doch damit nicht genug. Denn ebenfalls im neuen Jahr fortgesetzt wird die bereits in vergangenen Jahr eingeleitete größte Motoren-Offensive, die Rüsselsheim in seiner gesamten Unternehmensgeschichte je gestartet hat. Denn fast das gesamte Motorenangebot präsentiert sich sparsamer und sauberer und mit mehr Leistung und Drehmoment, wobei neben sorgfältig überarbeiteten Motoren auch einige wegweisende Neukonstruktionen stehen. Das gilt gleichermaßen für Otto- und Dieselmotoren, wobei Opel sich gerade bei letzteren inzwischen ein hohes Maß an Kompetenz erarbeiten konnte.

Mit elektrisch betätigtem Verdeck

Doch bevor wir uns etwas genauer mit den Opel-Motoren auseinander setzen, soll der erste Blick dem neuen Cabrio gelten, auch wenn diese Jahreszeit alles andere als eine Cabrio-Saison ist. Doch wer im nächsten Frühjahr oder Sommer mir dem neuen Astra Cabrio offen fahren möchte, muss schon in den nächsten Wochen eine Kaufentscheidung treffen, damit er sein Auto auch rechtzeitig in die Hand bekommt. Da ist es hilfreich, wenn man sich schon jetzt ein möglichst genaues Bild des neuen offenen Opel machen kann, für den bislang allerdings noch kein Preis feststeht. Wahrscheinlich werden die Cabrio-Preise um 42 000 DM beginnen. Dafür allerdings bekommt man eine ganze Menge mehr, als bei den Vorgängern. So gehört zur Serienausstattung aller Cabrio-Versionen zum Beispiel das elektrisch betätigte Dach, das sich auf Knopfdruck binnen einer halben Minute öffnet oder schließt. Und besonders komfortabel geschieht das bei den Versionen, bei denen das Verdeck per Fernbedienung aktiviert werden kann.

Wie bisher schon, so setzt Opel auch beim neuen Cabrio auf eine viersitzige Karosserie ohne Überrollbügel. Die bietet bei einer Länge von knapp 4,27 Meter nicht nur den Passagieren viel Platz, sondern hat auch noch einen Gepäckraum von 330 Liter. Und das, obwohl das Verdeck des neuen Cabrios voll versenkbar ist, also ohne Verdeckwulst und Persenning komplett unter einer metallenen Abdeckung in einem Verdeckkasten verschwindet. So überzeugt das offene Cabrio durch eine klare Linie mit keilförmig ansteigendem Heck. Eine nicht minder gute Figur macht das Auto aber auch in geschlossenem Zustand. Für ordentliche Sicht nach hinten sorgt dann eine gläserne und beheizbare Heckscheibe. Eine besonders pfiffige Lösung ließen sich die Cabrio-Entwickler übrigens beim Windschott einfallen. Denn das lässt sich auf Führungsschienen unter die Verdeckwanne schieben und verstauen. So ist es zwar immer an Bord, stört aber nicht, wenn es nicht benötigt wird.

Drei moderne Benziner zur Wahl

Unter der Motorhaube des neuen offenen Opel stehen drei Aggregate zur Wahl. Alle drei sind Ecotec-Vierzylinder mit Vierventiltechnik. Basismotorisierung ist der 1,6-Liter mit einer Leistung von 74 kW (100 PS). Ein Viertel mehr Leistung bietet der 1,8-Liter mit 92 kW (125 PS). Und als Spitzenmotorisierung präsentiert sich der moderne 2,2-Liter-Aluminiummotor mit zwei Ausgleichswellen und einer Leistung von 108 kW (147 PS), der allerdings nicht nur Coupé und Cabrio vorbehalten bleibt, sondern auch den Speedster und künftig auch Astra, Zafira und Vectra antreiben wird, wo er den bislang angebotenen 2,0-Liter 16V mit 110 kW (136 PS) ablöst. Von seinem höchsten Drehmoment von 203 Nm stehen 90 Prozent bereits ab 1900/min zur Verfügung. Das macht dieses moderne Aggregat nicht nur besonders anzugsstark, sondern auch sehr elastisch. Und mit 8,4 l/100 km ist die Maschine, die die strenge Abgasnorn EU 4 erfüllt, auch erfreulich sparsam und hilft in Deutschland außerdem, 600 DM Steuern zu sparen.

Mehr als 200 km/h schnell ist das neue Cabrio mit seiner Spitzenmotorisierung, der sich das bereits beim Astra bewährte DSA-Fahrwerk voll gewachsen erweist. Zur Serienausstattung gehört bei allen neuen Cabrios ein ABS und - ausgenommen die Basismotorisierung - auch die Traktionskontrolle "TC Plus" und die Fahrdynamikregelung ESP (Elektronisches Stabilitäts-Programm). Wichtige Elemente der passiven Sicherheit sind neben Front- und Seitenairbags, Gurtstraffern vorn und Dreipunktgurten an allen Sitzen die aktiven Kopfstützen an den Vordersitzen. Besonderen Schutz im Falle eines Überschlags bieten durch Stahlrohre besonders verstärkte A-Säulen sowie die aus umschäumtem Stahlrohr bestehenden hinteren Kopfstützenrahmen.

