Zeitung Heute : Park Kolonnaden: Rauschen und Pfeifen

Harald Olkus

Hohe, pfeifende Töne, Geräuschfetzen mit Radiostimmen, atmosphärisches Rauschen und dazwischen immer wieder Stille. Zwischen 80 und 150 Besucher am Tag hatte die Ausstellung "Aquarium" von Hans Peter Kuhn im Klangkunstforum im Haus 2 der Parkkolonnaden am Potsdamer Platz. Recht beachtlich für eine Ausstellung auf einer Baustelle. Bis vergangenen Mittwoch konnte man dort Klangereignissen lauschen, die aus - in Kopfhöhe aufgehängten - Lautsprechern drangen und dabei auf Rollrasen zwischen fünf mit Bruchglas gefüllten Glascontainern spazieren gehen. Oder man setzte sich auf der Empore in einen ledernen Sessel mit Rauchtischchen, Wodkaflasche und Stehlampe.

Nach zehn Wochen Dauer endete die mittlerweile vierte Ausstellung des Klangkunstforums in den Park Kolonnaden. Die nächste wird bereits vorbereitet. Im April vergangenen Jahres hat der Bauherr, die HVB Projekt GmbH, das Forum ins Leben gerufen. Die Einbeziehung von Kunst und Kultur in die Vermarktung eines Gebäudes bringe neben der Image- und Adressenbildung auch einen enormen Geschäftsnutzen, sagt Hugo Gensler, Geschäftsführer der HVB Projekt. Auf diese Weise könne die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, und damit auch potenzieller Mieter, viel effektiver auf die Park Kolonnaden gelenkt werden, als mit großformatigen Anzeigen. Gleichzeitig wird mit dem Klangkunstforum eine relativ junge und unbekannte Kunstform unterstützt, die aber wie geschaffen sei für "Kunst am Bau", weil sie mit der täglich sich verändernden Geräuschkulisse der Baustelle in Interaktion trete.

Mit den Park Kolonnaden nähert sich nach dem DaimlerChrysler Areal und dem Sony Center das dritte große Bauprojekt am Potsdamer Platz seiner Fertigstellung. Der erste Bauabschnitt kann seit Jahresbeginn bezogen werden. Ein Bäcker im Erdgeschoss hat dies bereits genutzt und auch die Cargo Lifter AG hat einen Mietvertrag über 1000 Quadratmeter unterschrieben. Über die Vermietung weiterer Flächen wird derzeit noch verhandelt, die HVB geht jedoch davon aus, dass Haus 1 und 2 bald vermietet sein werden. Zu den Interessenten gehören hauptsächlich ausländische Firmen, die eine Repräsentanz in Berlin eröffnen wollen sowie Lobbyisten und Beratungsunternehmen. Insgesamt stehen 42 000 Quadratmeter Büroflächen zur Verfügung, die kleinsten Einheiten beginnen bei 400 Quadratmetern. Die Mietpreise variieren je nach Größe der angemieteten Fläche und der Lage im Gebäude, orientieren sich aber an ortsüblichen Vergleichsmieten. 70 Prozent der insgesamt 75 000 Quadratmeter Fläche sollen als Büros, 20 Prozent als Wohnungen und zehn Prozent als Läden und Restaurants genutzt werden.

Tropfenförmiger Kopfbau

Südlich des Potsdamer Platzes entstehen mit den Park Kolonnaden insgesamt fünf Gebäude, die verschiedene Architekten nach einem Gesamtplan des Mailänder Architekten Giorgio Grassi entworfen haben, der den städtebaulichen Realisierungswettbewerb gewonnen hatte. Grassi schafft mit seinem Konzept einen Übergang vom gewachsenen Wohnquartier an der Köthener Straße und dem neu entstandenen Stadtviertel am Potsdamer Platz. Fertiggestellt ist der tropfenförmige Kopfbau mit Glasfassade direkt am Potsdamer Platz / Ecke Stresemannstraße. Er überragt den Gesamtkomplex um zwölf Meter. Seine runde Fassade nimmt die Architektur des "Hauses Vaterland" auf, das im Krieg zwar schwer beschädigt, in Teilen aber noch bis Anfang der fünfziger Jahre genutzt wurde. Das "Haus Vaterland" hatte nach 1914 als größtes Caféhaus der Welt gegolten. Während der Arbeiteraufstände am 17. Juni 1953 brannte die Ruine aus.

Die vier benachbarten Gebäude folgen mit ihren H- und U-förmigen Grundrissen dem Bautyp des "Palais", der im 18. Und 19. Jahrhundert oft für öffentliche Bauten verwendet wurde. Die dadurch entstehenden Innenhöfe öffnen sich zu einem Parkstreifen hin, der zwischen dem DaimlerChrysler-Areal und den Park Kolonnaden angelegt werden soll. Die einzelnen Gebäude werden im Erdgeschoss durch einen Kolonnadengang miteinander verbunden.

Während Haus 2 ebenfalls fertiggestellt ist, sollen die drei anderen Gebäude des Komplexes ab August vermietet werden können. Im U-förmigen Haus 5 werden die notwendigen Wohnflächen geschaffen. "Hier ist die Nachfrage von Mietinteressenten besonders groß", sagt HVB-Geschäftsführer Hugo Gensler. Die Wohnungen sollen allerdings verkauft werden. Investor des 500 Millionen-Mark-Projektes ist die A + T Projektentwicklungsgesellschaft. An ihr sind der schwedisch-schweizerische Konzern Asea Brown Boveri (ABB) und die Münchner Projektentwicklungsgesellschaft Terreno beteiligt, an der wiederum die Unternehmensgruppe Roland Ernst und die HVB Projekt beteiligt waren. Nach dem Konkurs von Roland Ernst hat die HVB Projekt seinen Anteil an Terreno übernommen.

Noch wird die Brachfläche zwischen dem letzten Haus der Parkkolonnaden und dem Reichspietschufer lediglich von der U-Bahn durchschnitten. Die schiefe Gleisebene, die vom U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park bis unter den Komplex der Park Kolonnaden führt, soll aber überbaut werden. Die Gesellschaft für Städtebau und Projektentwicklung (GSP) hat das Grundstück kürzlich vom Land Berlin erworben und will es nach Plänen des Architektenbüros Hilmer & Sattler mit Wohn- und Bürohäusern bebauen. Das technisch anspruchsvolle Projekt soll 280 Millionen Mark kosten, Baubeginn soll im kommenden Oktober sein.

Auch der Künstler für die nächste Ausstellung im Klangkunstforum steht bereits fest. Am 9. März eröffnet mit "Gossip" ein Klangspektakel des Hamburger Künstlers Andreas Oldörp. Durch ein Leitungssystem aus verschiedenen Schläuchen und Kolben betreibt er Orgelpfeifen mit Wasserdampf.

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