Zeitung Heute : Paris zweimal sein Traumziel

NIZZA (sid).Paris ist für Christian Wörns gleich in zweifacher Hinsicht eine Reise wert.Erst möchte der künftige "Franzose" mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am 12.Juli im "Stade de France" Weltmeister werden, anschließend steht für den 26 Jahre alten Abwehrspieler beim Traditionsklub Paris St.Germain eine neue sportliche Herausforderung an.

Den Umzug in die französische Metropole nach Poissy hat seine Frau Hanna-Rita schon abgewickelt, doch die Gedanken von Wörns kreisen derzeit hauptsächlich um die WM."Mein Ziel ist der Titel", verkündet er forsch.Ohnehin hat der 26jährige nach zuletzt starken Leistungen in der DFB-Auswahl seine Zurückhaltung aufgegeben."Ich gehe davon aus, daß ich gegen die USA spiele.Ich habe mir im letzten halben Jahr einen Stammplatz erarbeitet", erklärte Wörns selbstbewußt.

In der Tat ist der Ex-Mannheimer bei Bundestrainer Berti Vogts inzwischen eine feste Größe und bildet zusammen mit Jürgen Kohler das Waldhof-Abwehrbollwerk.Konkurrenten wie Markus Babbel, Thomas Helmer oder Thomas Linke hat er längst den Rang abgelaufen.Doch darauf hat Wörns lange warten müssen.Schon als 19jähriger bestritt er im April 1992 gegen die Tschechoslowakei (1:1) sein erstes von bislang 17 Länderspielen, der Durchbruch gelang erst sechs Jahre später.

Die Gründe liegen für Wörns auf der Hand: "Ich war damals noch nicht soweit und nicht konstant genug.Außerdem mußte ich dann im Verein und oft auch in der Nationalmannschaft rechter Verteidiger spielen, das war mein Problem." Viel lieber sieht sich der Defensivkünstler, der bei der Euro 1996 nicht über eine Reservistenrolle hinauskam, in der zentralen Rolle.Da könne er nach gewonnenem Zweikampf besser auf Offensive umschalten.

Was Wörns zuletzt immer wieder eindrucksvoll gelang.Selbst im Spiel gegen Weltmeister Brasilien im März (1:2) blieb dem Bayer-Star trotz der Bewachung von Weltfußballer Ronaldo noch Zeit für einige gelungene Vorstöße und die Vorarbeit zum 1:1 durch seinen Vereinskollegen Ulf Kirsten."Das war absolute Weltklasse", zollte Vogts damals Lob für die Leistung.

Trotzdem sieht Wörns noch längst nicht das Ende seiner Entwicklung erreicht: "Ich würde gerne noch ab und zu ein Tor machen." Klare Ziele hat er auch für seinen Dreijahresvertrag bei "PSG": Meisterschaft und Champions League sollten es bitte schon sein.

Um keine Probleme bei der Eingewöhnung zu haben, nahm Wörns zusammen mit seiner Frau sogar privaten Französisch-Unterricht."Von meinen vier Jahren Schul-Französisch ist leider nicht mehr viel übriggeblieben", sagte er am Dienstag und verabschiedete sich mit einigen Kollegen aus der Nationalmannschaft zur Freizeitgestaltung in Richtung St.Tropez."Ich probiere, Land und Leute besser kennenzulernen."

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