Wie schon bisher, so trägt das neue Cabrio neben dem Blitz als Markenzeichen auch Logo und Schriftzug von Bertone. Denn dieser schon lange erfolgreich mit Rüsselsheim zusammenarbeitende Design- und Karosseriespezialist hat nicht nur maßgeblich zur Entwicklung des neuen Cabrios beigetragen, sondern ist auch für dessen Produktion verantwortlich. Denn vom Band rollt der neue offene Opel im Bertone-Werk in Grugliasco in der Nähe Turins, wo auch schon das Opel Coupé entsteht.

Am entgegengesetzten Ende Europas entsteht der zweite offene Opel, der dieses Jahr nach langer Wartezeit endlich bei den Händlern eintrifft - der zweisitzige Roadster Speedster, mit dem Opel nach Auslaufen des GT im Jahr 1973 erstmals wieder einen richtigen Sportler anbietet. Denn der Speedster wird in England gebaut, in Hethel rund 150 Kilometer nordöstlich von London. Sein Chassis entstand in enger Zusammenarbeit mit dem britischen Entwicklungsspezialisten Lotus, der zur Realisierung des flotten Opels auf den Lotus Elise mit seinem extrem leichten Chassis aus genietetem, verschraubtem und geklebtem Aluminium zurückgriff. So wiegt der Leichtbau-Zweisitzer mit seiner Kunststoff-Karosserie gerade einmal 870 Kilo. Das erlaubt es dem als Speedster-Antrieb eingesetzten 2,2-l-Aluminiummotor mit seinen 108 kW (147 PS), den Speedster binnen 5,9 Sekunden auf Tempo 100 und maximal auf Tempo 220 zu beschleunigen.

Dank Mittelmotor, tiefem Schwerpunkt und breitem Fahrwerk mit doppelten Dreieckslenkern rundum bringt der Speedster alles mit, was man von einer rassigen Fahrmaschine erwartet. Fehlen tut ihm allerdings der von normalen Personenwagen gewohnte Komfort, denn der Speedster ist vergleichsweise spartanisch ausgestattet, verzichtet selbst auf eine Servolenkung und ist zudem im Innenraum recht knapp geschnitten. Trotzdem kann man in einem 206 Liter großen Gepäckraum problemlos das Wochenendgepäck für zwei Passagiere mitnehmen. Mit 59 900 DM steht der Preis für den Speedster schon seit längerem fest. Vertrieben wird er europaweit von rund 800 Opel-Händlern.

Mehr Kraft für die Opel-Motoren

Von Speedster und Astra Cabrio zurück zu den Opel-Motoren. Zu den überarbeiteteten Benzinern gehört unter anderem der 1,6-Liter des Astra, der nun von Zentral- auf Mehrpunkt-Einspritzung umgestellt wurde und mit einem neuen Ansaug- und Abgassystem statt bislang 55 kW (75 PS) nun 62 kW (85 PS) leistet - bei gleichzeitig um 0,2 l auf 7,0 l/100 km gesenktem Verbrauch. Aufmerksamkeit neben dem bereits erwähnten 2,2-Liter-Aluminiummotor verdient der gründlich überarbeitetete 2,6-l-V6-Motor, der nun 125 kW (170 PS) leistet und mit einem Drehmoment von 250 Nm bei 3400/min neues Spitzentriebwerk im Vectra ist. In einer 132 kW (180 PS) leistenden Variante kommt er auch im Omega zum Einsatz. Der erhält im Frühjahr als neue Spitzenmotorisierung einen 3,2-l-V6 mit 160 kW (218 PS) und maximal 290 Nm. Der bleibt, kombiniert mit einer Automatik, das Omega-Spitzentriebwerk, denn der für den Herbst für den Omega vorgesehene V8 aus dem Chevrolet Corvette wird nicht realisiert.

Wegweisend bei den Dieseln ist neben dem 1,7-l-DTI-Direkteinspritzer, der mit seinen 55 kW (75 PS) den Astra Eco 4 zum ersten Vierliter-Auto in der kompakten Mittelklasse macht, der neue 2,2-Liter-Direkteinspritzer mit einem Lader mit variabler Turbinengeometrie und Ladeluftkühler, der im Vectra 92 kW (125 PS) leistet und mit 88 kW (120 PS) auch im Omega eingesetzt wird. Mit seinen zwei Ausgleichswellen, seinen hohen Fahrleistungen und seiner hohen Laufkultur setzt er bei Opel neue Maßstäbe für flotte Diesel-Personenwagen.

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