Zeitung Heute : PC-Spiele-Debatte: Hau den TrittinAchtung 2in 1

Kurt Sagatz

Computer und Internet gelten als Synonym für Modernität und Jugendlichkeit. Auch bei der Jungen Union, dem Jugendableger von CDU und CSU. Und weil die Jugend auf Computer, Internet und PC-Spiele abfährt - die PDS war mit ihrem Computer-Spiel "Captain Gysi" äußerst erfolgreich - hat die Junge Union seit ihrer Bundeskonferenz im Oktober 2000 nun ebenfalls ein Computergame auf der Homepage, das sowohl online gespielt als auch herunter geladen werden kann. Der eigentliche Titel des Spiels - "Schwarzwild" - trifft die Sache allerdings nur halb, denn vom Inhalt her müsste es "Hau den Lukas" oder noch genauer: "Hau den Trittin" heißen.

Vorbild der Politiker-Jagd war das bekannte Moorhuhn-Spiel. Statt zum Gewehr wird allerdings zur großen Keule gegriffen, um die maulwurfartig aus den Löchern des Reichstagsrasens hervor blickenden Politiker mit zielsicherem Schlag ins Erdreich zurück zu befördern. Ziel des Spiels sei es gewesen, auf "zeitgemäße, witzige, satirische Art einen niedrigstufigen Einstieg in die Politik" zu schaffen, so der Bundesgeschäftsführer der jungen Union, Michael Hahn, auf Anfrage. Immerhin 560 000 Anfrage verzeichnete die Internet-Seite mit dem Spiel seither. Die meisten Punkte (1000) kassiert der Spieler für Trittin, Schröder und Müntefering, der Schlag auf Gysi wird mit 500 Punkten belohnt. Rundumschläge auf Merkel, Merz und Stoiber führen zu jeweils 100 Strafpunkten.

Dass das Spiel angesichts der Debatte um die missglückten Anti-Schröder-Plakate von Laurenz Meyer nun auch in die Schusslinie geraten ist, kann Hahn nicht nachvollziehen. Man habe bei der Konzeption des Games sorgfältig darauf geachtet, dass die satirische Überhöhung deutlich bleibt. Darum sehe er auch der Strafanzeige von Volker Beck von Bündnis90/Die Grünen gelassen entgegen, der wegen "Gewaltverherrlichung und Verunglimpfung der Mitglieder der Bundesregierung" gegen das Spiel vorgeht. Becks Kommenatar: "Der Vorgang zeigt die Heuchelei der Union. Frau Merkel muss das Verhältnis ihrer Partei zur Gewalt klären". Eine Entschuldigung sei fällig.

Die beste Highscore-Strategie führt bis zur Klärung der juristischen Debatte über Jürgen Trittin, denn auf ihn haben es die Initiatoren des Spieles auch in seinem Büro abgesehen. Zum Abbau der Meinungsverschiedenheiten zwischen dem "Autokanzler" Schröder und dem "Abschalter" Trittin muss der Spieler verteilt der Bundeskanzler hier Fußtritte, was diesem Teil des Spiels den Namen "Tritt ihn!" einbracht. Um den Punktstand aufzubessern, hilft es aber auch, mit "Super-Edi" den Schuhplattler-Edmund (Stoiber) zu tanzen oder eine neue Frisur für Angela Merkel auszusuchen. Immerhin kommt man dann auf einen etwas netteren Spieltitel: "Mach mir die Westerwelle"

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