Zeitung Heute : Pager sind weit besser als ihr Ruf

GERHARD TREY

Die Telekom-Tochter T-Mobil wird ihre Funkrufdienste Scall, Skyper und Cityruf weiter uneingeschränkt betreiben.Dies versicherte jetzt T-Mobil Geschäftsführer Reinhard Holekamp."Wir werden auch weiterhin unseren Kunden die Dienste und den Service im gewohnten Umfang und in gewohnter Qualität zur Verfügung stellen", sagte er in Bonn.Das Unternehmen trat damit Branchengerüchten entgegen, wonach es Überlegungen geben soll, sich zumindest zum Teil aus diesem Geschäftsfeld mit derzeit 1,3 Millionen Kunden zurückzuziehen.Die Nutzer der Funkrufdienste können mit Hilfe kleiner Empfänger, sogenannter Pager, kurze Textnachrichten empfangen, die der Absender per Telefon an einen Auftragsdienst diktiert oder selbst per Computer versandt hat.Da die Nutzung von Pagern in Deutschland weit hinter den Erwartungen der Anbieter zurückbleibt, hat der T-Mobil-Konkurrent Miniruf Anfang dieser Woche die Einstellung seines Funkrufdienstes Quix bekannt gegeben.Zuvor mußte bereits der dritte deutsche Betreiber, die Deutsche Funkruf GmbH, für ihren Telmi-Dienst Konkurs anmelden.

Am Nutzen der kleinen, Streichholzschachtel-großen Boxen hat es nicht gelegen, daß zwei von drei Pagerdienst-Anbietern nun die Segel streichen mußten, denn unterwegs erreichbar zu sein, ist eine feine Sache.Doch was nützt Vaters Handy, wenn eine ganze Familie miteinander kommunizieren will? Da müßte dann schon jedes Familienmitglied sein eigenes Handy haben, und das ist trotz Preissenkungen zu teuer.Also gilt es, eine preiswerte Alternative zu finden.Warum nicht die Kombination Handy - Pager? Der Pager kostet, zumindest ohne besondere Serviceleistungen, keine monatliche Grundgebühr, es bleibt also bei den Anschaffungskosten.Zwar kann man niemand anrufen, aber immerhin funktioniert es in einer Richtung, es lassen sich Nachrichten empfangen.

Nehmen wir ein Ehepaar als Beispiel: Sie hat ein Handy, er einen Pager.Beim getrennten Stadtbummel entdeckt sie im Schaufenster endlich das erträumte Schuhmodell.Ob es ihm auch gefällt? Also Handy eingeschaltet und die Zugangsnummer für Cityruf, Scall oder Skyper gewählt, Code eingetippt, und er weiß Bescheid.So weit, so gut, wären da nicht die Kosten.Beispiel D2: Ein Anruf zu Scall kostet den D2-Inlandspreis plus 1,69 DM pro Anruf, bei D1 pro Minute 2,13 Mark, E-Plus berechnet den Minutenpreis Inland zusätzlich 1,50 Mark.Günstiger ist da ein Anruf von D1 zu Skyper von T-Mobil: D1 Inlandspreis plus 1,06 je Anruf.Alles in allem sind das doch stattliche Preise für die kurze Informationsübermittlung.Wäre da ein Anruf aus einer Telefonzelle nicht billiger gewesen? Nein, denn tagsüber kassiert die Telekom für eine Nachricht an Scall 12 Einheiten à 20 Pfennig, das macht also 2,40 Mark.Ganz nebenbei: Trotz Digitalisierung des Netzes benötigt man in den meisten Zellen einen Tongeber, weil die Technik meist noch auf Impulswahl eingestellt ist oder man muß sich der umständlichen Spracheingabe bedienen.

Für Handy-Besitzer im Netz von D2, E-plus und mit erheblichen Einschränkungen auch D1 gibt es aber eine sehr preiswerte Alternative.Der Schlüssel zur preislich interessanten Kommunikation zwischen Handy und Pager heißt E-Mail.Bekanntlich kann man über die Mobilfunknetze auch E-Mails versenden, und zum Glück sind die Pager auch für E-Mail-Empfang eingerichtet.Allerdings gibt es Probleme.So ist das Versenden von E-Mails aus D1 zwar prinzipiell möglich und obendrein noch billiger als bei D2, nämlich pro Mail 0,15 DM, bei D2 0,39 DM und bei E-Plus 29 Pfennig, aber an Pager lassen sich aus D1 keine spezifischen Informationen übertragen, weil der Steuercode für das Handling mit der Betreffzeile fehlt.Bei D2 und E-Plus dagegen kann man mit der Eingabe *S# veranlassen, daß die Mitteilung in die Betreffzeile geschrieben wird, nur so können Pager wie Scall, Skyper, Quix oder Telmi vom Handy aus mit Information versorgt werden.Zwar würde eine E-Mail aus D1 einen Pager ansprechen können, aber nur mit eine Standardmeldung.Unabhängig davon besitzt jeder Pager aber eine E-Mail-Adresse, mit der man ihn per PC oder eben aus D2 erreichen kann: Scall hat dabei die Adresse "Scallnummer@scall.de".Für alle, die es gleich ausprobieren wollen, hier das Prozedere, mit dem aus D2 eine E-Mail an einen Scall-Pager geschickt werden kann.Zunächst gilt es im Handy das Menü "Text senden" aufzurufen und dann unter "Parameter" die Service- nummer +491722270333 einzugeben, denn für E-Mails ist eine besondere Servicezentrale zuständig.Die Menübezeichnungen sind bei den verschiedenen Handy-Marken leicht abgewandelt.Danach läuft alles wie beim Versand einer Message.Im Textfeld gibt man ein: "Scallnummer@scall.de:*S#" (Großschreibung bei "*S#" ist wichtig.) und anschließend den Code oder Text, den man übermitteln will.Falls das Handy den Klammeraffen @ nicht im Speicher hat, genügt für das "at" auch die Sterntaste *.Abgesendet wird an die Nummer 3400.Wenige Minuten später piepst der Pager und zeigt den Code oder Text an.Ein gewisses Risiko, was die Zuverlässigkeit von E-Mails angeht, bleibt allerdings.Nicht vergessen: Zum Senden von Messages muß anschließend wieder die passende Servicezentrale eingegeben werden.Am besten speichert man beide Servicenummern im Telefonbuch ab, dann lassen sie sich bequem aufrufen.Das gilt auch für die E-Mail-Eingaben, nur die Nachricht wird dann je nach Bedarf verändert.Und was muß man dafür bezahlen? Der Versand einer E-Mail an den Pager schlägt bei D2 mit 39 Pfennig zu Buche.Das ist sicher attraktiv.Bei E-Plus sind sogar nur 29 Pfennig zu berappen.

Nachrichten lassen sich an Pager aber auch aus dem Internet versenden.Zur Zeit bei Scall noch gebührenfrei.T-Mobil hält für seine Kunden ein kleines Trostpflaster parat: Auf Wunsch informiert T-Online per Pager über Mails, die im Server eingegangen sind, was mit 30 Pfennig pro Benachrichtigung zu Buche schlägt, via D1-Netz ist dieser Service sogar kostenlos.

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