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Studierende haben einen Pavillon für das TIB-Gelände entworfen – jetzt wollen sie ihn auch bauen

Sybille Nitsche
Der erste Schritt ist geschafft. Die Studierenden präsentieren ein Modell des Kommunikations-Pavillons. Am Original bauen sie derzeit. Foto: TU Presse/Dahl
Der erste Schritt ist geschafft. Die Studierenden präsentieren ein Modell des Kommunikations-Pavillons. Am Original bauen sie...

Seit Anfang September sind Studierende auf dem Gelände des Technologie- und Innovationsparks Berlin (TIB) im Stadtteil Wedding dabei, einen Pavillon zu planen. Nicht irgendeinen, sondern ihren Pavillon: Eine zehnköpfige Gruppe von Studierenden der Architektur und des Bauingenieurwesens hat im Rahmen eines Seminars den Pavillon entworfen, gezeichnet und berechnet.

„Von Anfang an waren wir uns einig, dass wir es nicht bei einem Plan belassen würden, sondern dass wir ihn auch selbst bauen wollen“, erzählt Steffen Wallner (25), Masterstudent des Bauingenieurwesens. Von daher war die wichtigste Prämisse: Die Visionen mussten praktisch umsetzbar sein. „Wir mussten immer eine Balance finden zwischen unseren abgefahrenen Ideen und deren Machbarkeit“, ergänzt Stella Goldmann (22), die ebenfalls Bauingenieurwesen studiert und zum festen Kern der Gruppe gehört.

Die eigenen Ideen zu realisieren, bedeutete dann auch, sich mit baurechtlichen Fragen, der Materialbeschaffung und der Finanzierung zu befassen. Neben dem Großteil des Materials, das die Bayer AG sponsert, sind so 5500 Euro zusammengekommen. Geleitet wurde das Seminar von Volker Schmid, Professor für „Entwerfen und Konstruieren – Verbundstrukturen“ und Rainer Hascher, Professor für „Konstruktives Entwerfen und klimagerechtes Bauen“.

Der Pavillon ist als Treffpunkt für Studierende, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den anliegenden Büros auf dem ehemaligen AEG-Gelände an der Gustav-Meyer-Allee gedacht. „Es gibt auf dem Gelände keinen Ort, sich außerhalb der Büros zu treffen“, erzählt die 22-Jährige.

Charakteristisch für den 35 Quadratmeter großen Pavillon ist, dass er funktionell und zugleich wandelbar ist. Er kann nach allen Seiten hin geöffnet werden und ist somit von allen Seiten begehbar. Er lässt sich leicht demontieren und kann nahezu überall aufgestellt werden, da er kein Fundament hat. Sind alle Türen und beweglichen Wände geschlossen, kommt er als schnörkellose Box ganz in Weiß daher. Ist er geöffnet, erscheint er in Grün und signalisiert, dass er besucht werden kann.

Das Tragwerk besteht aus Holzbalken, die mit Purenitplatten, einem aus Holz und Kunststoff recycelten Material, beplankt werden. Beides wird mit einem wasserabweisenden Anstrich versehen, der es ermöglicht, auf ästhetisch wenig ansprechende Elemente wie Dachrinnen zu verzichten. „Ihre Ästhetik gewinnt die Box aber nicht nur aus ihrem makellosen Weiß, sondern auch durch die technischen Elemente, die nicht versteckt werden, sondern sichtbar sind wie die eigens von uns entwickelten Scharniere, um die Türen um 270 Grad drehen zu können“, erläutert Goldmann.

„Wir haben viel gelernt in diesem Projekt. Nicht nur, weil wir durchgespielt haben, was im Berufsalltag auf uns zukommen wird“, sagt Wallner. Wichtig sei vor allem die Zusammenarbeit mit den anderen Studenten gewesen. Als Bauingenieure waren sie über das durchaus technische Verständnis der Architekturstudierenden erstaunt, erzählt er, und diese wiederum darüber, dass Bauingenieure mehr können und wollen, als lediglich die Ideen der Architekten durchzurechnen. „Da wurden viele Denkblockaden gelöst – auf beiden Seiten.“ Sybille Nitsche

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