Zeitung Heute : Passagiere werden bald gescannt

Rita Neubauer

US-Flughäfen rüsten mit biometrischen Geräten auf. Digitale Fingerabdrücke sollen die Identität von Reisenden bestätigen, Geräte sollen Bomben "erschnüffeln". USA-Reisende müssen sich künftig auf einiges mehr als nur die Passkontrolle gefasst machen.

Zum ersten Mal zum Einsatz kamen die digitalen Kameras im vergangenen Sommer in Tampa, Florida, wo sie Kriminelle aufspüren sollten. Nun will Fresno, ein kleiner Flughafen im Herzen Kaliforniens, mit speziellen Kameras die Passagiere biometrisch abtasten. Die Kameras nehmen die Gesichter von Passagieren aus verschiedenen Winkeln auf und zerlegen die Charakteristika in digitale Kennzeichen, die dann mit den Fotos von gesuchten Kriminellen und Terroristen verglichen werden können. Stimmen 14 der 80 Kennzeichen mit einer gesuchten Person überein, schrillt ein Alarm.

Die verschärften Sicherheitsvorkehrungen per Digitalkameras sind nur der Anfang. Ein Hightech-Gerät soll auf dem Flughafen in Knoxville, Tennessee, zum Einsatz komme, das eventuellen Sprengstoff an Körpern "erschnüffelt". Gleichzeitig will die US-Regierung verstärkt die Einreise von Ausländern kontrollieren. Denn die Terroranschläge vom 11. September haben nicht nur die US-Bürger erschüttert, sie haben auch die Gesetzesgeber mobilisiert.

So hat das Repräsentantenhaus wenige Tage vor Weihnachten einen Aktionsplan verabschiedet, zu dessen Ziel die Aufnahme biometrischer Daten in Pässen gehört. Will heißen, Beamte an Grenzen und Flughäfen sollen in absehbarer Zukunft Reisende mit digitalisierten Fotos und Daten auf ihren Einreisedokumenten vergleichen können.

Auf ausgestellten Visa soll das Foto gescannt und in einer zentralen Datenbank in den USA archiviert werden. Das gleiche Verfahren könnte für digitalisierte Fingerabdrücke oder das Scannen der Augeniris angewendet werden. Folgen hat dies auch für Staatsangehörige aus 29 Ländern, darunter Deutschland und die Schweiz, die ohne Visum einreisen können. Diese Staaten müssten dann entweder biometrische Daten in ihre Reisepässe mit aufnehmen oder eine erneute Visumspflicht akzeptieren.

Wenn auch dieses Diktat außerhalb der USA reichlich ungewöhnlich anmutet, in den Vereinigten Staaten selbst erhebt sich bislang kaum Protest. Nach einer jüngsten Umfrage der "New York Times" und CBS News sind 90 Prozent der Befragten mit der Art, wie US-Präsident George Bush die Kampagne gegen den Terror handhabt, zufrieden. Eine Mehrheit hat auch nichts dagegen, persönliche Freiheiten im Kampf gegen den Terrorismus aufzugeben.

Befürworter rechtfertigen die vorbeugenden Schritte vor allem damit, dass auf diese Weise leichter die Reiseaktivitäten Verdächtiger überwacht werden können. Erst Recht, wenn die Visa von Ausländern zusätzlich mit einem Strichcode versehen werden, wie es sich mancher Gesetzesgeber wünscht.

Bedenken gibt es dennoch. Vor allem von Technologie-Experten, die davor warnen, Biometrik als Allheilmittel zu betrachten. Denn hat erst einmal ein Reisender eine falsche Identität angenommen, sind biometrische Daten wertlos. Auch melden Bürgerrechtsgruppen Bedenken an. Sie fürchten um den Schutz der Privatsphäre.

Profiteure im Kampf gegen den Terrorismus sind vor allem Hightech-Unternehmen wie Identix im kalifornischen Los Gatos, das biometrische Sicherheitssysteme entwickelt. Der Markt wird auf einige hundert Millionen Dollar geschätzt.

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