Zeitung Heute : Paare auf dem Powerpfad Familie und Beruf vereinbaren

Adelheid Müller-Lissner

Eine familienbedingte Auszeit zu nehmen, ist leichter geworden. Im europäischen Vergleich ist es in Deutschland nicht wenig, was der Staat für Familien mit Kindern springen lässt. Doch was ist mit der Rückkehr in den Beruf?

Die Broschüre „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ( www.bertelsmann-stiftung.de/verlag ) zeigt mit Daten und Fakten so nüchtern wie niederschmetternd auf: „Die vor allem dank des Ehegattensplittings und des Kindergeldes insgesamt großzügige steuerliche Behandlung der Familien mit einem Verdiener . . . trägt nach wie vor dazu bei, die Erwerbstätigkeit der Frauen zu hemmen.“ Und der Betriebs- und Arbeitssoziologe Ulf Kadritzke von der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin weiß: „Es lässt sich zeigen, dass in allen Ländern, in denen die Frauenerwerbstätigkeit höher ist, auch die Kinderquote höher liegt.“ Wie kann man es schaffen, berufliche Betätigung, die Kadritzke als Menschenrecht gewertet sehen will, mit Kindererziehung zu vereinbaren?

„Wer Kinder in die Welt setzt, braucht heute eine hohe Flexibilität und gute Netzwerke“, sagt Unternehmensberaterin Nagler-Springmann. Management-Qualitäten seien auch privat gefordert. Und eine bessere Streitkultur. Bei Frankenberger nimmt der Terminkalender eine zentrale Position ein – pro Familienmitglied hat er eine Spalte.

Wer welchen Part der Kinderbetreuung übernimmt und wie beide beruflichen Karrieren auf die Familie abgestimmt werden, ist heute Gegenstand von partnerschaftlichen Verhandlungen. „Power-Paare müssen aber auch im Unternehmen Arbeitsbedingungen einfordern, die für Familie und Kinder Platz lassen“, sagt Soziologe Kadritzke. Sonst komme es immer wieder zur resignierten Entscheidung der jungen Mütter, beruflich zurückzustecken. Die Angelsachsen nennen es lakonisch „the girly option“.

Die Autorin hat zum Thema ein Buch veröffentlicht: Passen Kinder in mein Leben?, Ch. Links-Verlag 2002, 14 Euro 90.

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