Zeitung Heute : Paradiesvogel-Hochzeit

Für das Fest der Liebe kleidet Kaska Hass Paare ein – egal, welchen Geschlechts

Inge Ahrens

Traditionell kleidet sich der Bräutigam auch heutzutage ohne große Variationsbreite. Männer im Hochzeitsstaat sind im besten Falle elegant: Frack, ein dunkler Anzug vielleicht, mit oder ohne Weste. Fortgeschrittene greifen zum Cutaway oder im Sommer zum weißen Anzug. Doch die Herren wirken neben ihren schaumgewandeten Frauen meist wie ein akzentuierendes Fragezeichen.

„Das muss anders werden“, dachte sich Kaska Hass. Wer hat bisher schon an die Herren der Schöpfung gedacht, von den gleichgeschlechtlichen Heiratswilligen ganz zu schweigen. Der Mann und sein Weib, die Frau und ihre Liebste, Adonis und sein Traumpartner können sich bei Kaska Hass für die Hochzeit einkleiden lassen.

Coretto und Latte beispielsweise, zwei Herrenoutfits, variieren das Schwarzweiß-Thema ironisch. Zu Coretto gehört ein schwarzweißes Streifenhemd, das den Bizeps durchscheinen lässt, wenn der hüftlange, ebenfalls schwarzweiß gewürfelte Blouson ausgezogen wird. Über die transparenten, weiten Hosen fällt ein kniekurzer Kilt. Latte, cremeweiße Elastikspitzenhosen samt Hüftgürtel und glitzersternenübersäter Bluse unterm dupionseidenen Mantel, stellt jede Mädchenbraut kalt.

Kaska Hass berät im eigenen Atelier die Experimentierfreudigen unter den Heiratskandidaten. Die 38-Jährige, die in Hamburg an der Fachhochschule für Gestaltung studierte, bei Jil Sander ein Praktikum absolvierte und ihre Ausbildung in Berlin auf einer Schule für Schnitttechnik beendete, macht Mode für Paare. „Gleichgeschlechtlich oder nicht, ich stelle beide Partner in den Mittelpunkt.“ Dass die meisten Kunden aus Berlin sind, die in ihr Atelier in der „Weiberwirtschaft“ kommen, liegt nahe. In Berlin gibt es einfach mehr Paradiesvögel.

Damen im Anzug oder beide im Kleid? Und alles in Rot. Miss Kitty, die selbstbewusste Salonschlampe, schlüpft am Tag der endgültigen Hingabe in pfefferrote Spitze mit Schleppe, und der Häkchenverschluss der strammen Korsage verheißt endloses Nesteln ihrer Partnerin. Die steckt in Rosen bis zum ausladenden Dekolleté und ist gerafft vom Fußknöchelchen bis zur Hüfte. An unschuldiges Weiß erinnert nur der tüllschäumende Schlitz, aus dem das Bein lugt. „Ich will keine Nachtigallen zu Hausvögeln machen“, lacht Kaska Kass. Ganz im Gegenteil: „Bei mir sind alle Paradiesvögel.“ Festlegen in Sachen Mode wollte sie sich nie, geschweige denn selber heiraten. Nun hat sie eine Nische gefunden, eine Marktlücke für Hochzeiter mit Auftrittsallüren. „Ich verkleide niemanden. Meine Stoffe erzeugen die Stimmung, sie sind sehr farbig und die Kombinationen gewagt.“

Kaska Hass macht gerade mal sechs Entwürfe pro Saison. Der Rest sind Sonderanfertigungen für Heiratslustige. Bei einem Hochzeitsevent im letzten Dezember ging ein „Ahhhhhh!“ durch die Reihen der Gäste, als ihre Outfits gezeigt wurden. „Bei so viel Experimentierfreude zeigen die Leute ihre Gefühle.“ Sein erdbeerfarbener Cut mit Satinband um die Mitte war einfach köstlich, ihr gerafftes weißes Kleid mit raschelnder Schoko-Vanille-Schleppe lief vorn als V aus wie ein Badeanzug aus den Fünfzigern. Man spürt, dass die Designerin jahrelang immer wieder Theaterkostüme entworfen hat. Langweilig ist es auf keinen Fall.

Traut euch. Kaska Hass, Anklamer Straße 38, (Mitte), Infos unter Telefon 44017661 oder www.traut-euch-mode.de.

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