Zeitung Heute : Operetten-GAU

bru

Das Metropol-Theater und das "Land des Lächelns"Gerade erreichte uns noch ein freudliches Fax vom Metropol-Theater, welches mitteilt, daß ein für Sonntag 11 Uhr geplantes Benefizkonzert zugunsten der "Aktion Knochenmarkspende Brandenburg-Berlin e.V." leider "aus betriebstechnischen Gründen" auf den Beginn der nächsten Spielzeit verschoben werden muß, daß man aber am Abend zum 50.Mal die "beliebte Produktion" von "Das Land des Lächelns" zeigen werde.Hauptrolle: René Kollo.Auslastung in letzter Zeit: um die 50 Prozent.Mal sehen, ob Kollo dann noch dem Stück-Motto "Immer nur lächeln, immer vergnügt" gerecht werden wird, denn ein anderes - "Wie es drinnen aussieht, geht niemand was an" - hat er schon länger nicht mehr berücksichtigt.Jetzt hat René Kollo seine Gesellschafteranteile wieder dem Senat angeboten, was das Theater dem Konkurs ein Stück näher entgegentreibt.Die eigenen Mitarbeiter wußten nichts davon, ahnten es höchstens. Eigentlich kommt das kaum überraschend, denn am Metropol-Theater ist die Operettenwelt schon lange nicht mehr himmelblau.Hier hängen keine Geigen, sondern Tretminen liegen herum.Das freilich ist nicht nur das zweifelhafte Verdienst des Noch-Intendanten Kollo.Dessen Inkompetenz, Hochmut und mangelnde Fähigkeit, einen Betrieb zu führen oder ihn wenigstens führen zu lassen, ist eine Ursache, die den Operetten-GAU früher auslöste, als man gedacht hätte.Im Zwielicht steht jedoch einmal mehr eine Kulturpolitik, die einen Kollo erst ermöglicht und ihn als Heilsbringer inthronisiert hat - nur weil er den Namen Kollo trägt.Wenn dann auch noch gleich die Gattin des Intendanten der Deutschen Oper - an der Kollo auf Wagner-Tenor abonniert ist - in der ersten Premiere zu ihrer üblichen Abendgage als Lustige Witwe auftritt, eine Rolle, mit der man sie nicht unbedingt identifizieren würde, dann scheint das wieder ganz dem offenbar unausrottbaren Altberliner Filz geschuldet zu sein. An ein so verunsichertes, gefährdetes und problembehaftetes Haus statt eines gewieften Verwaltungsfuchses mit Liebe zum Genre ausgerechnet einen Sänger zu setzen, der glaubt, in Striese-Manier hier alte Intendantenherrlichkeit praktizieren zu können, das mutet schon seltsam betriebsblind an.Die Leidtragenden sind nicht die Politiker, die von allem nichts geahnt und nichts vorausgesehen haben, sondern die Metropol-Angestellten, die das langsame Abschmieren ihres Hauses beobachten müssen. Natürlich hat man beim Kultursenator auf Anfrage Visionen: kein Repertoire-Plan mehr, wie Kollo stets behauptet hat, ihn spielen zu müssen, sondern kostengüstigeren En-Bloc-Betrieb; eine sozial verträgliche Gesundschrumpfung der Belegschaft auf etwa zwei Drittel des jetzigen Standes.Aber tun kann man nichts.Denn noch hat Kollo das Sagen.Und ruiniert stetig den Ruf des Hauses.Doch daran sind auch andere schuld.Siehe oben.Ein Teufelskreis.Und das in der Operette.bru

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar