Zeitung Heute : Outlet Center: Holländisches Viertel im märkischen Sand

Harald Olkus

Eigentlich sollte das Designer Outlet Center des britischen Unternehmens BAA McArthurGlen in Eichstädt in Kürze eröffnet werden. Vor einem Jahr war das Unternehmen noch zuversichtlich, den geplanten Eröffnungstermin im Frühjahr 2001 halten zu können, "selbst wenn uns noch Steine in den Weg gelegt werden sollten", sagte der Vorstandsvorsitzende J.W. Kaempfer damals. In einer Firmenbroschüre vom März vergangenen Jahres kündete das britisch-amerikanische Konsortium bereits den Beginn der Vermietung an. Doch von den 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche des ersten Bauabschnitts auf der Wiese am Berliner Ring ist noch nichts zu sehen.

Die vom Architektenbüro Nowotny Mähner & Assoziierte geplante Fassadengestaltung in der "charakteristischen Formen- und Farbsprache der märkischen Architektur", roter Backstein und Giebel wie im Holländischen Viertel in Potsdam, kann jedoch nur im Internet betrachtet werden. Auf der Website des Unternehmens macht sich die Anlage wie eine Westernstadt aus. In ein- bis eineinhalbgeschossigen Gebäuden sind bis zu 20 000 Quadratmeter Shopflächen für Designermode geplant.

Mittlerweile traut man sich aber bei McArthurGlenn nicht einmal mehr, einen Termin für den Baustart festzulegen, sagt der mit der Pressearbeit beauftragte Michael Duisberg. Die Baugenehmigung liegt bereits seit Winter 1999 vor. Und auch den im vergangenen Sommer vom Land Berlin eingelegten Eilantrag auf vorläufigen Baustopp hat das Verwaltungsgericht Potsdam bereits abgelehnt. Doch die Beschwerde des Senats gegen das Urteil beim Oberverwaltungsgericht in Frankfurt / Oder ist immer noch nicht verhandelt. "Der Investor hält zwar an seinen Plänen fest, kann derzeit aber nichts tun", sagt Duisberg.

McArthurGlen hat in Deutschland noch zwei weitere Outlet Center in Planung, doch auch dort ist der Wurm drin. In Soltau verzögere die niedersächsische Landesregierung das Projekt und in Baden-Baden tobe um das Gewerbegebiet, in dem das Schnäppchen-Center gebaut werden soll, ausgerechnet ein Finanzskandal. "Während die Genehmigungsverfahren an den deutschen Standorten bereits mehr als fünf Jahre dauern, haben wir in Holland und Italien längst eröffnet", sagt Duisberg. Im piemontesischen Serravalle und in Roermond an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen habe es von den ersten Gesprächen bis zur Eröffnung kaum zwei Jahre gedauert. In keinem anderen Land Europas würden den Outlet Centern so große Hindernisse in den Weg gelegt, wie in Deutschland, klagt Duisberg. "Die Lobby des traditionellen Einzelhandels ist einfach zu stark." Dabei hätten die bereits bestehenden Outlet Center in Großbritannien, Frankreich, Holland, Österreich und Italien keinen spürbaren Einfluss auf den Einzelhandel. Ihr Marktanteil von ein bis zwei Prozent werde mittlerweile sogar vom Internet-Shopping übertroffen.

Beim ebenfalls lange umstrittenen Konkurrenzunternehmen in Wustermark an der westlichen Stadtgrenze von Berlin ist man dagegen recht zufrieden. Das im Mai vergangenen Jahres eröffnete Factory Outlet Center "B 5" hat nach Angaben von Marketingleiter Frank Liedtke die Umsatzerwartungen beim Fabrikverkauf von Markenware erfüllt. Zwar gebe es keine qualifizierten Vergleichsmöglichkeiten, weil es das erste in Deutschland eröffnete Outlet Center sei, doch würden in Wustermark höhere Umsätze erwirtschaftet, als im ebenfalls von Morrison Outlets betriebenen Center "Tilli Coultry" in Schottland. Und das, obwohl das Schnäppchen-Center an der B 5 auch nach einem dreiviertel Jahr noch nicht ausgelastet ist. Bislang seien 86 Prozent der Flächen vermietet. Die restlichen Läden stünden noch leer, weil man noch nicht die geeigneten Mieter gefunden habe. "Wir wollen die verbliebenen Vakanzen mit hochwertigen Marken besetzen", sagt Liedtke.

Laut Liedtke wird das "B 5" von 16 000 bis 18 000 Besuchern pro Woche angesteuert. Der Großteil kommt freitags und samstags aus Berlin. Zunehmend fänden aber auch Besucher aus anderen Bundesländern den Weg nach Wustermark. Ihr Anteil sei innerhalb der vergangenen vier Monate von acht auf 15 Prozent gestiegen. Liedtke führt das auf einen Fernsehbeitrag zurück, der das Outlet Center auch national bekannt gemacht habe. Insgesamt rechnet man bei Morrison Outlets mit 1,5 bis 2,5 Millionen Besuchern nach Abschluss des ersten Jahres. Der Betreiber hat bereits vier Markforschungsstudien durchführen lassen, um seine Besucher kennenzulernen. Die meisten Kunden fahren das "B 5" gezielt an, bislang gibt es nur wenig Zufallsbesucher. Rund 75 Prozent der Kunden sind zum ersten Mal dort und 40 Prozent aufgrund einer Empfehlung von Freunden, weiß Liedtke zu berichten. Zufrieden ist das Unternehmen auch mit den Pro-Kopf-Ausgaben, die sich auf mehrere hundert Mark belaufen.

Zur Konkurrenz in Eichstädt mag sich bei Morrison niemand äußern. Und mittlerweile steht ein dritter Konkurrent auf dem Plan. Die Berliner KapHag will ein Factory Outlet Center in Ludwigsfelde bauen. Die von der Autobahn durchschnittene Stadt soll ein innerstädtisches Zentrum erhalten mit 46 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Neben Einzelhandelsflächen sind 17 000 Quadratmeter Outlet Center und 12 000 Quadratmeter Freizeitnutzung geplant. Im Gegensatz zu den beiden anderen Standorten sei das Center in Ludwigsfelde aber mit der gemeinsamen Landesplanung von Berlin und Brandenburg abgestimmt, heißt es bei der KapHag. Klagen gegen das Projekt seien also nicht zu erwarten. Der Baubeginn ist für kommendes Jahr vorgesehen.

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