Zeitung Heute : PARAGUAY - BULGARIEN: Vom Treff der Exzentriker

MONTPELLIER .Vorhang auf für den Auftritt zweier exzentrischer Genies.Im Stade La Mosson von Montpellier stehen sich heute (14.30 Uhr) im Spiel Paraguay gegen Bulgarien (Gruppe D) zwei Fußballkünstler gegenüber, die für ihre Eskapaden bekannt sind: Paraguays Torwart Jose Luis Chilavert kontra Bulgariens Stürmer Hristo Stoitschkow.Beide glänzen auf dem Spielfeld mit begeisternden Aktionen, werden in ihrer Heimat als Volkshelden verehrt, doch den Temperamentsbündeln gehen mitunter die Pferde durch.

Daß ein Torwart als begnadeter Fußballer gepriesen wird, ist höchst selten.Chilavert hat sich diesen Ruhm nicht nur mit beeindruckenden Reflexen zwischen den Pfosten verdient, sondern auch als Torjäger.Mittlerweile hat "Südmamerikas Fußballer des Jahres 1996" und "Welttorhüter 1997" 41 Treffer erzielt.Aber der 32 Jahre alte Schlußmann ist auch wegen seiner Wutausbrüche gefürchtet, die zuweilen in Prügeleien gipfeln.Unter anderem bekam der Kolumbianer Fausto Asprilla das zu spüren.Chilavert wurde daraufhin für fünf Spiele gesperrt.In der Vorbereitungsphase ohrfeigte er einen paraguayischen Journalisten, der ihn beleidigt haben soll.

Auch Stoitschkow läßt schon mal die Fäuste sprechen.Vor drei Wochen griff auch er einen Journalisten tätlich an, weil ihm dessen Berichterstattung mißfiel.Pressekonferenzen nutzt der WM-Torschützenkönig von 1994 (6) nicht selten zu Generalabrechnungen mit den Medien.Bei der Europameisterschaft 1996 in England warf er einen Journalisten aus dem Hotel."Er ist ein Star mit allen Allüren.Den kann man nicht mehr ändern", meint Trainer Hristo Bonew."Ich sage eben das, was ich denke.Das mißfällt einigen", verteidigt Stoitschkow sein aufbrausendes Naturell.Beim FC Barcelona lag er mit Trainer Johan Cruyff und dessen Nachfolger Louis van Gaal im Dauerclinch.Sowohl Chilavert als auch Stoitschkow auf das Niveau von arroganten Rüpeln reduzieren zu wollen, wäre jedoch falsch.Beide sind außerhalb des Spielfeldes ruhige, umgängliche und intelligente Typen mit Charisma.Stoitschkow, der als einer der reichsten Männer Bulgariens gilt, schlägt zudem ein soziales Gewissen.Er spendet für Kinderheime, Arme und karitative Einrichtungen."Ich kann mir das leisten und ich gebe gern jenen, die nichts haben", sagt Stoitschkow.

Angst vor einer Auftaktniederlage heute in Montpellier plagen beide Ballkünstler.Chilavert ist sich gar sicher: "Das erste Spiel ist entscheidend.Eine Niederlage würde bedeuten, daß wir gegen den Gruppenfavoriten Spanien gewinnen müßten." Die Südamerikaner bangen um den Einsatz des leicht verletzten Verteidigers Arce, der eine spielentscheidene Figur im Team ist.In den letzten Testspielen haben die Paraguayer zwar fünf Niederlagen einstecken müssen, doch Trainer Paolo Cesar Carpeggiani kündigte an: "Die Mannschaft bei der WM ist nicht mit der in den Testspielen zu vergleichen." Bulgariens Team hat sich reihenweise Videokassetten über den Kontrahenten angesehen."Wir wissen, wie wir Paraguay packen müssen", versichert Stoitschkow.

Sein Kollege Krassimir Balakow, der seine Stiefel in der Bundesliga für den VfB Stuttgart schnürt, traut seiner Elf einiges zu: "Wir schaffen zumindest den Einzug ins Achtelfinale.Danach ist alles möglich.Für das Selbstvertrauen ist natürlich ein Auftaktsieg gegen Paraguay wichtig." Balakow wiederspricht Meinungen, wonach die Bulgaren zu alt für große Erfolge wären.Balakow: "Die deutsche Mannschaft ist noch älter als unsere.Und sie wird als Titelkandidat gehandelt.Das sagt doch alles.Wir sind reifer geworden, aber nicht schlechter."

ARD - 14.30 Uhr WM live: Paraguay - Bulgarien

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