Zeitung Heute : O’zapft ist noch nicht

21.05.2012 00:00 Uhrvon
Stecken lassen? Die Versorgung von Elektroautos mit Strom ist für die Konzerne keine finanzielle Druckbetankung. Foto: dpa Foto: picture alliance / ZB
Stecken lassen? Die Versorgung von Elektroautos mit Strom ist für die Konzerne keine finanzielle Druckbetankung. Foto: dpa - Foto: picture alliance / ZB

Stromtankstellen an der Straße sind praktisch. Aber sind sie auch profitabel?

Angeschmiert steht sie da: Die Ladesäule für Elektroautos, die da am Innsbrucker Platz installiert wurde. Schon ist sie mit Graffitis in das Berliner Stadtbild „integriert“ worden. Die Einheimischen wundert’s nicht, und die Touristen denken sich wahrscheinlich: „Das ist Berlin.“

Dabei sollen die nahezu 200 Stromzapfsäulen in Berlin wie Signaltürme einer sauberen Umwelt in der Stadtlandschaft stehen. Da ist Vandalismus besonders ärgerlich. Auch weil Berlin nun ein „Schaufenster für Elektromobilität“ öffnen soll. Die Zahl der Stromtankstellen soll nach dem Willen der Bundesregierung wachsen. Doch wer hat etwas davon? Wie sehen die Energieversorger die Säulen?

„Unsere Stromladestationen sind gegen Beschädigungen bestmöglichst geschützt“, sagt Ingo Alphéus vom Versorger RWE.

Das Fundament der Säulen hat sich der Konzern sogar patentrechtlich schützen lassen, so unverrückbar fest steckt es im Berliner Boden. Das Ladekabel wird beim Stromtransfer verriegelt. Doch so weit muss man erst einmal kommen – denn oft werden die Säulen von Autos mit Verbrennungsmotor einfach zugeparkt. In Charlottenburg ist das eher die Regel als eine Ausnahme; Parkplätze gibt es dort noch weniger als Ladestationen.

Die Stromtanken an der Straße, mit viel Aufwand errichtet und verschraubt, dürften derzeit kaum Ertrag abwerfen. Selbst wenn unterstellt wird, dass die Ladesäulen 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr von tankenden Autos besetzt wären – der darüber verkaufte Strom wird kaum die Investitionen wieder einspielen. „Wirtschaftlich sind die Ladestationen für uns derzeit nicht“, erläutert Sandra Kühberger vom Stromversorger Vattenfall, der ebenfalls rund 50 Säulen in Berlin betreibt, den Ist-Zustand. Im Rahmen von Pilotprojekten werde das Nutzerverhalten der Testfahrer erforscht. Dabei gehe es aber auch um das Laden zu Hause. „Neben dem Service für unsere Kunden untersuchen wir die Möglichkeiten für die Steuerung der im Netz befindlichen Strommengen.“ Dabei könnten Elektroautos in der Zukunft zu kleinen Stromspeichern werden und so überschüssige Energie, die zum Beispiel nachts durch die Windkraft anfällt, zu speichern und bei Bedarf wieder in das Netz einzuspeisen.

Bei RWE probt man ebenfalls solche Modelle. Dort heißt das Forschungsprojekt „Smart Grid“. Unter dieser Bezeichnung wird erprobt und erforscht, wie sich Netze, Stromspitzen und Stromengpässe künftig sinnvoll steuern lassen. Der Elektromobilität könnte dabei eine wichtige Rolle zukommen, wenn die Batterien von Elektroautos an der Ladestation hängen und zentral angesteuert werden und damit als Speicher für Stromüberschüsse im Netz eingesetzt werden können. Der Essener Konzern verkauft auch an Hausbesitzer Ladestationen. Mit denen kann RWE wiederum die Netzauslastung optimieren. „Wir möchten unseren Kunden mit einem ganzheitlichen Ansatz Energiemanagement anbieten“, sagt Ingo Alphéus, der Vorsitzende von RWE-Effizienz. Das Tochterunternehmen kümmert sich feder- und stromführend um das Thema Elektromobilität.

Natürlich haben die Ladesäulen für Unternehmen auch eine Marketingfunktion. Den Umweltbonus, den das Thema Elektromobilität hat, nehmen die Stromkonzerne gerne mit. Doch noch ist unklar, ob es auch langfristig Geschäftsmodelle geben wird, die Bau und Betrieb von Stromladesäulen wirtschaftlich machen. Subventionsmodelle – wie etwa bei Mobilfunkbetreibern, die Handys vorfinanzieren – schließt Ingo Alphéus aus: „Schuster bleib bei deinen Leisten. Wir werden keine Elektroautos vertreiben“, sagt er. Da ist schon eher das Netzmanagement ein Modell, mit dem sich die Investitionen in einer fernen Zukunft rentabel gestalten lassen. Dies ist auch ohne die Elektromobilität eines der großen Themen in der Energiebranche. Markus Mechnich

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