Zeitung Heute : Papierloses Büro bleibt Vision

Auch zwanzig Jahre nach seiner Ankündigung bleibt das "papierlose Büro" Zukunftsmusik."Wir wissen nicht einmal, ob es das überhaupt geben wird.Wenn aber doch, wird es bis dahin noch lange dauern", sagte Patrick Bergmans, Leiter des Europäischen Forschungszentrums (XRCE) des Kopiergeräte- und Druckerherstellers Xerox, in Grenoble.Zwar würden in den Büros immer mehr Dokumente auf elektronischem Wege erstellt."Das Referenzdokument, mit dem gearbeitet wird, ist aber weiterhin der Ausdruck oder die Kopie", sagte Bergmans.

Laut Xerox ist der Papierverbrauch allein in den USA ungeachtet der zunehmenden Digitalisierung im vergangenen Jahrzehnt um 20 Prozent jährlich gestiegen.Das "Wall Street Journal" schätzt, daß allein wegen der Einführung elektronischer Post die Zahl der Ausdrucke in Unternehmen um 40 Prozent steigt.Pro zusätzliche 100 Millionen Dollar Einnahmen würden etwa 8,8 Millionen Blatt Papier mehr in einem Betrieb bewegt werden.

Dieser Trend werde in den kommenden Jahren weitergehen, sagt Bergmans.Verändern werde sich aber die Erstellung der Papiere: "Zur Zeit entstehen die meisten Dokumente noch durch Kopien.Deren Zahl wird im Vergleich zu den direkten Ausdrucken aus Computersystemen abnehmen." In den nächsten drei Jahren werde die Zahl der Ausdrucke die der Kopien bereits übersteigen, schätzte Bergmans.

Der XRCE-Leiter sieht mehrere Gründe für die ungebrochene Papierflut: "Am Bildschirm ist es sehr schwer, mehrere Dokumente gleichzeitig zu überblicken.Auf meinem Schreibtisch kann ich ohne weiteres neun Seiten nebeneinander liegen haben und bearbeiten.Papier kann ich mit beiden Händen anfassen; ich kann schnell Notizen oder Zeichnungen machen.Verträge beispielsweise werden noch immer auf Papier ausgetauscht und unterschrieben", führt Bermans aus und bestätigt damit gängige Alltagserfahrungen.

Um den Papierverbauch spürbar zu senken, müsse der Zugriff auf Dokumente in Computern deutlich vereinfacht werden, sagte Bergmans."Das muß so einfach sein wie kopieren.Die Art, wie Dateien bislang auf dem PC verwaltet werden, entspricht nicht der Art, in der Menschen arbeiten.Eigentlich wollen wir große Stapel, aus denen wir nach Bedarf jedes gewünschte Blatt einfach herausziehen können", sagte Bergmans.Zusätzlich müßten digitale Signaturen Herkunft und Echtheit der Dokumente garantieren können."Das muß noch passieren," sagte Patrick Bergmans."Das fängt erst an."

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