Zeitung Heute : Peer Steinbrück?

Jürgen Zurheide[Düsseldorf]

„Namen sind Nachrichten“ besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Peer Steinbrück (SPD) könnte nach der Wahl vielleicht Vizekanzler werden. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.

AMT: Gerhard Schröder und Franz Müntefering haben ihn mehr als einmal bedrängt. Schon bald nach der Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen fragten beide, ob er nicht an prominenter Stelle in den Bundestagswahlkampf eingreifen könne. Steinbrück hatte angesichts des schlechten Bundestrends mit 37 Prozent noch ein erstaunlich gutes Ergebnis geholt. Doch Steinbrück ließ sich nicht locken. „Ich bin ein Mann der Exekutive“, sagte er. Die Linken in der SPD-Fraktion erleichterten Steinbrück die Entscheidung, weil sie ihn vorsorglich hatten spüren lassen, dass er von den linken Platzhirschen der Partei nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird.

AMBITIONEN: Seinem Selbstbewusstsein hat das nicht geschadet. Er bekommt täglich Einladungen aus der gesamten Republik, viele Genossen wollen ihn im Wahlkampf erleben. Ihnen gefällt, wie er seinen Anspruch an eine moderne SPD mit dem klaren Bekenntnis zu sozialer Gerechtigkeit verknüpft. „Die Fliehkräfte in der Gesellschaft nehmen zu, wir müssen aufpassen, dass sie nicht zu groß werden“, heißt das in seinen Worten, bevor er hinzufügt, „da haben die Eliten eine besondere Verantwortung“. An diesen Stellen applaudieren auch Gewerkschafter und manch einer fragt sich bitter, warum Gerhard Schröder diese Botschaft früher nicht ähnlich überzeugend vorgetragen hat wie Steinbrück heute.

AUSSICHTEN: Sie sind groß, wenn es eine große Koalition gibt. Dann könnte der Volkswirt zum Beispiel Vizekanzler und Wirtschaftsminister werden. Für den Fall, dass Rot-Grün weiterregiert, wird er auch als Finanzminister gehandelt.

WAHRSCHEINLICHKEIT:

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar