Zeitung Heute : Paradiesvögel

Der Londoner Designer Dai Rees macht exzentrische Hutobjekte

Inge Ahren

Eins Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber so eine Schar hysterischer Vögel lässt die Sehnsucht nach dem baldigen Frühling aufkommen. Dai Rees sträubt Geflügel das Gefieder und findet sich als Schöpfer von farbenprächtigem Kopfschmuck für selbstbewusste Ladies nicht nur bei den Londoner Fashion Shows, sondern längst auch auf den Titelseiten der Modejournale Britanniens wieder.

Dai Rees recycelt das Federkleid von Truthahn und Pute. In seinem Londoner Atelier, das so klein ist wie eine Puppenstube, poliert er mit seinem Partner Simon Munro die harten Federkiele, die Schäfte, schneidet sie in alle möglichen Formen und malt ihnen neue Farben und Muster. „Die Federn kommen aus den USA", erzählt Rees, der 41-jährige umweltbewusste Waliser. „Davon gibt es genug. Neuen Müll will ich nicht erzeugen."

Als britischer Hutdesigner steht Dai Rees mit Philip Treacy in der ersten Reihe. Bei seinen Schauen geht es zu wie bei einer Paradiesvogelhochzeit: Federbüsche mit silbern glimmernden Kielen, ganze Sonnengeflechte und Rad schlagende Flamingofedern zieren Stirn und Scheitel der Frauen. Auf den Köpfen sträubt sich das farbenprächtige Gefieder wie dem Federvieh sonst nur in der Balz: plissiert, gepunktet, eisblau, rabenschwarz, blutrot schwillt der Kamm.

Im letzten Jahr war anlässlich des königlichen Kronjubiläums in der hochkarätigen Tiara-Schau im Victoria & Albert Museum ein besonders bizarres, glitzerndes Exemplar von Dai Rees ausgestellt, mit dem er vor einigen Jahren in einer Modenschau Alexander McQueens debütierte. „Ich habe meine Kopfbedeckungen nie als Hüte betrachtet", sagt er. „Es sind mehr Objekte, die Leute kaufen sie zum Anschauen."

Rees’ Partner Simon Munro ist 40 Jahre alt, Landschaftsarchitekt und Lehrer an der Kingston University. Rees selbst lehrt Grafik an derselben Universität, Keramik in Plymouth und Mode am London College of Fashion. Die Hüte betrachten beide nicht als Arbeit. „Das machen wir aus reiner Begeisterung." So entstand auch die kleine, ironische Kappen-Kollektion für Stella McCartneys Sommerschau im letzten Jahr mit albernen Reimen darauf: „Tit for Tat means Hat", „Dog and Bone is Phone" – Humor für Insider.

Ideen und kein Ende. Das kunterbunte, zauberhafte Apartment, in dem Dai Rees und Simon Munro mit ihren Hunden Breccy und Dilys leben, ist nur slalomartig, vorbei an wild wuchernden Blumenkübeln und über eine Hinterhaustreppe zu erreichen. Hier, in den pastelligen Farben der zwanziger Jahre, werden auch die Ideen umgesetzt: für die ausgefallenen Federhüte, für eine überschaubare Kleider- und Hosenkollektion und für ganz und gar ausgefallene Obstschalen aus kernigem Leder.

„Jede Saison entsteht etwas Neues". Der sympathische Designer kann nicht aufhören. „Ich entwerfe und mache, der Vorgang ist dabei für mich das Wichtigste. Hand und Kopf, das bin ich", lacht Dai Rees, zupft schwungvoll aus einem Büschel langer, steifer Federn eine besonders garstige und tunkt sie in rosarote Farbe. Ein Anfang ist gemacht. Der Frühling kann kommen.

Kopfputz von Dai Rees gibt es bei MODA MO, Manuela Vobach, Giesebrechtstraße 17, (Charlottenburg), Telefon: 324 00 25.

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